Freitag, 5. Juni 2020

Geldanlage Wenn Banken Tote sehen wollen

4. Teil: HVB-Versicherte starben früher als erwartet

"Unsere Anleger sind zufrieden": Die HVB hat bereits mehr als 550 Millionen Euro mit Policenfonds platziert
Der Unterschied: Zwar läuft auch bei den HVB-Fonds, die inzwischen unter dem Tochterlabel Wealthcap zusammengefasst wurden, nicht alles nach Plan. Die Fonds leisten aber bislang regelmäßige Ausschüttungen. "Unsere Anleger sind zufrieden", sagt Thomas Laumont, LV-Fonds-Verantwortlicher bei Wealthcap. "Wir hatten aber auch von vornherein nicht so hohe Renditen versprochen wie andere." Eine Portion Glück, so Laumont, sei allerdings ebenfalls im Spiel gewesen. "In den ersten Jahren hatten wir mehr Versicherungsfälle, als kalkuliert." Im Klartext heißt das: Die Versicherten starben früher als erwartet.

Die Frage scheint daher trotz allem auch bei der HVB berechtigt: Warum weiterhin solche Fonds? "Der Markt hat sich verändert", sagt Laumont. "Viele Investoren haben sich im Laufe der Finanzkrise zurückgezogen. Momentan besteht die Möglichkeit, sehr günstig einzukaufen."

Und die Lebenserwartungsgutachten? Die für die Kalkulation so elementar wichtigen Prognosen haben sich offenbar ebenfalls geändert. Um 30, 40 ja bis zu 60 Prozent seien die prognostizierten Restlebenszeiten gestiegen, ist am Markt zu hören. Einem Versicherten, dem bislang eine verbleibende Lebenserwartung von beispielsweise fünf Jahren bescheinigt wurde, werden unter gleichen Voraussetzungen heute also sieben oder acht Jahre in Aussicht gestellt.

Ob sich der Betroffene an diesen Zeitplan hält, steht aber nach wie vor erst im Nachhinein fest. Das ist sein Glück - und oft das Pech der Anleger. In jedem Fall ist es kein Zufall, dass die Experten auf die Formulierung Wert legen, die Gutachten seien "länger geworden". "Besser" nennt sie niemand.

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