Montag, 17. Februar 2020

Trotz Rekordpreis Goldinvestoren unter Soros-Schock

Zukunftsmarkt Asien: In Fernost steigt die Nachfrage nach Goldinvestments - die Notenbanken suchen nach einer Absicherung gegen den schwachen Dollar

3. Teil: Zentralbanken stocken Bestände auf

Und der Trend setzt sich fort: Allein im ersten Quartal 2011 stieg die Nachfrage von Anlegerseite gegenüber dem Vorjahreszeitraum um überdurchschnittliche 26 Prozent. Favorisiert werden allerdings inzwischen mehr und mehr physische Anlagen etwa in Münzen oder Barren. Indirekte Investments, zum Beispiel über börsennotierte Indexfonds (ETFs), verzeichneten dagegen zuletzt Abflüsse.

Neben den verunsicherten Investoren findet noch eine weitere gewichtige Käufergruppe mehr und mehr Geschmack am gelblich glänzenden Metall: Die Zentralbanken.

Zum Hintergrund: Jahrelang befanden sich die Notenbanken weltweit am Goldmarkt per Saldo auf der Verkäuferseite. Das lag vor allem daran, dass viele Institute von Industrieländern auf umfangreichen Beständen sitzen, die sie eher ab- als weiter aufbauen wollen. Um dabei keine ungewollten Preisturbulenzen auszulösen, schlossen mehrere europäische Zentralbanken seit 1999 sogar verschiedene Vereinbarungen, die Central Bank Gold Agreements (CBGA). Darin einigten sich die Zentralbanker auf maximale Verkaufsmengen. Seit September 2009 etwa läuft bereits das dritte CBGA, demzufolge die beteiligten Banken jährlich nicht mehr als insgesamt 400 Tonnen Gold verkaufen dürfen.

Theoretisch ist auch die deutsche Bundesbank an diesen Vertrag gebunden, denn sie zählt neben beispielsweise der Bank von Frankreich und der Schweizerischen Nationalbank zu den Unterzeichnern. Praktisch hat das Abkommen aber kaum noch eine Bedeutung, denn die Banken haben die im CBGA vereinbarten Maximalverkäufe in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr ansatzweise erreicht.

Absicherung gegen Dollarverfall: Notenbanken senken Risiken

Im Gegenteil. Seit einiger Zeit engagieren sich vor allem die Notenbanken der Schwellenländer als Goldkäufer. Besonders asiatische Länder wie China, Indien und Russland, aber auch Saudi-Arabien oder Venezuela stocken sukzessive ihre Bestände auf. Zuletzt machte die Bank von Mexiko von sich Reden, die im ersten Quartal dieses Jahres mehr als 100 Tonnen des Edelmetalls kaufte - das war der drittgrößte Goldkauf der vergangenen zehn Jahre.

Der Grund für diese Investments liegt auf der Hand: Angesichts zunehmender Schuldenprobleme vieler Länder - allen voran die USA - versuchen die Schwellenländer ihre Devisenreserven zu diversifizieren und ihr Anlagerisiko zu senken. Die Faustregel, dass der Goldpreis steigt, wenn der Dollar schwächelt, gilt schließlich nach wie vor. Zudem verfügt Gold über einen klaren Vorteil: Es besteht kein Kreditrisiko, weil weder eine Regierung noch ein Unternehmen für das Investment geradestehen müssen. Hinzu kommt, dass das weiterhin niedrige Realzinsniveau weltweit viele alternative Anlagen unattraktiv erscheinen lässt, wie unter anderem Goldman Sachs kürzlich in einer Analyse betonte.

Laut WGC stiegen die Käufe der Zentralbanken allein im ersten Quartal 2011 auf 129 Tonnen. Sie überstiegen damit die Summe der ersten neun Monate des Vorjahres.

Goldpreis erneut auf Rekordjagd

"Die Zentralbanken werden auch künftig auf der Käuferseite stehen", glaubt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach vom Edelmetallkonzern Heraeus. "Wenngleich der Einfluss der Zentralbanken auf den Preis geringer ist, als vielfach angenommen." Der Experte rechnet vor: Mexiko kaufte im ersten Quartal 100 Tonnen - während allein die Menge an recyceltem Gold im Jahr 2010 mehr als 1600 Tonnen betrug. "Solche Deals bringen den Markt nicht aus dem Gleichgewicht", sagt der Fachmann.

Dennoch: Auch Wrzesniok-Rossbach glaubt trotz der aktuellen Turbulenzen an einen vorläufig weiter steigenden Markt. Der Verlauf dieser Woche gibt ihm Recht: Am Montag und Dienstag erreichte der Goldpreis gemessen in Euro neue Rekordwerte.

Auf Dollarbasis legte er ebenfalls deutlich zu. Mit etwa 1520 Dollar pro Unze ist der Preis von seinem Rekordhoch bei 1575 Dollar allerdings noch ein Stück entfernt. Das muss allerdings nicht so bleiben. Der Preis kann bis Jahresende ein Niveau von 1750 Dollar pro Unze erreichen, schätzt Wrzesniok-Rossbach. Er kann - sofern weiterhin schlechte Nachrichten, zum Beispiel über steigende Schulden und den schwächelnden Dollar, die Anleger verunsichern.

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