Dienstag, 26. Mai 2020

Geldanlage Wie Sie Ihr Vermögen vor Inflation schützen

Am Donnerstag trifft sich der Rat der Europäischen Zentralbank. Den Zinssatz werden die Notenbanker kaum antasten - dafür aber dürften sie umso intensiver über die Inflationsgefahr diskutieren. Investoren jedenfalls machen sich schon auf eine steigende Geldentwertung gefasst. Und sichere Alternativen gibt es für jedes Vermögen.

Hamburg - Die Sorge ist messbar. Die Sorge vor der Rückkehr der Inflation. An der Bewertung inflationsgeschützter Anleihen lässt sich ablesen, wie stark sie bei Investoren ausgeprägt ist.

Maß anlegen: Wenn die Preise steigen, verliert das Geld an Wert
"Die Inflationserwartung an den Märkten nimmt sowohl für die USA als auch für den europäischen Raum seit Monaten zu", sagt Stefan Freytag, Vorstand der Wilhelm von Finck AG. "Im Januar 2009 spiegelte sich in der Bewertung der inflationsgeschützten Bundesanleihe mit fünf Jahren Laufzeit noch ein Erwartungswert von durchschnittlich 0,4 Prozent Geldentwertung pro Laufzeitjahr. Im Juli vergangenen Jahres waren es schon 0,85 Prozent." Inzwischen, so der Vermögensverwalter, ist der Wert auf 1,45 Prozent angestiegen. Tendenz: weiter steigend.

Woher kommen die Bedenken? Noch vor Jahresfrist machte in der Fachwelt das Wort von der Deflation, der Geldaufwertung also, die Runde. Der gesunkene Ölpreis und die schwächelnde Wirtschaft hatten dafür gesorgt, dass das Statistische Bundesamt monatelang Inflationsraten um die 0 Prozent bekannt geben konnte. Für das gesamte Jahr 2009 wurde lediglich ein Preisauftrieb von 0,4 Prozent gemessen - ein seit 22 Jahren nicht mehr erreichter Niedrigwert.

Im Dezember vergangenen Jahres drehte sich der Trend aber bereits wieder. Die Preise stiegen laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,8 Prozent. Antreiber war vor allem der wieder gestiegene Ölpreis, der sich seit seinem Tief im Frühjahr 2009 schon wieder verdoppelt hat.

Die Frage, wie es weitergeht mit der Inflation, beschäftigt zunehmend auch die Notenbanken. Mit ihrer Niedrigzinspolitik haben sie den Märkten viel Geld für die Überwindung der Krise zur Verfügung gestellt. Je deutlicher nun wird, dass der Aufschwung in Gang kommt, desto drängender wird für die Zentralbanken die Frage, wann sie der Wirtschaft das Geld wieder entziehen können.

Auch in Frankfurt, wo am Donnerstag turnusgemäß der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammenkommt, dürfte darüber heiß diskutiert werden. Dabei geraten EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und seine Kollegen zunehmend ins Dilemma. Heben sie die Zinsen zu früh an, laufen sie Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen. Warten sie dagegen zu lange, so droht eben genau das einzutreten, was die Märkte befürchten und wovor Pessimisten seit Langem warnen: die Rückkehr der Inflation.

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