Donnerstag, 5. Dezember 2019

Lebensversicherung Rot für Riester, Rürup und Co.

Verbraucherschützer haben in einem bislang einmaligen Versuch zahlreiche Geldanlageprodukte einer Ampelkennzeichnung unterzogen. In ihrem Ratgeber stufen die Experten jedwede Form der Lebensversicherung für die Altersvorsorge als ungeeignet ein. Die Assekuranz ist entsetzt.

Hamburg - Kleine Kinder brauchen Orientierung. Vor einer Ampel etwa bläuen wir ihnen ein: "Bei Rot stehen, bei Grün gehen." Niemand würde den Sinn dieser Regel jemals in Frage stellen. Orientierung brauchen auch Verbraucher, zum Beispiel bei ihrer Altersvorsorge. Denn das Thema ist komplex und das Wissen vieler Kunden darüber oft genauso schwach ausgebildet wie ihre Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen. Hier will die Verbraucherzentrale Hamburg mit dem jetzt erschienenen Ratgeber "Ampelcheck Geldanlage" Abhilfe schaffen. Die Versicherungswirtschaft ist über den Versuch entsetzt.

Geldanlage im Ampeltest: Bislang gibt es noch keine Ampelkennzeichnung von Finanzprodukten. Die Hamburger Verbraucherzentrale hat den Versuch jetzt gewagt - sehr zum Unwillen der Assekuranz. Denn ihre Produkte schneiden dabei denkbar schlecht ab. Ob nun Riester-Police, private Rentenversicherung oder Rürup-Rente - in dem jetzt erschienenen Ratgeber stufen die Verbraucherschützer die Lebensversicherung für die Altersvorsorge als ungeeignet ein.
Corbis
Geldanlage im Ampeltest: Bislang gibt es noch keine Ampelkennzeichnung von Finanzprodukten. Die Hamburger Verbraucherzentrale hat den Versuch jetzt gewagt - sehr zum Unwillen der Assekuranz. Denn ihre Produkte schneiden dabei denkbar schlecht ab. Ob nun Riester-Police, private Rentenversicherung oder Rürup-Rente - in dem jetzt erschienenen Ratgeber stufen die Verbraucherschützer die Lebensversicherung für die Altersvorsorge als ungeeignet ein.
Erste zaghafte Ansätze der sogenannten Ampelkennzeichnung kennen wir aus der Lebensmittelbranche. Die farbige Darstellung von etikettierten Nährwerttabellen auf Lebensmittelprodukten soll für den Konsumenten Zuckerbomben und Fettfallen enttarnen, ihn für eine bewusste Ernährung sensibilisieren. Auch diese Initiative geht mit auf Verbraucherschutzorganisationen zurück. Ihr Argument: In vielen Fällen täuschten die Hersteller durch die Aufmachung ihrer Produkte über deren tatsächlichen Inhalt hinweg. Die Protagonisten fordern die Politiker in Brüssel und Berlin auf, die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel gesetzlich festzuschreiben.

Doch lässt sich dieses Prinzip so ohne weiteres auf Altersvorsorgeprodukte übertragen? Autorin Edda Castelló glaubt daran. So wie viele Verbraucher im Sinne einer gesunden Ernährung offenbar die falschen Produkte im Kühlschrank lagerten, lägen in den Depots der meisten Leute eben auch "schlecht ausgewählte, unpassende, riskante, undurchsichtige oder zu teure Anlagen".

Die Verantwortlichen sind dabei schnell ausgemacht. Die Mitarbeiter in Banken, Sparkassen und Versicherungen seien eben keine Berater sondern Verkäufer. "Sie empfehlen Produkte, an denen sie möglichst viel verdienen", schreibt die Verbraucherschützerin. Dies sollten sich die Verbraucher bewusst machen, der Ratgeber soll dazu einen Beitrag leisten. Mehr noch: "Auf einen Blick können Sie erkennen, ob Ihre Geldanlage zu Ihnen passt oder nicht", heißt es.

Mit der 44 Seiten starken Broschüre unternimmt die über die Bundeslandgrenzen hinaus bekannte Hamburger Verbraucherschutzzentrale den bislang einmaligen Versuch, die gängigsten Anlageprodukte - unterteilt in 16 Gruppen - einer Art Ampelprüfung zu unterziehen. Das heißt, die Sicherheit der Produkte, ihre Renditechancen, Liquidität und Transparenz werden über die drei Ampelfarben Rot ("Gefahr), Gelb ("Risiko vorhanden") und Grün ("empfehlenswert") klassifiziert und jeweils mit einem kurzen Satz kommentiert. Dabei sind Farbabstufungen möglich. Darüber hinaus gibt es eine abschließende Kurzempfehlung, ob das Produkt oder die Produktgruppe für die Altersvorsorge geeignet ist oder nicht.

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