Samstag, 21. September 2019

Tagesgeld Parkplätze für Geld sind teuer

2. Teil: Keine Inflation in der Rezession

Noch im Frühjahr gingen fast alle Kommentare und Studien von einem Anziehen der Inflation aus. Die - im Rahmen der Rettungspakete für den Bankensektor - ausufernden Staatsdefizite und Neuverschuldungen sollten die langfristigen Zinssätze unter Druck setzen - sprich deutlich steigen lassen. Das Gegenteil ist passiert. Deutlich anziehende Inflationsraten werden sicher noch einige Monate - eher ein paar Jahre - auf sich warten lassen. In einer globalen Rezession mit äußerst geringen Kapazitätsauslastungen sind Preiserhöhungen weltweit kaum durchzusetzen. Kennen Sie Branchen, die in den kommenden Monaten mit deutlichen Preiserhöhungen aufwarten können? Ich kenne außer dem Staat keine.

Rät zum Blick auf das KGV: Thomas Grüner von Grüner Fisher Investments
Eine zehnjährige Staatsanleihe rentierte Anfang 2000 mit fast 7 Prozent (dies entspricht einem KGV von 100:7=14). Der Dax Börsen-Chart zeigen hatte jedoch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 34. Aktien waren damals also mehr als doppelt so teuer als Anleihen. Was wurde bevorzugt? Aktien.

Heute rentieren zehnjährige Bundesanleihen nur noch mit rund 3,3 Prozent - dies entspricht einem KGV von 100:3,3=30! Parallel dazu hat der deutsche Aktienindex Dax ein KGV von rund 10. Was bevorzugen die Investoren heute? Anleihen.

Die Emotionen machen den Anlegern wohl auf Sicht der nächsten Jahre wieder einen Strich durch die Rechnung. Während man Anfang 2000 voller Gier weiter in die teuren Aktien investierte, treibt uns heute die Angst in die vermeintliche Sicherheit der historisch außerordentlich teuren Staatsanleihen und man parkt in Tagesgeldern nahe der Null-Prozent-Marke. Dabei ist es aus heutiger Sicht extrem unwahrscheinlich, dass die Renditen der Anleihen beziehungsweise Tages- und Festgeldkonten auf Sicht von fünf beziehungsweise zehn Jahren die Aktienmärkte schlagen werden können.

Die Konditionen verschlechtern sich drastisch

Im letzten Herbst hörten meine Mitarbeiter und ich in Gesprächen mit Kunden und Interessenten fast immer das gleiche Argument: "Warum soll ich denn jetzt investieren, wenn ich auf meinem Tages- beziehungsweise Festgeld sichere 5 Prozent bekomme?" Das Argument war zumindest damals noch teilweise nachvollziehbar. Die hohen Aufschläge, die Banken damals auf den EZB-Leitzins zahlten, waren lediglich ihrer prekären Liquiditätssituation geschuldet. Banken zahlten ihnen diese "Subprime-Zinsen" nur deshalb, da sie ansonsten keine ausreichend neue Mittel rekrutieren konnten.

Diese vereinbarten Konditionen laufen jetzt sukzessive aus. Bei einer Neuanlage werden die Konditionen deutlich schlechter sein. Der Eonia liegt bei 0,33 Prozent. Viel höher bekommen Sie Ihre Tages- und Festgelder für größere Beträge kaum noch verzinst. Der Anlagenotstand wird sich dabei verschärfen.

Vermeintliche Schnäppchen sollten Sie dabei immer kritisch hinterfragen. Deutliche Aufschläge auf den Eonia beinhalten immer zusätzliche Risiken.

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