Mittwoch, 27. Mai 2020

Geldanlage Wenn Banken Tote sehen wollen

Das passt anscheinend ins Bild des skrupellosen Bankberaters: Obwohl Anleger mit US-Lebensversicherungen bislang vor allem Miese machten, sammeln Deutsche Bank und HypoVereinsbank weiterhin Millionen für Investments in diesem Sektor ein. Die Investoren lassen sich auf ein makabres Glücksspiel ein.

Hamburg - Bei manchem Marktbeobachter dürfte das für Stirnrunzeln sorgen: Seit Kurzem bietet die HypoVereinsbank (HVB) über ihre Tochter Wealthcap einen neuen Fonds an, der in US-Lebensversicherungen investiert. Mindestens 50 Millionen US-Dollar will die Bank bei Privatleuten einsammeln - das Geld fließt in einen Markt, auf dem deutsche Anleger bislang zum größten Teil verheerend schlechte Resultate erzielt haben.

Makabres Glücksspiel? Anleger wetten mit Millionen über Policenfonds auf den Tod von Versicherungskunden
Hintergrund: Vor gut fünf Jahren schossen die US-Lebensversicherungsfonds wie Pilze aus dem Boden. Bis heute wurden etwa 50 solche Beteiligungsgesellschaften platziert. Der Anlageklasse liegt eine simple Idee zugrunde: Die Fonds kaufen Versicherten in den USA ihre Risikopolicen ab. Die Fonds zahlen die Prämien weiter und kassieren die Versicherungssumme - sobald derjenige, der die Police ursprünglich abgeschlossen und dann verkauft hatte, verstirbt.

Allein in den Jahren 2004 und 2005 zahlten deutsche Anleger einer Markterhebung zufolge mehr als zwei Milliarden Euro in Fonds mit dieser Ausrichtung. Rückblickend dürften die meisten ihr Investment wohl bereuen. Denn die Kalkulation der Beteiligungsgesellschaften ging nur in den seltensten Fällen auf. Der Grund: Um die Rückflüsse aus den Policen kalkulieren zu können, hatten sich die Fondsinitiatoren auf Gutachten verlassen, die in den USA über die Lebenserwartung der Versicherten erstellt worden waren. Und diese Gutachten, das ist inzwischen klar, waren das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden.

Manche Policenverkäufer lebten Insidern zufolge doppelt so lange wie kalkuliert - die Fonds mussten also entsprechend länger auf die Versicherungsumme warten. Ein weiteres Problem: Durch die plötzliche Nachfrage der Fonds wurde der Markt in den USA signifikant beeinflusst. Die Policenpreise stiegen und die Fonds konnte nicht mehr so günstig einkaufen wie geplant.

Von Ausschüttungen in Höhe von 8 Prozent der Einlage pro Jahr und mehr, wie sie einmal versprochen worden waren, konnte daher in den meisten Fällen keine Rede sein. Dass viele der Fonds die versprochenen Ausschüttungen nicht leisten können, wurde schon vor rund zwei Jahren erstmals bekannt.

Eine aktuelle Marktuntersuchung der Analysegesellschaft Fondsmedia für manager-magazin.de bestätigt das: "Addiert man sämtliche Auszahlungen aller dokumentierten Fondsgesellschaften und das investierte Anlegerkapital, liegen die realisierten Auszahlungen im Schnitt bei 2,5 Prozent pro Jahr", schreiben die Analysten. Zwar gebe es auch Ausreißer, die bereits bis zu 60 Prozent der Einzahlungen wieder an die Investoren ausgeschüttet haben. Etwa jeder zweite US-Lebensversicherungsfonds mit einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren hat bislang jedoch überhaupt noch keine Auszahlung an seine Anleger geleistet, so Fondsmedia.

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