Freitag, 28. Februar 2020

Rohstoff-Hausse "Vorsicht, wenn Banken ihre Wetten ändern"

Neue Technologien: Um diese Rohstoffe kämpfen die Firmen
Corbis

Die meisten Rohstoffe steigen derzeit an Wert. Fondsmanagerin Frances Hudson, bei Standart Life Investments für die globalen Strategien verantwortlich, spricht mit dem manager magazin, über die jüngsten Preissprünge - und die Rolle, die Investmentbanken dabei spielen.

mm: Derzeit sind Rohstoffe das große Thema an der Börse; die Aufregung um deren stetig anziehende Werte steigt. Wie ist es bei Ihnen?

Hudson: Als Investor, der über alle Assetklassen aktiv ist, achten wir auf die Rohstoffe ebenso wie auf die anderen Anlageklassen. Es ist etwas schwierig zu generalisieren, weil es innerhalb der Rohstoffe ganz unterschiedliche Gruppierungen gibt - Edelmetalle, Industriemetalle, Energie und nachwachsende Rohstoffe zum Beispiel, die sich aus verschiedenen Gründen in verschiedene Richtungen entwickeln. Der physische Rohstoffmarkt der Industriemetalle zum Beispiel kann Informationen über den Zustand der globalen Wirtschaft liefern. Goldpreise basieren dagegen eher auf der Stimmung, sind der sichere Hafen gegenüber den unsicheren Aktienmärkten, politischen Spannungen oder der Schwäche des US-Dollar.

mm: Kann es sich der Privatanleger eigentlich leisten, Rohstoffe links liegen zu lassen?

Hudson: Er muss auf jeden Fall die Informationen beachten, die ihm der Rohstoffmarkt liefert - selbst wenn er nicht direkt in Rohstoffe investiert.

mm: Wie nah sind wir schon an einer Blase?

Hudson: Die Charakteristika einer Blase unterscheiden sich von Rohstoff zu Rohstoff. Einige Experten schätzen zum Beispiel den Anteil der Spekulanten am Ölpreis auf 30 Dollar - das bedeutet, dass Investoren die Spekulanten also genau im Auge behalten müssen, genauer, was sie tun oder was sie über die Rohstoffe sagen. Oftmals sind das die großen Investmentbanken. Wenn die ihre Wetten ändern, kann das den Rohstoffpreis nachhaltig bewegen.

mm: Was ist in Ihren Augen der klügste Weg für Privatanleger, in Rohstoffe zu investieren?

Hudson: Rohstoffe haben keinen steten Einkommensstrom. Wenn man dort investiert, ist das also eine Wette auf den künftigen Preis. Und wenn man das mit Futures macht, dann beeinhaltet dies auch Kosten, die entstehen, wenn man von einen Kontrakt in den nächsten rollt. Die Preisentwicklung sollte diese Kosten also kompensieren. Bei Standard Life Investments bevorzugen wir eine nachhaltige Rendite, deswegen ist der Mangel an steten Einkommen ein schwerwiegender Punkt. Wir suchen also eher nach anderen Wegen, in diesem Segment zu investieren, um Gewinne aus diesem Segment zu erzielen, zum Beispiel Aktien oder rohstoffkorrelierte Währungen.

mm: Die Gretchenfrage - welche Rohstufe sind für sie die interessanten derzeit - und welche am wenigsten reizvoll?

Hudson: Unter den interessanteren sind jene mit einer Versorgungsknappheit, die auch in Zukunft eine Rolle spielen werden, so wie Platin oder Palladium. Man benötigt sie in der Autoechnik, um Motoren effizienter zu machen. Die weniger interessanten sind jene, bei denen das Angebot groß ist und für die es Alternativen gibt. Das ist bei einigen Industriemetallen der Fall.

mm: Eigentlich heißt es doch, im Goldrausch solle man nicht Gold kaufen, sondern, Schaufeln. Gilt das noch - und wie könnte man so etwas in einem Portfolio umsetzen?

Hudson: Die Idee gilt noch. In die Neuzeit übersetzt bedeutet sie, in die Technologie zu investieren oder die Produktionsmittel, nicht aber in die Rohstoffe selbst. Das können zum Beispiel Dünger statt Agrarprodukte sein, oder Ölserviceunternehmen oder auch Unternehmen, die die großen Reifen für die Minen-Lastwagen herstellen.

mm: Welche Rolle spielt die Enge eines Marktes - gerade im Fall von Silber wird das ja immer wieder als Grund für seine hohen Preissprünge angeführt.

Hudson: Enge Märkte sind heutzutage eher ein Hinweis auf spekulatives Investieren. Um so etwas ausnutzen zu können, muss man die Investorenpsychologie nutzen, also erraten, was die großen Marktteilnehmer vorhaben - entweder, indem man ihnen folgt, also auf das sogenannte Momentum setzt. Oder indem man gegen sie wettet im Glauben, dass die Märkte in Richtung des fundamentalen Wertes eines Rohstoffs korrigieren werden.

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