Donnerstag, 21. November 2019

Anlageberatung Keine Bank berät "gut"

Sicher anlegen? Bankberater wissen offenbar nicht, was das heißt: Beim Test ihrer Anlageberatung löste keine der unter die Lupe genommenen Banken die einfache Frage nach einer sicheren Anlage wirklich "gut". Finanztest erklärt, was Anleger tun müssen, um trotzdem eine passende Geldanlage zu finden.

Berlin - Ein Jahr nach Lehman ist die Beratung der Banken noch so schlecht wie ihr Ruf. Das ist das Ergebnis aus 147 Beratungsgesprächen - geführt rund zwölf Monate nachdem die Pleite der US-Großbank die üblen Verkaufsmethoden der Banker ans Licht gebracht hatte. Im aktuellen Test der Anlageberatung durch die Zeitschrift "Finanztest" war keine Bank "gut", zwei waren sogar "mangelhaft".

Schockierend im Test: die nach wie vor laxe Auffassung der Berater davon, was bei Geldanlagen "sicher" bedeutet. Häufig stellten sie den Kunden nicht einmal die Fragen, die das Wertpapierhandelsgesetz vorschreibt. Wer aber nicht weiß, wie es um die finanziellen Verhältnisse seines Kunden steht und welche Kenntnisse er hat, dessen Empfehlung kann nur zufällig geeignet sein.

Am besten abgeschnitten unter den 21 Banken im Test haben die Commerzbank, die Kreissparkasse Köln und die Berliner Sparkasse. Als Sieger dürfen sie sich trotzdem nicht fühlen: Auch sie kommen über ein schlechtes "Befriedigend" nicht hinaus. "Mangelhaft" ist die Anlageberatung der BW Bank und der Ostsächsischen Sparkasse. Alle anderen 16 Banken haben gerade einmal "ausreichend" abgeschnitten - ein Armutszeugnis.

Die Testkunden wollten eine Anlage von 30.000 Euro tätigen: sicher, über einen Zeitraum von fünf Jahren und mit einem Renditeziel von 4 Prozent pro Jahr. An dieser Stelle hatte "Finanztest" eine Hürde eingebaut: Für sichere Anlagen gab es im Sommer 2009 keine 4 Prozent, es sei denn für Sonderaktionen oder Lockzinsangebote. Die Berater sollten den Testkunden klarmachen, dass sie auf Rendite verzichten oder bei der Sicherheit Abstriche machen müssten. Im nächsten Schritt sollten sie herausfinden, dass den Testkunden die Sicherheit wichtiger war als die 4 Prozent. Nur vier Banken waren in diesem Punkt "gut", sieben schnitten "mangelhaft" ab, vier "ausreichend".

Unrentable Rentenversicherung empfohlen

Die Bestnote konnten Berater erreichen, wenn sie im Test Produkte mit Einlagensicherung empfahlen, etwa Sparbriefe, Festgeld oder andere Festzinsangebote. Gut in diesem Punkt war nur die Kreissparkasse Köln. Rieten die Berater zu Anleihen, kam es darauf an, wer sie herausgegeben hatte. Handelte es sich um Anleihen des deutschen Staats, war die Sicherheit kein Problem. Anleihen von Banken oder Unternehmen sah "Finanztest" dagegen nicht als völlig sicher an.

Aktienfonds - wie unter anderem von Berliner Sparkasse und Deutscher Bank empfohlen - sind eindeutig keine sichere Geldanlage für Anleger, die ihr Geld lediglich auf fünf Jahre festlegen wollen - auch nicht als Beimischung. Die BW Bank hat als Beimischung einen Rohstofffonds empfohlen. Das passt ebenfalls nicht zu einer sicheren Anlage.

Frech sind die Empfehlungen der Ostsächsischen Sparkasse sowie der beiden Sparda-Banken West und Berlin: Sie wollten den Testkunden doch tatsächlich eine private Rentenversicherung verkaufen. Da war ihnen wohl die schnell verdiente Provision wichtiger als ein zufriedener Kunde. Sicher wäre diese Anlage zwar, aber über fünf Jahre überhaupt nicht rentabel: Gerade einmal rund 1 Prozent Rendite pro Jahr hätten Kunden damit erzielen können.

Die Berater in den Banken sind immer auch Verkäufer. Sie wollen vor allem Produkte verkaufen, an denen sie oder ihre Bank am meisten verdienen. Mit einer guten Vorbereitung können Anleger sich davor schützen, etwas angedreht zu bekommen, was nicht zu ihnen passt. Die "Finanztest"-Checkliste zur Anlageberatung hilft dabei.

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