Freitag, 5. Juni 2020

Geldanlage Wenn Banken Tote sehen wollen

2. Teil: "Ältere Versicherte um 400 Millionen US-Dollar betrogen"

Hinzu kommt: Die Marktbeobachter aus Hamburg wissen auch von allerlei Unregelmäßigkeiten in dem Markt zu berichten. "Aufgrund lückenhafter Rechtsstrukturen wurden betrügerischen Absichten (auf dem US-Policenzweitmarkt, d. Red.) je nach US-Bundesstaat Tür und Tor geöffnet", schreibt Fondsmedia. "Von 2000 bis 2002 wurden ältere Versicherte um insgesamt rund 400 Millionen US-Dollar betrogen."

Im Fokus: Deutsche Fonds kaufen Amerikanern ihre Risikopolicen ab
Häufig seien Anteile an nicht existierenden Lebensversicherungen verkauft worden. Diverse Behörden und Organisationen warnen in den USA nach Angaben der Agentur davor, Investments auf dem LV-Zweitmarkt als sicher oder überdurchschnittlich rentabel darzustellen. Spätestens im Mai 2004, als die US-Aufsichtsbehörde SEC den Policenhändler Mutual Benefit geschlossen habe, hätten deutsche Anleger gewarnt sein sollen, so die Analysten.

Damit aber nicht genug: Auch bei den Fondsanbietern diesseits des großen Teichs geht es mitunter hoch her. Die Anleger des mehr als 40 Millionen US-Dollar schweren Fonds VCH Expert US-Life etwa liegen schwer im Clinch mit ihrem Fondsmanagement. Von schlechter Geschäftsführung ist in Gesellschafterschreiben die Rede und von der Gefahr, das Kapital könnte demnächst "in weiten Teilen weg" sein. Auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung soll nun die Geschäftsleitung, die im Laufe der Jahre Millionen US-Dollar Managementkosten "ohne adäquate Gegenleistung" verursacht haben soll, ausgetauscht werden.

Die Verantwortlichen wiederum halten dagegen, sprechen von unrichtigen und ehrverletzenden Behauptungen seitens einzelner Anleger. Ein wichtiger Garantiegeber sei in Konkurs gegangen, der Zweitmarkthändler - Hauptgeschäftspartner des Fonds in den USA - daraufhin ebenso. "Es ist unfair und unangemessen, den Ausfall von Dritten (...) nun dem ehemaligen Management zur Last zu legen", heißt es in einer Stellungnahme an manager-magazin.de.

Angesichts dieser Auflistung von Pleiten, Pech und Pannen würde sich wohl niemand wundern, wenn das Kapitel US-LV-Fonds längst abgeschlossen wäre. Nicht zuletzt die aktuelle Offerte der HVB beweist jedoch das Gegenteil. Zwar sind die meisten Initiatoren tatsächlich von der Bildfläche verschwunden, sodass das jährliche Platzierungsvolumen der Fonds von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr 2005 auf weniger als 130 Millionen Euro im vergangenen Jahr eingebrochen ist. Einige Anbieter halten aber immer noch an dem Geschäftsmodell fest.

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