Facebook & Co. Goldgräberstimmung der Investoren

Profiinvestoren schwärmen wieder von Internetunternehmen. Milliarden werden deshalb geboten für Facebook, Zynga oder Rovio, die Schöpfer des Computerspiels "angry birds". Privatanleger aber bleiben außen vor. Doch es gibt Umwege, um mitzumachen.  
Von Arne Gottschalck
Gut gespielt - aber auch gut verdient? Den wirtschaftlichen Erfolg von Rovio, Erfinder der "angry birds", wird erst die Zukunft zeigen

Gut gespielt - aber auch gut verdient? Den wirtschaftlichen Erfolg von Rovio, Erfinder der "angry birds", wird erst die Zukunft zeigen

Hamburg - Eine Firma in Espoo, in Finnland, ganz in der Nähe von Helsinki. Eine Heimstatt der Gummistiefel, von Handys? Nein, Rovio ist ein kleines Software-Unternehmen und aus ihren Köpfen schlüpfte das Online-Spiel "angry birds", flatterte um die Welt und auf viele Smartphones. Die Flugroute hat Investoren wie Accel Partners oder Atomic Venture elektrisiert und sie dazu gebracht, 42 Millionen Dollar in das erst 2003 gegründete Unternehmen zu stecken. Was Rovio im Kleinen, ist Facebook im großen. Jenes Unternehmen, das von Goldman Sachs  eine Milliarde Dollar bekommen hat. Beide, Facebook wie Rovio, markieren einen Trend - professionelle Investoren greifen in einer früheren Phase von Unternehmen zu und profitieren beim Börsengang. Eine Chance auch für Privatanleger?

Rückblende, wir schreiben das Jahr 2004. Die Internetblase ist mit einem so lauten Knall geborsten, dass manche noch immer dessen Echo im Ohr haben. Damals schien es, niemand wolle jemals wieder etwa von Internet-Aktien hören. Heute, nur wenige Jahre später, ist alles anders. Zumindest soll alles anders sein.

In diesem Sinne schreibt es Imran Khan. Khan ist Managing Director bei JP Morgan und sieht "mehr Innovationen, aber auch mehr Unsicherheit im Sektor als seit Mitte der 90er Jahre." Unter anderem, weil neue mobile und internetfähige Geräte, Smartphones zum Beispiel oder Tablet-Computer, überall und immer den Zugriff auf Information oder Unterhaltung ermöglichen. Und das eröffne Chancen im Display-Werbemarkt.

Richard Wong würde diese Aussage unterschreiben. Und in gewisser Weise hat es bereits getan - immerhin ist er Partner bei Accel Partners, jener Gesellschaft, die sich an Rovio beteiligt hat. "Die Entwicklung von Smartphones und Tablet-PCs hat zu einen erheblichen Wachstum für mobile Unterhaltung geführt", sagt er. "Diese Wachstumstrends ändern das gesamte Medienfeld, und Rovio ist bestens gerüstet, diesen Wechsel zu befeuern. Wir glauben, das ist erst der Anfang." Ins gleiche Horn stößt Hiroyuki Tamura, Partner bei Atomico: "Rovio war eine großartige Anlagechance", sagt er gegenüber manager magazin. "Es ist die Art Gesellschaft, die wir suchen. Sie hat ein tolles Management-Team, das Potential ein Gewinner in einem expandierenden Sektor zu sein und international wie auch exponentiell zu wachsen."

Stuart O'Gorman: "Bewertungen sind furchteinflößend"

Die Preise treten da offenbar in den Hintergrund. Allein Twitter wird teilweise mit bis zu 10 Milliarden Dollar bewertet. Im Falle Facebooks sind es 65 Milliarden Dollar. Wirklich seriös sind solche Zahlen nicht, es fehlt an klaren Zahlen wie Umsatz oder Gewinn. "Das ist der Vorteil, wenn man nicht an der Börse gelistet ist", sagte Gründer und Geschäftsführer Mark Zuckerberg bereits Ende vergangenen Jahres. Investoren, die auf bereits börsennotierte Werte setzen, sehen das eher skeptisch: "Einige der Bewertungen sind ein bisschen furchteinflößend", sagt zum Beispiel Stuart O'Gorman, Fondsmanager eines auf IT-Werte spezialisierten Fonds, des Henderson Horizon Global Tech. "Die Kernfrage lautet, wie kann man eine Position wie die von Facebook zu Geld machen, ohne die Nutzer die verstören.

Shoppybag in Großbritannien hatte genau das geschafft, indem sie jeden Nutzer und dessen Freunde mit Span-Mails bombardiert haben. Google ist ein gutes Gegenbeispiel - die verdienen Geld, ohne dass deren Nutzer es merkten." Und weiter: "Als social-media- oder Online-Spiele-Unternehmen kann man derzeit sehr viel Geld einsammeln. Ich war neulich auf einer Konferenz einer großen Investmentbank in Amerika mit dem CEO eines fundamental hochattraktiven Unternehmen aus dem Halbleiterbereich. Im Raum saßen vier Zuhörer - und zwei davon waren Juniors der Investmentbank. Wäre es um social media gegangen, Sie wären nicht einmal in den Raum gekommen." Mit der Meinung steht O'Gorman nicht allein da.

"Facebook erfreut sich großer Verbreitung und Beliebtheit", sagt auf Nachfrage zum Beispiel Christoph Bruns, Fondsmanager und Geschäftsführer der Fondsboutique Loys. "Weniger eindeutig ist, wie mit Facebook Geld verdient werden soll. Die Anteile von Facebook werden in Privatplatzierungen gehandelt. Nähme man die dort genannten Preise ernst, dann ergäbe sich ein phantastisch hoher Wert für Facebook. Allerdings ist Facebook für risikoaverse Geister viel zu spekulativ, zumal die Dynamik des Internets für alle Beteiligten eine fortdauernde Existenzbedrohung darstellt."

Und bei Rovio? Offizielle Zahlen gibt es gleichfalls nicht, nur Einschätzungen.

Flügel für die "angry birds"

Eine kommt von Michael Gartenberg, seit mehr als zwanzig Jahren IT-Analyst bei Gartner. "Das ist eine Gesellschaft, die es schon eine Weile gibt. Sie hat eine Reihe von Spielen gestartet und keines hatte so einen Erfolg wie 'angry birds'. Der Markt wird entscheiden müssen, ob das ein klassisches Spiel ist vom Schlage von Pacman oder nur eine Eintagsfliege." Zumindest Atomico-Chef Niklas Zennström dürfte um diese Risiken wissen - er ist Mitgründer von Skype. Das Unternehmen hat seine Börsengang bereits 2010 angekündigt. Und wird auf einen Wert von 3 Milliarden Dollar geschätzt.

Privatinvestoren, die dennoch Zennströms Vorbild folgen wollen, stehen dabei zumeist vor einem Problem. Da die Firmen eben noch nicht börsennotiert sind, sondern nur auf einen IPO hinarbeiten, können sie sich nur indirekt an ihnen beteiligen. Zum Beispiel über Venture-Capital-Fonds - wie jene von Accel Partners oder Atomico Ventures. Billig ist das allerdings nicht. Bei Accel zum Beispiel liegt die Mindestanlage bei einer halben Million Dollar. Und da es sich um einen Fonds handelt, fließt das Geld eben nicht nur in das gewünschte Zielunternehmen, sondern auch in andere. Auch der Weg über Goldman Sachs dürfte den Meisten versperrt bleiben - die Bank wollte einige Facebooks-Anteile an handverlesene Kunden weiterreichen. Es bleiben Investmentvehikel wie mail.ru, hinter dem der Milliardär Yuri Millner steht.

mail.ru ist ein Konglomerat, das Online-Spiele ebenso anbietet wie im Segment E-commerce aktiv ist. Und das eben auch selbst investiert, wie es erst 2009 demonstriert hat, als es unter seinem damaligen Namen Digital Sky Technologies (DST) begann, in Facebook zu investieren. Auch am Social-Games-Entwickler Zynga ist das Unternehmen beteiligt. Und seit Ende vergangenem Jahres ist das Unternehme an der Londoner Börse gelistet. Der Weg für Ottonormalanleger ist also frei.

Zumindest für Millners mail.ru scheint das Geschäft sich sowieso zu rechnen. Denn mail.ru sucht nicht nur neue Investmentgelegenheiten. Sondern auch Mitarbeiter.

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