Kursverluste Anleger fürchten Kapitalerhöhung bei VW

Um Porsche schadlos übernehmen zu können, plant Volkswagen angeblich eine milliardenschwere Kapitalerhöhung. Zwar verfügen die Wolfsburger auch so über ausreichend Mittel für den Merger. Ohne frisches Geld könnte aber die Kreditwürdigkeit Schaden nehmen, heißt es. Die Anleger finden die Pläne nicht gut.

Hamburg - Zur Finanzierung der Porsche-Übernahme erwägt Volkswagen Finanzkreisen zufolge eine milliardenschwere Kapitalerhöhung. Dies sei eine Option, über die derzeit nachgedacht werde, sagte eine mit den Beratungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Entscheidung oder Präferenz gebe es aber noch nicht.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Montag unter Berufung auf Konzernkreise, VW prüfe eine vier Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Durch einen solchen Schritt wolle Europas größter Autobauer sein Kreditrating wahren. Weder VW noch das Land Niedersachsen als VW-Miteigner wollten sich dazu äußern.

Anleger reagierten verunsichert und verkauften Volkswagen-Aktien . Die Stammaktien gingen rund 2 Prozent tiefer aus dem Handel, die Vorzugsaktien 1 Prozent. Bereits in der vergangenen Woche waren aus Finanzkreisen Überlegungen über eine Kapitalerhöhung bekanntgeworden, nachdem die Aufsichtsräte den Weg für die Porsche-Integration freigemacht hatten.

VW verfügt über Barreserven von fast elf Milliarden Euro und könnte die Übernahme stemmen. Allerdings könnte sich durch die hohe Verschuldung von Porsche  das Kreditrating von VW verschlechtern, wodurch die Refinanzierung teurer würde. Die Ratingagentur Moody's hatte im Mai angekündigt, die Bonitätseinschätzung von VW auf eine mögliche Herabstufung zu überprüfen. Hintergrund war schon damals das geplante Zusammengehen von Volkswagen und Porsche.

Auf dem Sportwagenbauer lasten seit dem Einstieg bei VW Schulden von mindestens zehn Milliarden Euro. Laut "Süddeutscher Zeitung" sind es sogar 14 Milliarden Euro. Den Finanzkreisen zufolge beschränken sich die Überlegungen für eine Kapitalerhöhung auf Vorzugsaktien. Diesen Weg haben die VW-Vorzugsaktionäre allerdings vorerst versperrt, da sie einer Kapitalerhöhung auf der Hauptversammlung im Frühjahr die nötige Mehrheit verwehrt haben.

Ein neuer Antrag für genehmigtes Vorzugskapital könnte auf einer außerordentlichen Hauptversammlung gestellt werden. Diese soll im Oktober stattfinden, berichtet das "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise. Allerdings äußerten sich Analysten skeptisch: "Ich habe Zweifel, ob die Vorzugsaktionäre zustimmen werden", sagte Christian Aust von UniCredit.

Der Weg über Stammaktien würde neue Probleme aufwerfen, da sich der Anteil Niedersachsens verwässern würde. Für das Land ist die Schwelle von 20 Prozent für die Sonderrechte des VW-Gesetzs wichtig. Porsche hatte bei seinem Einstieg bei Volkswagen auf den Fall des Gesetzes spekuliert, um die Übernahme bei einer Beherrschung aus Mitteln des Wolfsburger Autobauers bestreiten zu können. Als absehbar wurde, dass auch das überarbeitete Gesetz die Sonderregeln enthält und die Finanzkrise zudem die Kosten der Verschuldung steigen ließ, musste Porsche den Versuch aufgeben.

Vom Ergebnis der jetzt beginnenden Buchprüfung bei Porsche hängt die künftige Konstellation der VW-Aktionäre ab. Bisher sind die Familien Porsche und Piech über ihre Porsche Automobil Holding SE mit 51 Prozent an VW beteiligt. Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete am Montag unter Berufung auf Konzernkreise, der von den Familien an VW gehaltene Anteil dürfte nur noch bei 30 bis 40 Prozent liegen. Auf jeden der beiden Familienstämme entfielen dann nach Berechnungen der Zeitung weniger als 20 Prozent, während das Land Niedersachsen bei gut 20 Prozent bleiben und das Emirat Katar sich mit 19 Prozent beteiligen soll.

Auch eine Beteiligung der Mitarbeiter ist geplant. Die gesamte Prozedur, bei der der Sportwagenbauer zur Tochtergesellschaft des VW-Konzerns wird, kann sich über zwei Jahre erstrecken.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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