Sonntag, 31. Mai 2020

Immobilien Hoffen auf Comeback der Verbriefungen

Finanzzentrum London: In der Hauptstadt bahnt sich ein bedeutender Immobiliendeal an

In Europa könnte der seit der Finanzkrise am Boden liegende Markt für verbriefte Immobilienkredite wieder anspringen. Die Hoffnungen ruhen auf einem Millionendeal, der derzeit in London eingefädelt wird. Beteiligt sind der US-Investor Blackstone und die Deutsche Bank.

London - Gezeichnet von drei Jahren Krise und auf der Suche nach frischem Geld schaut die europäische Immobilienbranche gespannt nach London. Dort bahnt sich ein Geschäft an, das zum Eisbrecher für den brachliegenden Markt mit Verbriefungen von gewerblichen Immobilienkrediten (CMBS) werden könnte. Kreisen zufolge steht der US-Finanzinvestor Blackstone vor einem rund 480 Millionen Pfund (rund 570 Millionen Euro) schweren Kauf des Bürokomplexes Chiswick Park.

Drei Viertel des Geldes werde die Deutsche Bank bereitstellen, den Kredit anschließend verbriefen und ihn an institutionelle Investoren weiterverkaufen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar dürfte die Transaktion Kreisen zufolge erst im zweiten Quartal endgültig in trockenen Tüchern sein. Doch falls sie gelingt, könnten andere folgen. Es käme wieder Liquidität in den Markt.

Blackstone und Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hüllen sich noch in Schweigen zu dem Deal. Chris Dunn, bei der Deutschen Bank für gewerbliche Immobilienkredite in Europa zuständig, äußert sich nur pauschal: "Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich der CMBS-Markt in Europa 2011 wieder öffnen wird - und wir werden daran sicherlich teilhaben." Gerade Versicherer und Pensionskassen hätten großes Interesse signalisiert, als Investoren in den Immobilienmarkt zurückzukehren. Der Zeitpunkt sei genau richtig.

In den USA ist der CMBS-Markt schon wieder angesprungen

Nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes hatten viele Investoren die Finger von verbrieften Hypotheken gelassen. Zu groß war der Vertrauensverlust, hatten doch viele der weltweit verkauften Papiere massiv an Wert verloren. "In Europa liegt der CMBS-Markt noch am Boden. In den USA ist er schon wieder angesprungen, wenn auch mit geringen Volumina", beschreibt Christian Schmid, Leiter Debt Capital Markets beim Immobilienfinanzierer Eurohypo, die Stimmungslage. "Wir sind dort weit vom Niveau von vor der Finanzkrise entfernt." Experte Barry Osilaja von Jones Lang LaSalle ist überzeugt: "Wenn CMBS zurückkommen, dann als leicht verständliche Standardprodukte, der Markt will keine komplexen Strukturen mehr."

Ungemach droht von den Ratingagenturen. Moody's hat unlängst gewarnt, CMBS möglicherweise herabzustufen, hinter denen zweitklassige Immobilien mit ungewissen Aussichten auf eine Refinanzierung stünden. Die Agentur hat dabei zwar vor allem den britischen Markt im Visier. Doch Moody's könnte damit Investoren in ganz Europa verschrecken.

Das Refinanzierungsthema rollt ohnehin auf den gesamten Immobiliensektor zu. Experte Timo Tschammler vom Beratungshaus DTZ rechnet vor: "Die meisten CMBS in Europa stammen aus den Rekordjahren 2006/07, mit einem Gesamtvolumen von 130 Milliarden Euro. Die laufen in den nächsten zwei, drei Jahren aus und müssen refinanziert werden." Die Gefahr einer großangelegten Herabstufung von CMBS in Europa sieht er dennoch nicht.

Auch Eurohypo-Verbriefungsfachmann Schmid gibt sich da gelassen. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien habe sich die Konjunktur erholt, die Immobilienmärkte zögen wieder an. "Klar ist aber auch, dass nicht alle Investoren, die CMBS als Finanzierung genutzt haben, eine Anschlussfinanzierung bekommen werden", gibt er zu bedenken. "Vor allem wer große, inhomogene Portfolien oder Unternehmenskredite mit Hypothekarsicherheit über CMBS gebündelt hat, wird vor großen Problemen stehen."

cr/rtr

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