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Gold: Goldbugs, Nixon und der "Freak Peak"

Foto: Heraeus/ dpa

Gold Kriseninvestment ohne Kraft

Gold gilt als sicherer Hafen, als Fluchtburg der Investoren in unruhigen Zeiten. Doch ausgerechnet auf einem der Höhepunkte der griechischen Tragödie geht diese Rechnung nicht auf. Wie lange noch?
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Am Knick der Straße, dort, wo sonst das kleine Cafe war, lockt jetzt ein großes Schild. Gold wird in dem schlicht möblierten Landen zu Bestpreisen gekauft, angeblich. Nicht in Madrid oder London, sondern in Santiago de la Ribera, einer verschlafenen Kleinstadt im Südosten Spaniens.

Gold, die Währung, die die Menschen als letztes verkaufen - weil sie ihnen Sicherheit verspricht, sei es in Zeiten von Inflation oder sonstigen Wirren. Nur diesmal nicht. Obwohl Griechenland am Abgrund tanzt, obwohl China mit der Inflation ringt und obwohl seit Monaten orakelt wird, die USA würden aufgrund ihrer horrenden Staatsverschuldung ihr AAA-Rating verlieren, kommt der Goldpreis seit geraumer Zeit nicht mehr von der Stelle. Hat die Krisenwährung an Kraft verloren? Nein, winken Experten ab.

"Das hat zwei Gründe", sagt Peter Königbauer, der für die Fondsgesellschaft Pioneer Investments mehrere Rohstofffonds verwaltet. "Zum einen ist den Investoren klar geworden, dass der Goldpreis schon sehr hoch ist. Wo sollen da die Impulse für ein weiteres Wachstum herkommen?" In der Tag ist der Goldpreis seit 2002 von rund 300 auf 1540 Dollar je Feinunze gestiegen - so viel wert war das Edelmetall noch nie. Auch Silber, gern als armer Bruder von Gold belächelt, legte eine ähnliche Wertsteigerung hin. Doch "nun naht auch das Sommerloch, da wird es wenig neue Nachrichten geben und entsprechend wird Gold sich seitwärts bewegen. Vor September erwarte ich da keine Änderung." Königsbauers Konsequenz - Edelmetalle spielen für ihn keine tragende Rolle mehr, Agrarrohstoffe dafür umso mehr. "Jetzt beginnt die Aussaatsaison in Amerika, die letzten Ernte war schlecht." Keine gute Nachricht für die Gold-Afficionados. Aber sie passt in die generelle Stimmung.

Bereits im Mai hatte sich George Soros von großen Goldbeständen getrennt. Und aus den Berichten von Blackrock, Großanbieter unter anderem von Exchange Traded Funds, geht hervor, dass die Investoren zuletzt ihre Anteile an Edelmetall-Finanzprodukten zurückgegeben haben, während sie in den Jahren zuvor stetig mehr kauften. So flossen im Mai rund 2,5 Milliarden Euro an die Fondsgesellschaften zurück. Und das Gros dieser Edelmetallprodukte wird mit Gold bestückt.

Für Investoren wie Jim Rogers sind das gute Nachrichten. Denn bei der Korrektur will er Gold und Silber kaufen, unter anderem, weil die stete Antwort Amerikas auf seine volkswirtschaftliche Verschuldung darin besteht, "mehr Geld zu drucken". Er selbst sieht den Goldpreis spätestens in zehn Jahren bei 2000 Dollar je Feinunze. Doch das ist langfristig - und kurzfristig?

Da scheiden sich die Geister. Die einen sagen, statt Gold gelte es nun auf Goldaktien zu achten. "Der beste Grund, jetzt Goldminenaktien zu kaufen, ist die Tatsache, dass Goldminenaktien die Goldpreiserhöhungen gar nicht mitgenommen haben", sagt zum Beispiel Werner Ullmann von Placer Gold International Corporation: "Ganz im Gegenteil - sowohl die Juniors als auch die Standardwerte haben deutlich abgegeben, teilweise bis zu 20 Prozent, trotz gegenläufiger Goldpreise. Das wird sich aber absehbar korrigieren. Ich gehe daher von einer nachhaltigen Preissteigerung aus." Unter anderem wegen der Griechenlandkrise. Das ist die eine Meinung. Die andere rät zum Abwarten.

Genau das scheint der Markt zu machen. "Er wartet mit angehaltenem Atem darauf, was aus den europäischen Diskussionen über Griechenland wird", sagt Darren Heathcote von Investec Bank. Abwarten, das trifft auch Königbauers Meinung. Auf Nachrichten aus China, aus Amerika, so Königbauer. "Es wird immer wieder Spikes geben", sagt er und meint damit, dass der Goldpreis immer mal wieder nach oben ausreißen kann, wenn sich zum Beispiel die Situation in Libyen verschärft. Er kann aber auch absacken. Keine gute Nachrichten für Investoren, die sich jetzt gegen die hellenischen Turbulenzen absichern wollen.

Das Goldbüro in Santiago de la Rivera bleibt daher einstweilen leer.

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