Dubai-Krise Entscheidung in Riad

Nach dem Dubai-Schock sind am Golf zwei Tage lang die Kurse gepurzelt. Die Frage lautet nun: Ist dies das vorläufige Ende des rapiden Kursaufschwungs der Schwellenländerbörsen - oder doch nur ein flüchtiges Problem der Emirate? Entscheidend könnte sein, was am Samstag in Riad passiert.

Hamburg/Dubai - Am Wochenende wird es wohl nochmal turbulent. Denn am Samstag nimmt die Börse in Riad, einer der größten Handelsplätze im arabischen Raum, den Handel wieder auf. Wegen der islamischen Festtage ruht das Geschäft dort seit vergangener Woche. Die Reaktionen der Anleger auf die schlechten Nachrichten aus Dubai stehen in Riad also noch aus.

Die schlechten Nachrichten, das war vor allem die Mitteilung des Staatskonzerns Dubai World, der vorigen Mittwoch um Zahlungsaufschub für Schulden von fast 60 Milliarden Dollar gebeten hatte. Am Montag setzte die Regierung in Dubai dann noch einen drauf, als sie bekannt gab, für die staatseigene Holding nicht geradestehen zu wollen. Dies sei Sache der Gläubiger, die ihren Teil der Verantwortung tragen müssten, sagte ein hochrangiger Vertreter des Finanzministeriums.

An den Börsen weltweit sorgte die Meldung aus Dubai spontan für Kursstürze - nur in Dubai selbst zunächst nicht. Denn dort war, wie in der gesamten arabischen Welt, die Börse wegen des Opferfestes geschlossen.

Inzwischen konnten die Märkte vor Ort allerdings reagieren. Am Montag öffneten die Handelsplätze in Dubai und Abu Dhabi wieder die Tore - und verzeichneten Kursrückgänge von 7 und 8 Prozent.

Gestern ging auch in Kuwait und Katar der Handel wieder los. Während im relativ unbedeutenden Katar ebenfalls ein Einbruch von 8,2 Prozent zu verzeichnen war, fielen die Einbußen in Kuwait, einem der großen Märkte der Region, deutlich geringer aus (minus 2,7 Prozent). In Dubai und Abu Dhabi schlugen nochmals Verluste von 5,6 und 3,5 Prozent zu Buche.

Die Frage ist nun, wie es weitergeht. Führt die Störung aus der Golfregion zu anhaltenden Kursrückgängen, womöglich auch an den Börsen anderer Schwellenländer, wie dies von einigen Beobachtern befürchtet wird. Schließlich sind die Emerging Markets in den vergangenen Monaten deutlich stärker gestiegen, als die etablierten Märkte in Europa und den USA. Ausreichend Potenzial für Rückschläge ist also gegeben.

Die ominöse 10-Prozent-Regel

Oder handelt es sich doch nur um ein lokales, schlimmstenfalls regionales Problem, das der größte Teil der Finanzwelt relativ gelassen aussitzen kann?

Hört man sich in der Finanzindustrie um, so überwiegen dort entspannte Stimmen. "Unmittelbar nachdem die Meldung Mittwoch auf den Markt gekommen war, sah es so aus, als könne dies die Märkte der Schwellenländer nachhaltig ins Wanken bringen", sagt etwa Udo Schäberle von der BHF Bank in Abu Dhabi zu manager-magazin.de. "Inzwischen hat sich die Lage aber schon wieder ziemlich beruhigt."

Laut Schäberle waren die Kurse am Montag nach Handelsöffnung breit abgestürzt. "Das lag aber vor allem an der hier üblichen Limit-Down-Regel", so der Fachmann.

Hintergrund: Diese Handelsregel gilt an nahezu allen Handelsplätzen im arabischen Raum. Sie sorgt dafür, dass ein Aktienkurs an einem Tag um nicht mehr als 10 Prozent fallen kann. Dann wird er vom Handel ausgesetzt. Die Wiederaufnahme ist ausschließlich zu Kursen über der Minus-10-Prozent-Marke möglich.

"Am Montag lagen in Dubai und Abu Dhabi nahezu alle liquiden Werte bei minus 10 Prozent", sagt Schäberle. "Denn diese Regel führt dazu, dass auch Aktien, die eigentlich von einer Meldung gar nicht betroffen sind, in den Abwärtssog geraten können. Und das ist hier ganz eindeutig passiert."

Dass sich die Lage mittlerweile wieder entspannt hat, liegt vor allem an zweierlei. Erstens: Dubai World hat inzwischen einen Sanierungsplan vorgelegt, der allen Beteiligten ein wesentlich konkreteres Bild vom eigentlichen Problem verschafft. Demnach sollen insgesamt nur rund 26 Milliarden Dollar umgeschichtet werden. Die Pläne umfassen die Baufirma Nakheel und den Immobilenkonzern Limitless World.

"Das ist immer noch ein großer Betrag"

"Das ist immer noch ein großer Betrag", sagt Baldwin Berges von Silk Invest in London zu manager-magazin.de. "Aber es ist immer noch weniger, als ursprünglich gedacht." Berges erwartet, dass die übrigen Einheiten von Dubai World, die sich in guter Verfassung befinden, ihren Schuldendienst problemlos leisten können.

Zweiter Punkt: Die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in Abu Dhabi hat inzwischen erklärt, dass sie den Banken im Notfall mit Liquidität zur Seite stehen wird. Ein ernsthaftes Problem für den Finanzsektor in der Golfregion scheint damit zunächst einmal nicht mehr zu bestehen.

"Entscheidend wird nun sein, wie die Börse in Riad am Samstag und Sonntag reagiert", sagt Schäberle. "Wir rechnen noch einmal mit Turbulenzen, die sich aber im Laufe der kommenden Woche beruhigen werden."

Ähnlich klingen die Statements anderer Investmentgesellschaften. "Die Auswirkungen auf die angrenzenden Länder wie zum Beispiel Katar dürften recht gering sein", heißt es beispielsweise bei Deka. "Das liegt daran, dass die Nachbarn Dubais wirtschaftlich recht gesund sind." Nach Angaben der Fondsgesellschaft erwirtschaften sie zum Beispiel Haushaltsüberschüsse aus dem Öl- und Gasgeschäft. Dass die Nachbarn dadurch über entsprechende Reserven verfügen, entspannt nach Ansicht der Deka die Lage. Schließlich hätten die Banken der Nachbarländer in Dubai viel weniger Kredite vergeben, als man meint.

Auch das Fondsmanagement von J. P. Morgan Asset Management spricht von einem lokalen, individuellen Problem. "Wir glauben, dass es sich um eine Frage der Neubewertung eines einzelnen Kreditrisikos handelt, nicht um einen ernsthaften Liquiditätsengpass", heißt es in einem Marktkommentar. Auf die Gläubiger von Nakheel - wohl zu gleichen Teilen Investoren aus der Golfregion wie auch aus dem Rest der Welt - kämen zwar wahrscheinlich höhere Kreditkosten zu. J. P. Morgan verweist aber ebenfalls auf die Zusage der Zentralbank, den Banken dort Liquiditätshilfen zu gewähren.

"Wir haben derzeit keinen Anlass, unseren grundlegenden Ausblick für unsere Engagements in den VAE oder der weiteren Region zu ändern", lautet daher das Fazit. Nach dem kommenden Wochenende weiß man wohl schon etwas genauer, ob der Optimismus berechtigt ist.

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