Gesetzliche Krankenversicherung Versicherten drohen Milliardenzahlungen

Gesetzlich Krankenversicherte müssen sich darauf einstellen, das befürchtete Milliardendefizit ihrer Krankenkassen in 2010 wenigstens zum Teil selbst ausgleichen zu müssen. Der Bund will von dem erwarteten Minus in Höhe von 7,5 Milliarden Euro nur 3,9 Milliarden Euro tragen. Jetzt drohen Millionen Versicherten Nachzahlungen.

Berlin - Die Bundesregierung will die erwarteten Einnahmeausfälle der gesetzlichen Krankenkassen von rund 7,5 Milliarden Euro im nächsten Jahr nicht voll ausgleichen. Der Bund werde nur den Teil übernehmen, der auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen sei, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) der "Wirtschaftswoche". Der zusätzliche Zuschuss für den Gesundheitsfonds soll bei 3,9 Milliarden Euro liegen.

Es müsse ausgerechnet werden, wie hoch die Beitragseinnahmen ohne die Krise gewesen wären, sagte Schäuble. "Diese Mindereinnahmen sollen ersetzt werden", sagte der Finanzminister. Für "Löcher durch schlechtes Management" sei der Steuerzahler aber nicht zuständig. "Ich zweifle nicht, dass den Kassen am Ende vielleicht 7,5 Milliarden Euro fehlen. Aber ob das alles nur aus der Krise herrührt?"

Das verbleibende Milliardendefizit in Höhe von 3,6 Milliarden Euro müssen die Versicherten nun wahrscheinlich wenigstens teilweise selbst ausgleichen. "Der am Ende verbleibende Fehlbetrag durch Kostensteigerungen und weitere krisenbedingte Einnahmeausfälle wird dann wohl über kassenindividuelle Zusatzbeiträge oder aus Rücklagen aufgebracht werden müssen", sagte dann auch Florian Lanz, der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes.

Bei vielen Kassen könnte es daher Zusatzbeiträge für die Versicherten geben. Sie dürfen höchstens ein Prozent des Einkommens betragen. Die Krankenkassen dürfen diesen Extrabeitrag erheben, wenn sie mit dem Beitragsgeld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen.

Die Zusatzbelastung der gesetzlich Versicherten ist nicht zuletzt deshalb wahrscheinlich, weil Experten gerade bezweifeln, dass die Ausgaben für Ärzte, Arznei und Kliniken rasch gesenkt werden können. Offiziell wird das aus Einnahmeausfällen sowie Ausgabensteigerungen herrührende Defizit der Kassen im kommenden Jahr auf rund 7,5 Milliarden Euro geschätzt.

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.