Samstag, 7. Dezember 2019

Hauspreise Konjunkturgespenst Immobilienmärkte

Weltweit kommen die Wohnimmobilienmärkte einfach nicht zur Ruhe. Experten sehen darin ein erhebliches Risiko für den internationalen Wirtschaftsaufschwung. Die Gefahr geht offenbar vor allem vom europäischen Kontinent aus - und dort richten sich die Blicke längst nicht nur auf die üblichen Verdächtigen.

Hamburg - Weltweit befinden sich die Wohnimmobilienmärkte weiter in Turbulenzen. Und davon gehen erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft aus. Bemerkenswert ist allerdings: Während vor rund vier Jahren der Kollaps am Häusermarkt der Vereinigten Staaten die weltweite Wirtschaftskrise auslöste, sind es inzwischen offenbar einige europäische Länder, die die Rückkehr zum Aufschwung deutlich stärker bedrohen.

Bauarbeiten in Spanien: Der Immobilienblase auf der iberischen Halbinsel ist die Luft offenbar noch nicht vollends entwichen
Dies besagt zum Beispiel eine aktuelle Studie der Deutsche-Bank-Tochter DB Research. "Auf der Basis zahlreicher Indikatoren kommen wir zu dem Schluss, dass die Korrektur in den USA weitgehend abgeschlossen ist", schreiben die Analysten in ihrem Fazit. "In Europa hat sie aber noch einen beachtlichen Weg vor sich."

DB Research hat die Wohnimmobilienmärkte von elf OECD-Staaten detailliert unter die Lupe genommen. Untersucht wurde nicht nur die Entwicklung der Hauspreise, sondern auch Indikatoren wie das Verhältnis von Preisen zum Einkommensniveau sowie die Zinsentwicklung. Selbst Baukostenunterschiede und Mietentwicklungen in den verschiedenen Ländern wurden berücksichtigt.

Ergebnis: Weiteres Abwärtspotenzial sehen die Analysten vor allem an den Wohnimmobilienmärkten Spaniens, Irlands sowie der Niederlande. Auch Frankreich und Italien seien noch nicht in der Talsohle angekommen, heißt es. "Der Bedarf an weiteren Hauspreisanpassungen stellt ein Risiko für den Bankensektor sowie für das Wirtschaftswachstum dar", schreibt DB Research.

Auf den ersten Blick kann das Resultat überraschen. Denn auch in den USA ist der Häusermarkt längst noch nicht zur Ruhe gekommen. Ablesen lässt sich das zum Beispiel an der Zahl der verkauften Häuser, die laut US-Wirtschaftsministerium im Januar um 11 Prozent sank.

Auch der Anstieg der Ausfälle von Hypothekenkrediten sowie die rückläufige Nachfrage nach neuen Darlehen deuten in diese Richtung. Letztere ist nach Angaben des Verbandes der US-Hypothekenbroker (MBA) gerade auf den tiefsten Stand seit 13 Jahren gefallen.

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