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Gold-Gaunereien: Die Stolpersteine in Bildern

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Gefährliche Gold-Hausse Die dunkle Seite der Pracht

Anleger suchen Sicherheit in der Fluchtwährung Gold. Doch die Gold-Hausse lockt nicht nur seriöse Anbieter auf den Plan: Investoren sollten sich vor der steigenden Zahl von Graumarkt-Angeboten in Acht nehmen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Ein Rastplatz an einer deutschen Autobahn, eingehüllt in Dieselgeruch und Motorengedröhn. Kein Platz zum Verweilen - und auch keiner für Finanzgeschäfte. Dennoch wird dort immer wieder Gold verkauft, zumeist Schmuck aus dem Kofferraum. Keinesfalls nur vereinzelt.

"Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, aber dass die bösen Buben immer dann auftauchen, wenn die Menschen nervös werden, das war schon immer so, auch in den Jahren 2000 und 2001", sagt Klaus Nieding, ein auf Anlagerecht spezialisierter Anwalt. "Die Menschen wissen, dass Gold wertvoll geworden ist und sind deswegen auch empfänglich für so eine Verlockung." Und denken nicht nur über Goldfonds oder Krügerrands nach, sondern über weitere Möglichkeiten, in das teure Metall zu investieren.

So wie sie sich scheinbar an deutschen Autobahnen bieten, wo Menschen vermeintliche Schmuckstücke als vermeintliches Schnäppchen kaufen. Oder in Internetshops, in denen Goldmünzen oder auch Barren feilgeboten werden. "Eindeutig betrügerisch sind Online-Webshops, die im Gewand seriöser Edelmetallhändler auftreten und gegen Vorkasse Goldmünzen und -barren anbieten, die dann niemals geliefert werden", sagt Fabian Haunss von der Plattform trustable gold.

Selbst ein zwischengeschalteter Treuhänder ist kein Schutz, wie ein Fall aus Jena beweist. Dort hatten die Täter etwa 1000 so genannte "Finanzagenten" angeworben, auf deren Konten die Überweisungen der Kunden landeten - um von dort gegen Provision weitergeleitet zu werden.

Der Erfolg solcher Modelle ist nicht nur der kriminellen Energie ihrer Erfinder geschuldet. Auch Anleger sind manches Mal zu gutgläubig. "Bei einem vermeintlichen Schnäppchen wird die Vorsicht schon mal über Bord geworfen", so Haunss. Doch auch wenn manche Anleger es den Betrügern leicht machen; sie stehen einem komplexen und schwer durchschaubarem System gegenüber.

Schneeballsystemen auf der Spur: Wenn der "Moneytracer" übernimmt

"Viele der Betrüger arbeiten mit einem Schneeballsystem", erklärt Advokat Nieding. Haunss ergänzt: "Nachdem es vielen dieser auf Ponzi-Schemes beruhenden Vertriebe durch zunehmende Regulierung zu schwierig wurde, weichen sie wohl auf den Verkauf von Goldsparplänen und ähnlichem aus. Um hierzulande Gold zu verkaufen, benötigt man keine Lizenz."

Ist das Geld der Investoren erst in den Kanälen solcher Organisation verschwunden, wird es ganz schwer. "Sobald das System stoppt, zum Beispiel, weil die Staatsanwaltschaft ermittelt, kommt kein neues Geld mehr nach", sagt Nieding. "Es steht nur eine begrenzte Menge Geld zur Verfügung - und auch das wird schnell ins Ausland transferiert. Wir nutzen inzwischen spezialisierte Ermittler, sogenannte 'moneytracer', die versuchen, dem Geld nachzuspüren. Aber oftmals endet die Spur, in Litauen oder sonst wo auf der Welt." Und damit die Chance für die Geprellten, entschädigt zu werden.

Abflauen wird diese fehlgeleitete Kreativität nicht, im Gegenteil. Der hohe Goldpreis wird auch weiterhin für halbseidene Angebote sorgen. "Es werden vermehrt unseriöse und dubiose Goldmineninvestments angeboten werden.", prognostiziert Werner Ullmann, Vorstand der Placer Gold International Corporation, die sich auf der Exploration und Entwicklung spezialisierter Goldlagerstätten konzentriert. Sein Ratschlag: "Als Privatanleger sollten entsprechende Firmen im Internet recherchiert werden. Dabei empfehle ich Investoren vor allem auf die Historie des Unternehmens zu achten, wie etwa den Aktienkursverlauf und so weiter. Und sehr wichtig: Man sollte einen genauen Blick auf das Management der Gesellschaft werfen und sehen, ob das Management entsprechende Branchenerfahrung mitbringt."

Beim World Gold Council, einer Art Verband der Goldförderer, weiß man um die kriminellen Machenschaften, doch zuckt man mit den Schultern und verweist auf eine Liste mit Online-Geschäften, "allerdings nicht geprüft" wie es auf Nachfrage heißt.

Auf keinen Fall blenden lassen, dürfte daher die Lehre sein, die aus dieser Entwicklung zu ziehen ist. Trotz der glänzenden Entwicklung des Goldpreises.

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