Vorübergehende Schließung Morgan Stanley muss Immofonds abwerten

Seit Monaten lassen einige in Liquiditätsnot geratene Immobilienfonds ihre Anleger nicht an ihr Geld. Nur wenige Fonds haben bislang wieder geöffnet. Jetzt meldet sich Morgan Stanley mit einer unschönen Neuigkeit: Der Fonds des Hauses muss stark abgewertet werden - und wird erstmal komplett dichtgemacht.

Frankfurt am Main - Während bereits einige offene Immobilienfonds die vorübergehende Aussetzung der Rücknahme von Anteilen wieder beendet haben, geht Morgan Stanley den entgegengesetzten Weg: Das Unternehmen macht den Fonds "Morgan Stanley P2 Value" ab sofort komplett dicht. Bestehende Anleger können nicht nur, wie bereits seit Monaten, keine Anteile zurückgeben. Es können vielmehr auch keine neuen Investoren in den Fonds einsteigen.

"Die Aussetzung der Ausgabe erfolgt, da erste Ergebnisse der Neubewertung durch unabhängige Sachverständige auf signifikante Abwertungen hinweisen", begründet der Fondsanbieter den Schritt in einer Pressemitteilung. "Mit dieser Maßnahme soll sichergestellt werden, dass sich die neuen Anleger vor einer Kaufentscheidung eingehend über die Situation informieren können."

Die Geschäftsführung von Morgan Stanley Real Estate Investment GmbH hatte die unabhängigen Sachverständigen erst kürzlich mit den vorgezogenen Neubewertungen aller Objekte beauftragt, heißt es weiter. Ergebnisse sowie damit einhergehende Auswirkungen auf den Anteilspreis würden nach Abschluss der Bewertungen bekannt gegeben.

Auf eine Dauer der Komplettschließung wollte sich Walter Klug, Geschäftsführer von Morgan Stanley Real Estate Investment, gegenüber manager-magazin.de nicht festlegen. Zunächst müssten die Ergebnisse der Immobilien-Neubewertungen vorliegen, so Klug. Dann könne über eine Wiederöffnung entschieden werden. Nach Angaben des Fondsmanagers ist ebenso noch nicht absehbar, in welcher Größenordnung abgewertet wird und wie sehr die Anteilsscheine an Wert verlieren werden. Auch eine Region oder einen Markt, die besonders stark von den Abwertungen betroffen sind, nannte Klug nicht.

Dem aktuellen Monatsbericht des Fonds ist zu entnehmen, dass bereits im Juni fünf Immobilien aus dem Portfolio durch Sachverständige neu bewertet wurden. Bei zwei Objekten seien die Werte des vergangenen Jahres "weitestgehend bestätigt" worden.

Bei den drei Logistikobjekten La Granada I, II und III in Spanien habe sich aber aufgrund der stark gesunkenen Preise im spanischen Logistikmarkt eine Veränderung ergeben. So kam es zu einer Wertberichtigung um 4,95 Millionen Euro. Den aktuellen Verkehrswert der Objekte gibt Morgan Stanley in dem Papier mit 47,59 Millionen Euro an. "Dies entspricht unter Berücksichtigung der latenten Steuern einer Veränderung von rund 12 Cent pro Anteilsschein", schreibt das Unternehmen.

Hintergrund: Beim Morgan Stanley P2 Value handelt es sich um einen vergleichsweise jungen Immobilienfonds. Die ersten Investitionen wurden im Dezember 2005 und im Januar 2006 getätigt.

Inzwischen besteht das Portfolio laut Fondsinformation aus dreiundzwanzig Immobilien in Europa (Logistik und Büro), einer Immobilie in den USA (Lifestyle Shopping- und Entertainment Center) sowie sechzehn Immobilien in Asien (Einzelhandel, Logistik, Büro und Wohnen). Die einzelnen Objekte befinden sich in Frankreich, Spanien, Österreich, Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Schweden, Japan, Hongkong, Singapur und in den USA. Der Gesamtverkehrswert der Immobilien beläuft sich auf rund 2,22 Milliarden Euro.