Freitag, 28. Februar 2020

Vorräte aufgestockt Mexiko zieht Gold dem Dollar vor

Gold, Gold, Gold: Mexiko hat sein Faible für das Edelmetall entdeckt

Es ist ein scharfer Warnschuss: Amerikas enger Verbündeter Mexiko verliert offenbar sein Vertrauen in den US-Dollar. Das Land setzt verstärkt auf Gold als Reservewährung und hat im ersten Quartal seine Goldbestände um mehr als vier Milliarden Dollar aufgestockt. Mexikos Ökonomen applaudieren.

Mexiko City - Mit dem drittgrößten Gold-Kauf der vergangenen zehn Jahre kommt Mexiko nun auf einen Goldbestand von über 100 Tonnen oder 3,2 Millionen Unzen. Ende Januar waren es nur 6,8 Tonnen. Im großen Stil hatten sich in den vergangenen Jahren auch die anderen Schwellenländer Russland, China und Indien mit dem Edelmetall eingedeckt.

Der Goldpreis Börsen-Chart zeigen hat in diesem Jahr bereits um 11 Prozent zugelegt und liegt aktuell bei 1500 Dollar je Unze. Der Dollar hat dagegen gegenüber einem Korb der anderen wichtigen Weltwährungen 7,6 Prozent verloren. Der Dollar ist unter anderem wegen der bisher ungelösten Haushaltsprobleme der USA unter Druck. Das als sicherer Hafen geltende Gold profitiert dagegen von den Unsicherheiten über die Entwicklung in der arabischen Welt und die Euro-Schuldenkrise. Der mexikanische Gold-Kauf entspricht ungefähr 4 Prozent der gesamten Devisenreserven des Landes von 126 Milliarden Dollar.

Der Chef-Ökonom der Großbank HSBC in Mexiko, Sergio Martin, sagte, mit dem Gold-Geschäft werde die Zentralbank keinen Verlust machen: "Jeder weiß, dass der Dollar in naher Zukunft weiter nachgeben dürfte." Credit Suisse-Analyst Tom Kendall nannte den Schritt bemerkenswert, schließlich sei die mexikanische Wirtschaft eng mit der US-Ökonomie verflochten. Der Gold-Kauf Mexikos sei sehr groß und dürfte die Bedeutung des Edelmetalls für das internationale Währungssystem stärken.

Der Dollar hat heute einen - wenn auch kleinen - Teil seiner Verluste aus den vergangenen Wochen gegenüber dem Euro wettgemacht. Der Kurs der Gemeinschaftswährung sank gegenüber dem Dollar, nachdem Europas Zentralbankchef Jean-Claude-Trichet weniger deutlich als von vielen Beobachtern erhofft auf weitere Zinserhöhungen anspielte. Weil damit die Aussicht auf tendenziell günstigere Zinsbedingungen für internationale Anleger für Geldanlagen in Euro-Papieren sinkt, hat der Kurs der Gemeinschaftswährung plötzlich deutlich nachgegeben.

Nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank während der monatlichen Pressekonferenz der Notenbank in Helsinki statt von weiteren, kleinen Zinserhöhungen von andauernd niedrigen Leitzinsen gesprochen hatte, stürzte der Euro-Kurs innerhalb weniger Minuten um gut einen US-Cent ab. In der Spitze fiel die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,4623 Dollar und war damit fast zwei US-Cent billiger als zum US-Vortagesschluss. Der Goldpreis reagierte dagegen kaum.

cr/rtr

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