Private Equity Die Rückkehr der Firmenjäger

In der Krise war es still geworden um die stets etwas geheimnisumwitterten Private-Equity-Unternehmen. Doch nun melden sie sich wieder, wie der US-Gigant Blackstone, mit Milliardendeals zurück. Im deutschen Boom wittern sie glänzende Chancen für ihr Geschäft.
Von Arne Gottschalck
Unternehmen im Visier: Private Equity will sich in Deutschland zurückmelden

Unternehmen im Visier: Private Equity will sich in Deutschland zurückmelden

Foto: Corbis

Hamburg - Der Weg von Ahrensburg vor den Toren Hamburgs an die internationalen Kapitalmärkte ist kurz geworden. Zumindest für die Firma Johann Friedrich Behrens, kurz Bea. Druckluftnagler stellt das Unternehmen her. Die Firma hat kürzlich eine Anleihe im Volumen von rund 30 Millionen Euro ausgegeben. Dafür zahlt sie ihren Investoren 8 Prozent Zinsen im Jahr - und bleibt ihr eigener Herr.

"Eine Anleihe ist (…) der beste Weg, um unsere Wachstumsstrategie konsequent fortzusetzen", sagt Tobias Fischer-Zernin, Alleinvorstand der Firma. Für Unternehmen wie Terra Firma oder Apax dürfte Bea als Investment damit verloren sein. Dennoch peilen die Finanzinvestoren ein gutes Geschäftsjahr 2011 an.

Der US-Gigant Blackstone  machte es vergangene Woche vor - und verkündete den Kauf von 600 US-Einkaufszentren des australischen Shopping-Center-Betreibers Centro für knapp 10 Milliarden Dollar. Auch wenn das Geschäft in Deutschland mindestens eine Nummer kleiner ist - so mancher begreift das den Kauf als Startschuss.

Das Gros der befragten Private-Equity-Gesellschaften blickt optimistisch in das Jahr 2011 und sieht gute Geschäftschancen, heißt es im Private Equity Trend Report 2011 der Unternehmensberatung PriceWaterhouse Coopers (PwC). 50 Prozent der befragten Gesellschaften meinen, es werde deutlich besser.

Diese Aufbruchstimmung hat Gründe. Deutschlands Wirtschaft wächst - und so eine Situation bietet Chancen für die Branche. "Wachstumspläne und Investitionsvorhaben der Unternehmen werden die Nachfrage nach Beteiligungskapital weiter hoch halten", prognostiziert Hans Ostmeier, Präsident des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). "Wir sehen ein fantastisches Umfeld für Private Equity", meint auch Michael Phillips, Deutschland-Chef der Beteiligungsfirma Apax Partners.

"Fantastisches Umfeld für Private Equity"

Das fantastische Umfeld - es ist das deutsche Wachstum, das die Branche so elektrisiert. Außerdem sind die Zinsen weiterhin extrem niedrig - auch wenn die Europäische Zentralbank eine erste Zinsanhebung für April angedeutet hat. Kein Wunder, wenn man in den kommenden fünf Jahren besonders viel von Deutschland erwartet.

Nur China und Mittel- und Osteuropa wecken noch mehr Hoffnungen, so die PwC-Studie. Stephan Illenberger, Managing Director bei Axa Private Equity, erklärt, sein Haus habe schon 2009 wieder zu investieren begonnen. "Auch und gerade in Deutschland. Inzwischen sind die Preise wieder im Aufwärtstrend. Die Branche muss bald wieder darauf achten, dass sie nicht gleich wieder übertreibt."

Das billige Geld spielt dem traditionellen Geschäftsmodell der Branche in die Hände, zum Beispiel Übernahmen zum großen Teil mit Krediten zu finanzieren. Eine vereinzelt drohende Zinserhöhung macht sie nicht nervös. "Wenn die EZB die Zinsen anhebt - womit ich aber erst im zweiten Halbjahr rechne - kann das für die Branche und die Beteiligungen nur gut sein, sofern die Zinsabhebung vertretbar bleibt", sagt Illenberger. Seine Logik: Allzu billiges Geld führe zu noch höheren Leverages, einige Fonds seien in diesem Punkt früher zu hohe Risiken eingegangen. "Sie haben zu hohe Preise gezahlt und die Unternehmen zu stark verschuldet", sagt Illenberger.

Anleihen als Konkurrenz: Firmen streben unabhängige Finanzierung an

Der einziger Wermutstropfen in diesem Szenario ist - noch - die Zurückhaltung neuer Investoren. 2010 konnte die deutsche Branche nur rund 930 Millionen Euro frisches Geld von Investoren einwerben. So wenig Erfolg hatte die Branche zuletzt 1996. Immerhin, trotzdem konnten die Investitionen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 59 Prozent auf 4,44 Milliarden Euro gesteigert werden, vermeldet der BVK. Und so soll es weitergehen.

Wenn nur die Konkurrenz nicht wäre. Immerhin stehen nicht nur Private-Equity-Firmen bereit, Unternehmen Geld für ihre Ziele zur Verfügung zu stellen. Sondern auch ganz normale Investmentfonds. Zum Beispiel der von Friedrich Diel. Er verwaltet bei Frankfurt Trust den Fonds Unternehmerwerte. "Zwingende Voraussetzungen für ein Investment ist, dass der Eigentümer mindestens 25 Prozent des Eigenkapitals hält und das Unternehmen lenkt. Das gewährleistet Stabilität", sagt Manager Diel.

Private-Equity-Fonds als Konkurrenten? "Wenn ein Private-Equity-Fonds den Entrepreneur verdrängen will und somit unsere Anlagegrundsätze verletzt werden, verschwindet die Aktie aus unserem Anlageuniversum", sagt Diel.

Aber auch Anleihen werden gerade bei mittelständischen Unternehmen immer beliebter - wie der Fall Bea belegt. "Als Teil eines Konzerns war Bea bis 2006 nicht in allen Entscheidungen frei", erklärt Fischer-Zernin. "Heute, nach einer erfolgreichen Restrukturierung, haben wir eine Phase starken Wachstums erreicht. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit habe ich gelernt, wie wichtig unternehmerische Freiheit ist, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Deshalb streben wir eine unabhängige Finanzierung an, die uns den Gestaltungsspielraum gibt."

Run auf Mittelstandsanleihen erwartet

Die Ahrensburger Bea ist kein Einzelfall. Mit der Emission von Mittelstandsanleihen im Wert von mindestens 1,5 Milliarden Euro für das gesamte Jahr 2011 rechnet René Parmantier, Chef der Close Brothers Seydler Bank. Eine fast schon zwingende Entwicklung, meint Allan Valentiner, der bei der Fondsboutique Johannes Führ das Rentenmanagement verantwortet: "Aufgrund ihrer negativen Erfahrungen während der Finanzmarktkrise suchen viele Unternehmen des Mittelstands eine Alternative zur Finanzierung über ihre Hausbanken."

Damit stehen Private-Equity-Anbieter und andere Investoren durchaus in einem Konkurrenzverhältnis. "Während es sich bei Private Equity meistens um Eigenkapitalgeber handelt, dreht es sich bei Anleihen um die Aufnahme eines Kredites", erklärt Valentiner. Dass bestätigt auch Alexandra Böhne vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Den Unternehmen sei die Bedeutung anderer Finanzierungsmöglichkeiten klar geworden, um ihre Unabhängigkeit zu erhalten.

Bankkredit, Unternehmensanleihen und eben Private Equity - die Unternehmen haben die Wahl. Für Bea zumindest war die Entscheidung klar: "In der jetzigen Situation der Finanzmärkte halten wir die Aufnahme von Eigenkapital nicht für attraktiv", sagt Fischer-Zernin. Und resümiert: "Am Ende der Restrukturierungsphase in 2008 und 2009 und nach nur einem Jahr normalem Wachstum spiegelt sich der wirkliche Wert der Firma im Aktienkurs noch nicht wider. Die entstehende Verwässerung ist nicht akzeptabel." Für die Private-Equity-Fonds dürfte dennoch genug übrig bleiben.

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