Mittwoch, 19. Februar 2020

Anlegerrecht Anwalt vs. Anwalt

Mit Konkurrenz, Medien und Mandanten gehen Anlegeranwälte nicht immer zimperlich um. Immer häufiger werden die Grenzen der Seriosität dabei überschritten. Aktuell liefern sich zwei Juristen vor den Augen hunderter Anleger ein heftiges Scharmützel. Schlaglicht auf eine Zunft, die dabei ist, ihren Ruf endgültig zu ruinieren.

Hamburg - Am Wochenende fanden hunderte Filmfonds-Anleger in ganz Deutschland wieder einen jener Briefe in ihrer Post, die es in sich haben. Eine Stellungnahme der Kanzlei KWAG aus Bremen. Die Anwälte nehmen darin Bezug auf ein Schreiben, das die gleichen Investoren ein paar Tage zuvor von der Kanzlei Kälberer & Tittel aus Berlin bekommen hatten.

Auge um Auge: Wie im Comic "Spy vs. Spy" sind die Anlegeranwälte mitunter mehr mit sich selbst beschäftigt, als mit den Problemen der Anleger
In den Briefen geht es ordentlich zur Sache. Thema sind eigentlich die Vergleichsangebote, die die Commerzbank und die HypoVereinsbank sämtlichen Investoren der Fonds 3 und 4 von VIP aus München gemacht hatten, und die Frage, ob diese Vergleiche für die Investoren vorteilhaft sind oder nicht. Viel Platz nehmen sich die Juristen jedoch auch, um Vorwürfe, Verdächtigungen und Rechtfertigungen unter Kollegen auszutauschen. Wortreich, detailliert und unverblümt.

Rechtsanwalt Dietmar Kälberer wirft seinen Kollegen aus Bremen unverhohlen vor, finanzielle Interessen nicht transparent zu machen. Hunderte Anleger seien zunächst mit einem Kostenlosangebot geködert worden, aus dem dann millionenschwerer Profit geschlagen werden solle.

Die KWAG-Replik vom vergangenen Wochenende: Die Behauptung sei unzutreffend, man werde sie nicht unwidersprochen lassen. "Insgesamt halten wir das Rundschreiben der Kollegen für inhaltlich falsch und die Art und Weise der Verdächtigungen (...) für mehr als ehrenrührig", steht in dem Brief. Hintergrund: Kälberer und KWAG betrieben vor Jahren eine gemeinsame Kanzlei.

Nicht nur wegen des Inhalts werden sich die Anleger allerdings über diese Briefe gewundert haben. Auch die Absender dürften irritieren. Denn viele der Adressaten haben weder KWAG noch Kälberer & Tittel mandatiert. Die Kanzleien nutzen vielmehr Adresslisten von VIP-Investoren, um ihre Schriftstücke in diesem Kreis möglichst breit zu streuen.

"Wir wollen nur, dass in der Diskussion um den Vergleich mit den Banken mit offenen Karten gespielt wird", rechtfertigt Rechtsanwalt Kälberer gegenüber manager magazin sein Vorgehen. "Die Kanzlei KWAG hat den Anlegern zuvor mehrfach öffentlich ohne hinreichende Hinweise auf etwaige Nachteile des Vergleichs dazu geraten, auf die Vergleiche einzugehen."

Dabei sei aber nicht erwähnt worden, dass die Kanzlei bei jedem Vergleich, den sie für Anleger mit einer der Banken schließt, zumindest eine Vergleichsgebühr verdiene.

Die attackierte Kanzlei in Bremen weist die Vorwürfe auch gegenüber manager magazin von sich. "Der Vorwurf, wir würden unsere Mandanten an die Banken verkaufen, ist absurd", sagt Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen. "Wenn es uns darum ginge, viel Geld zu verdienen, hätten wir den Vergleich gar nicht mit verhandelt. Denn an einer Klage lässt sich deutlich mehr verdienen."

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