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Gold: Goldbugs, Nixon und der "Freak Peak"

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Riskante Rohstoffinvestments Im Schatten der Goldpreisrally

Der Goldpreis hat bei 1600 Dollar je Unze einen weiteren Meilenstein passiert. Die Kurse anderer Rohstoffe dagegen stehen seit Monaten unter Druck. Die Frage ist: Wann setzt sich die Rohstoffhausse auf breiter Front fort - und welches Investmentvehikel ist dann das richtige?

Hamburg - An den Rohstoff- und Metallmärkten nimmt Gold seit jeher eine Sonderrolle ein: Es hat eine deutlich geringere industrielle Bedeutung als etwa Öl, Erdgas, Eisenerz, Baumwolle oder Weizen. Folglich wird sein Preis mehr als der anderer Materialien aus diesem Sektor durch die Kräfte der Finanzmärkte beeinflusst.

Die Konsequenz: Psychologische Faktoren haben einen enormen Einfluss auf den Goldpreis . Aktuell zeigt sich das daran, dass die Feinunze bei 1600 Dollar einen weiteren Meilenstein passiert hat, während der übrige Rohstoffsektor seit Monaten bestenfalls seitwärts tendiert.

Denn was den Goldpreis treibt, wirkt auf das Gros der übrigen Preise am Rohstoffmarkt bremsend: Die Sorgen um die ausufernden Staatsschulden in Europa und den USA, die schwächelnde Konjunktur in den Vereinigten Staaten, die Furcht um eine Überhitzung in China. All dies kann die Nachfrage nach Rohstoffen seitens der Wirtschaft beeinträchtigen - und drückt deshalb auf die Preise.

Seit Anfang des Jahres erleben Anleger von Rohstoffzertifikaten oder Indexfonds daher unruhige Zeiten. Die Preise von Weizen und Baumwolle beispielsweise haben erheblich nachgegeben. Der Ölpreis hat sich ebenfalls ein gutes Stück von seinem Hoch im April entfernt, bedingt unter anderem durch die Ankündigung der Internationalen Energieagentur (IEA), vor dem Hintergrund der Unruhen in Nahost und dem Norden Afrikas strategische Ölreserven von Industriestaaten zum Teil freizugeben.

Die verführerische Rohstoffstory

Doch wie geht es weiter? Wie lange wird es noch dauern, bis der Aufwärtstrend auf breiter Front wieder einsetzt? Ist es überhaupt sicher, dass es dazu kommt?

Klar ist, die Finanzindustrie verkauft Rohstoffinvestments gerne mit einer verführerischen Story: Das Angebot der meisten Rohstoffe sei natürlich begrenzt, heißt es da. Das gelte für die weltweiten Öl- und Gasreserven ebenso wie für die Flächen, auf denen landwirtschaftliche Güter produziert werden. Auf der anderen Seite nehme jedoch die Nachfrage laufend zu, etwa aufgrund der stetig zunehmenden Weltbevölkerung oder aufgrund des globalen Wirtschaftswachstums, welches vielerorts zudem für einen steigenden Lebensstandard sorge. Die Folge, so die Argumentation, könnten nur steigende Preise sein.

Das klingt überzeugend. Tatsächlich ist auf den Rohstoffmärkten seit einigen Jahren eine klare Tendenz zu Preisanstiegen zu erkennen. Dennoch hat die Theorie ihre Schwächen.

So hat es in der Vergangenheit durchaus Phasen gegeben, in denen bestimmte Rohstoffe auch langfristig betrachtet billiger wurden. "Der reale Preis für Weizen etwa ist jahrelang gesunken", sagt Leon Leschus, Rohstoffexperte vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). "Obwohl auch seinerzeit bereits die Weltbevölkerung größer wurde."

Hinzu kommt: Auch künftig wirken Einflüsse auf die Märkte, die tendenziell eher für sinkende, als für steigende Preise sprechen. Zum Beispiel aus der Politik. Seit langem schon wird die Kritik lauter, der Einfluss von Finanzinvestoren auf die Preisentwicklung lebensnotwendiger Grundstoffe wie Weizen oder Reis werde immer größer. Ebenso mehren sich inzwischen jedoch die Stimmen aus der Politik, die darauf drängen, etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen.

Warum Preisanstiege keineswegs sicher sind

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) zum Beispiel verlangte vergangene Woche im Interview mit SPIEGEL ONLINE, die Finanzminister der G20, also der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, müssten "die Grundlage schaffen für eine stärkere Regulierung der Terminmärkte für Agrarrohstoffe". Die Ministerin sagte: "Ziel muss sein, die Achterbahnfahrt an den Rohstoffbörsen zu beenden, etwa durch Positionslimits für bestimmte Waren."

Sie habe darüber bereits mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gesprochen: "Er ist dabei. Wir sind uns einig, dass wir handeln müssen - nicht im Alleingang, sondern gemeinsam mit unseren Partnern in der G20", sagte Aigner.

Darüber hinaus gibt es weitere potenziell preisdämpfende Faktoren. Zum Beispiel die Entdeckung und Erschließung immer neuer Vorkommen. "Steigt der Ölpreis, so wird immer tiefer danach gebohrt", sagt Experte Leschus vom HWWI. "Ebenso rückt die kostspielige Gewinnung aus Ölsand in den Fokus."

Einen ähnlichen Effekt kann in der Landwirtschaft der Einsatz von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln haben. Laut Leschus gibt es vor allem in der dritten Welt in diesem Bereich noch erhebliche Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern - mit entsprechender Auswirkung auf den Preis.

Das Fazit des Experten lautet daher: Die Rohstoffpreise werden zwar künftig tendenziell steigen - aber vielleicht nicht so stark, wie von vielen vermutet oder erhofft.

Experten erwarten steigende Preise

Ähnlich sieht es Eugen Weinberg, Rohstofffachmann der Commerzbank . Der eigentlich starke, weltweite Anstieg der Preise setzte erst in den vergangenen zehn Jahren ein, sagt er. Der Grund sei zum einen die Tatsache, dass zu dieser Zeit die Kosten zur Gewinnung der Rohstoffe stark gestiegen seien. Zum anderen hätten Schwellenländer wie vor allem China als Nachfrager erst in der vergangenen Dekade auf den Märkten eine ernsthafte Bedeutung erlangt. Da diese Faktoren die Märkte auch künftig beeinflussen, so Weinberg, werde auch der Anstieg des Preisniveaus tendenziell anhalten.

Anleger, die an einer möglichen weiteren Rohstoffhausse teilhaben wollen, haben zum einen die Möglichkeit, in die Preisentwicklung bestimmter Materialien direkt zu investieren, etwa per Zertifikat oder Indexfonds. Sie können aber auch nach Aktien aus diesem Wirtschaftszweig Ausschau halten.

"Die Erfahrung zeigt, dass sich Rohstoffaktien in Zeiten des Aufschwungs eher besser entwickeln, als die Rohstoffe selbst", sagt Experte Weinberg. "Sie zahlen ja zusätzlich zur Kursentwicklung oft auch noch eine Dividende." Auf der anderen Seite folgen die Unternehmensanteilsscheine jedoch in Krisenzeiten gerne dem Börsentrend, so der Fachmann. "Fallen die Aktienkurse insgesamt, dann fallen häufig auch jene von Rohstofffirmen - selbst wenn der zugrundeliegende Rohstoff stabil bleibt."

Rohstofffirmen bevorzugt

Ein Problem haben Anleger allerdings nicht, wenn sie sich an Rohstofffirmen beteiligen: die so genannten Rollverluste. Sie entstehen, wenn Terminkontrakte nach Ablauf verlängert werden müssen und sorgen regelmäßig dafür, dass die Performance von Zertifikaten und Indexfonds hinter der des zugrundliegenden Rohstoffs zurückbleibt.

"Daher erscheint es sinnvoll, in Rohstoffunternehmen statt in Rohstoffe selbst zu investieren", sagt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung in Köln. Der Investmentexperte hält vor allem Papiere aus dem Düngemittel- und Pflanzenschutzsektor für attraktiv und hat deshalb beispielsweise schon lange Bayer-Aktien im Depot. Auch einige Kupfer- und Nickelminen seien aussichtsreich, sagt er.

Im Metall- und Edelmetallsektor hat allerdings auch Albrech angesichts der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten derzeit den Goldanteil stärker gewichtet. Und in dem Bereich weicht er von seiner Maxime, Aktien zu bevorzugen, ab. "Wir haben in Minen wie Barrick Gold  oder Newmont Mining  investiert", so Albrech. "Anders als andere Rohstoffe eignet sich Gold jedoch auch für physische Investments." Auch der Vermögensverwalter sieht das Edelmetall also am Rohstoffmarkt in einer Sonderstellung.