Gold "Die Dienstmädchen-Hausse"

Der Preis für den Rohstoff Gold steigt und steigt. Mittlerweile ist eine Unze schon rund 1000 Dollar teuer - lohnt für Anleger der Einstieg zu diesen Konditionen überhaupt noch? Raimund Saxinger mahnt zur Vorsicht. Warum, erklärt der Anlageexperte der Fondsgesellschaft Frankfurt Trust im Gespräch mit manager-magazin.de.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Saxinger, Gold  wird immer teurer - und Experten sagen, es würde weiter aufwärtsgehen mit dem Goldpreis. Teilen Sie diese Meinung?

Saxinger: Kurzfristig kann sich der Preis sicherlich noch etwas nach oben bewegen, zum Beispiel aus charttechnischen Gründen. Wenn so ein Punkt wie die 1000-Dollar-Marke fällt, ist das auch für institutionelle Anleger ein wichtiger Punkt.

mm.de: Und langfristig?

Saxinger: Langfristig gibt es für Gold vor allem zwei Treiber, das wäre die Inflation sowie die Knappheit. Und für beides sehe ich keine Anhaltspunkte.

mm.de: Aber die Goldvorkommen sind doch endlich, wenn man einmal vom Scrap-Gold absieht.

Saxinger: Das ist schon richtig, aber Gold wird ja nicht gerade zu vielen Dingen benutzt.

mm.de: Ein bisschen Industrie, ein bisschen Schmuck …

Saxinger: Ja. Aber im Gegensatz zu Öl wird Gold ja nicht verbrannt. Wo sollen denn da noch große Steigerungen herkommen.

mm.de: Ist Gold bei diesen Preisen eigentlich teuer oder billig?

Saxinger: Denken Sie daran, dass Gold in Dollar  gerechnet wird. Für Investoren aus Euroland verzerrt das die Realitäten schon etwas. Zumal man sich fragen muss, woher die Steigerungen kamen - war Gold so stark oder der Dollar so schwach.

mm.de: Weil beide sich oft gegenläufig entwickeln?

Saxinger: Genau. Es ist also besser, Gold zum Beispiel mit Öl zu vergleichen; beides wird ja in Dollar gerechnet. Und bei dieser Rechnung sieht es schon anders aus. Im Hoch musste man 30 Barrel pro Feinunze bezahlen, im Tief 5 bis 6 Barrel. Und im Schnitt waren es so um die 12 bis 13. Aktuell sind es 14,6. Gold ist also etwas teurer als im Schnitt - und daher drängt es sich zum Kauf nicht gerade auf.

Gold neben der Käsetheke

mm.de: Und was nimmt Sie sonst noch gegen Gold ein?

Saxinger: Ein paar Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit zum Beispiel. Vor ein paar Monaten hat ein deutscher Discounter an der Ladentheke Gold verkauft. Zu 30 Prozent über dem Marktpreis. Trotz des Preises war es, so habe ich mir sagen lassen, ein großer Erfolg.

mm.de: Ist Gold damit in die Phase der Dienstmächen-Hausse eingetreten, der letzten Phase einer positiven Entwicklung?

Saxinger: Ja, das könnte man so sagen.

mm.de: Macht es der Mythos um das Gold eigentlich schwieriger, diese Anlage zu fassen?

Saxinger: Nein. Denn auch dort gibt es ja Zahlen, auf denen Berechnungen fußen können. Zum Beispiel die Produktionskosten. Die liegen aktuell übrigens halb so hoch wie der Verkaufspreis.

mm.de: Wenn wir noch einmal über die Bewertung von Gold sprechen - welche Rolle spielt das Papiergold eigentlich dabei? Es wird ja immer wieder der Vorwurf laut, die entsprechenden Exchange Traded Funds würden mit ihrer Nachfrage den Preis verzerren.

Saxinger: Da kann schon etwas dran sein. Besonders in den USA gibt es große Gold-ETFs. Aber das ist nun einmal so. Kritischer wird das allerdings bei Nahrungsmitteln - dort können Spekulanten schon mal die Preise verzerren und Menschen leiden.

mm.de: Muss der Gesetzgeber das regeln?

Saxinger: Vielleicht. Dagegen spricht aber, dass diese speziellen Rohstoffmärkte sehr elastisch sind, das heißt, das Angebot kommt der gestiegenen Nachfrage sehr schnell nach. Außerdem wird zum Beispiel 90 Prozent der Reisernte gar nicht an der Börse gehandelt, sondern auf lokalen Märkten verkauft.

mm.de: Wenn Sie von Gold abraten - was wäre die Alternative, die vielleicht eine ähnlich depotsichernde Wirkung wie Gold hätte?

Saxinger: Ich will an dieser Stelle keinem anderen Metall das Wort reden, lieber zwei Überlegungen nennen. Erstens, will ich so etwas lieber als Aktie oder als Rohstoff pur? Eigentümer bin ich so oder so, entweder vom Rohstoff oder vom Unternehmen, das diesen Rohstoff besitzt oder fördert. Mir persönlich gefällt die Aktie besser als die tote Materie. Und zweitens - wenn ich einen Rohstoff suche, dann sollte er zwei Voraussetzungen erfüllen. Er sollte künftig knapper werden und alle ihn haben wollen. Und genau das sollte noch nicht allen bekannt sein. Das macht es so schwierig.

Gold: Mythos, Märchen, Menschheitstraum

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