Montag, 9. Dezember 2019

Geldanlage Die Wohnungsmiete als Rendite

Immobilieninvestments werden immer beliebter - und das Angebot vielfältiger. Der neueste Trend: geschlossene Wohnimmobilienfonds. Initiatoren setzen zunehmend auf das Sicherheitsbedürfnis in der Krise und versprechen mit solchen Produkten verlässliche Renditen. Die sind aber auch nicht allzu hoch.

Hamburg - Der Schock der Finanzkrise, die vor Monaten die Märkte erzittern ließ, sitzt vielen Anlegern noch in den Knochen. Viele sehnen sich nach Sicherheit für ihr Geld - und wähnen diese in einer Immobilienanlage. Aber nicht alle Investoren wählen das Direktinvestment, etwa in Gestalt einer Eigentumswohnung oder gar eines Mehrfamilienhauses. Das birgt zum einen den Nachteil geringer Risikostreuung (meist nur ein Objekt mit einem oder wenigen Mietern). Zum anderen übersteigt es vielfach die finanziellen Möglichkeiten.

Im Trend bei geschlossenen Fonds: Investitionen in Wohnimmobilien
AP
Im Trend bei geschlossenen Fonds: Investitionen in Wohnimmobilien
Alternativen sind indirekte Anlageformen: Immobilienaktien sowie offene und geschlossene Immobilienfonds. Bei Letzteren zeichnet sich seit einiger Zeit ein neuer Trend ab: Wohnimmobilienfonds. Mehrere Initiatoren sind schon mit solchen Produkten am Markt oder haben welche in Planung.

Die Argumentationen der Anbieter gleichen sich: Immobilien gelten demnach als verlässliche Kapitalanlage und versprechen stetige Rückflüsse. Für ein Investment gerade im Moment spreche zudem, dass die Preise gegenüber den Jahren 2006/2007, als viel Geld aus angelsächsischen Ländern auf den deutschen Markt floss, wieder gesunken und das Zinsniveau angenehm niedrig sei.

In deutschen Wachstumsgebieten wie den Regionen Hamburg, Stuttgart und München oder der Rhein-Main-Schiene sei zudem künftig mit steigender Nachfrage nach Wohnraum zu rechnen. "Der Trend ist intakt", erläutert Hermann Wüstefeld, Leiter Konzeption und Management geschlossener Fonds bei der DWS. "In die Wachstumszentren ziehen einerseits immer mehr Menschen, die andererseits dazu neigen, in kleineren Haushalten zu leben." Daraus folge ein zunehmender Bedarf an neuem Wohnraum, dem eine seit Jahren zu geringe Bautätigkeit gegenüberstehe.

In kaum einem Verkaufsprospekt fehlen zudem die Hinweise darauf, dass Immobilieninvestments in der Regel einen Inflationsschutz enthielten, und - der aktuelle Bezug - dass Aktien, Rohstoffe und andere Investments angesichts der Verwerfungen der vergangenen Monate keine echten Alternativen seien.

"Stimmt alles", sagt Ulrich Jacke, Geschäftsführer beim Immobilienberater Dr. Lübke und seit Jahren auf dem Wohnimmobilien-Investmentmarkt aktiv. "Aber bei einer Investition muss man schon genau aufs Detail schauen." Einen großen Unterschied macht laut Jacke schon die Frage, ob man sich für Neubauten oder Bestandsimmobilien entscheidet. "Ein Investment in neue Objekte ist nur sinnvoll, wenn der Anlagehorizont sehr lang ist", sagt der Experte. "Denn ähnlich wie beim Autokauf verliert das Objekt gleich zu Beginn der Laufzeit seinen Neubaustatus und damit erheblich an Wert. Das muss im Laufe der Zeit erst wieder eingeholt werden." Jacke rät daher zum Kauf gut sanierter Altbauwohnungen. "Die können oft schon nach zehn Jahren mit dem gleichen Kaufpreisfaktor wieder veräußert werden", sagt der Fachmann.

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