Donnerstag, 27. Februar 2020

Trotz Rekordpreis Goldinvestoren unter Soros-Schock

Zukunftsmarkt Asien: In Fernost steigt die Nachfrage nach Goldinvestments - die Notenbanken suchen nach einer Absicherung gegen den schwachen Dollar

Gold ist in Euro so teuer wie nie zuvor. Der Preisanstieg war so steil, dass selbst die Investorenlegende George Soros inzwischen Kasse gemacht hat. Zeit zum Ausstieg also? Gold bringt keine Zinsen, sein Wert wird von Angst und Spekulation getrieben. Genau diese Preistreiber haben derzeit Hochkonjunktur.

Hamburg - Für die amerikanische Börsenaufsicht SEC ist das Papier mit der Nummer 13F nur ein Standardformblatt von vielen: Drei Seiten Formular plus acht Seiten Kleingedrucktes. Jeder Investor mit 100 Millionen Dollar oder mehr im Depot meldet darauf seine Bestände an die SEC, feinsäuberlich, Quartal für Quartal.

Reine Routine also - die allerdings am Goldmarkt zuletzt für einige Unruhe sorgte. Denn die 13F-Meldungen für das erste Quartal 2011, die Mitte Mai veröffentlicht wurden, hatten es in sich: George Soros, der US-Multimilliardär mit dem Ruf, ein besonders ausgebuffter Anleger zu sein, hat sein Engagement am Goldmarkt fast vollständig aufgelöst. Unter anderem verkaufte Soros 99 Prozent seiner Anteile am US-Fonds SPDR Gold Trust im Wert von mehr als 600 Millionen Dollar. Insgesamt trennte sich der Starinvestor von Goldanlagen mit einem Volumen von rund 800 Millionen Dollar.

Die Nachricht ging um die Welt: Starinvestor Soros steigt aus Gold Börsen-Chart zeigen aus. In seinem Kielwasser reduzierten zudem einige weitere Hedgefondsmanager ihre Bestände. Für Anleger könnte das ein Warnsignal sein. Schließlich ist Soros nicht Irgendjemand. Schon häufiger lag er mit seinen Anlageentscheidungen richtig, etwa Anfang der neunziger Jahre, als er gemeinsam mit anderen Investoren durch milliardenschwere Spekulationen das britische Pfund aus dem europäischen Währungssystem drängte.

Gelingt ihm so ein Coup also auch diesmal? Markiert die Kehrtwende des gebürtigen Ungarn tatsächlich den Anfang vom Ende der inzwischen rund zehn Jahre andauernden Gold-Rallye?

Guter Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen

Experten sind skeptisch. Zwar könnte der Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen am Goldmarkt derzeit kaum besser sein, so der Tenor. Vor allem Anleger, die schon länger dabei sind, können Kasse machen, denn der Preis stieg in den vergangenen Jahren um mehrere hundert Prozent. So dürfte auch George Soros mit seinen jetzt liquidierten Investments einen ordentlichen Schnitt gemacht haben.

Dass der Goldpreis in nächster Zeit nachhaltig nachgeben wird, erwarten jedoch die wenigsten Fachleute. "Der Bullenmarkt ist mehr denn je intakt, da sollte man sich von einzelnen Investorenentscheidungen nicht verunsichern lassen", sagt etwa Ronald Stöferle. Der Goldanalyst von der Erste Group Bank in Wien, der regelmäßig einen umfangreichen Goldreport veröffentlicht, verweist unter anderem auf die hohen Staatsschulden in Europa und den USA. Wenn Anleger Staatsanleihen nicht mehr trauen und Staaten wie die USA fleißig Geld drucken, sei Gold eine Alternative.

Soros, so Stöferle, sei zudem nicht der einzige kluge Investor. Andere Hedgefondsgrößen hätten in jüngster Zeit klare Bekenntnisse zu Gold abgelegt.

John Paulson: "Ich fühle mich sicherer, wenn ich Gold besitze"

Tatsächlich ließ sich den 13F-Mitteilungen an die SEC jüngst auch entnehmen, dass mit John Paulson ein weiterer hartgesottener Wall-Street-Mann just im ersten Quartal 2011 seine Goldbestände erheblich ausgebaut hat. Paulson wurde weltweit bekannt, nachdem er in der Finanzkrise mit Wetten auf einen Einbruch am US-Immobilienmarkt Milliarden verdient hatte. Unterstützung hatte er dabei von der US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen bekommen, die deshalb später einem 550-Millionen-Dollar-Vergleich mit der SEC zustimmen musste. Goldman soll bei Hypothekengeschäften zum Vorteil Paulsons die eigenen Kunden übervorteilt haben.

"In diesen Zeiten der Unsicherheit gegenüber vielen Papiergeldwährungen fühle ich mich sicherer, wenn ich Gold besitze", sagte Paulson kürzlich in einem Interview. Eine Einstellung, mit der er offenbar nicht alleine steht. Die Investmentprofis David Einhorn, Präsident der US-Anlagegesellschaft Greenlight Capital, und Ray Dalio, Gründer der Investmentfirma Bridgewater Associates, etwa glauben erklärtermaßen ebenfalls weiter an das gelbe Metall.

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