Rentenversicherung Was aus 50.000 Euro wird

Lippenbekenntnisse zur gesetzlichen Rente sind derzeit wieder verdächtig oft zu vernehmen. Von daher verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen auf eine private Rentenversicherung setzen. Doch auch die private Rente leidet. Sie wird kaum noch reichen, um die viel zitierte Rentenlücke zu schließen, wie eine Studie zeigt.

Hamburg - So lange ist es nicht her, dass sich die Menschen allein auf die gesetzliche Altersrente verließen, galt sie doch als auskömmlich. Allenfalls sparte man noch für eine kleine Betriebsrente oder zahlte in eine klassische, also kapitalbildende Lebensversicherung ein, die dann mit Ablauf auf einen Schlag einen ansehnlichen Geldbetrag abwarf. Nicht selten floss dieser Erlös in den privaten Konsum. Doch die Prioritäten haben sich verschoben. Und die jüngst aufgeflammte Diskussion um Rentenkürzungen zeigt einmal mehr, die gesetzliche Rente ist in ihrer Höhe nicht sicher.

Auch daher sparen die meisten Menschen jetzt von vornherein für eine zusätzliche, lebenslange Rente oder sie wandeln mit Beginn des Ruhestands einen größeren Geldbetrag in so eine Rente um - etwa die Ablaufsumme einer Kapitallebensversicherung. Das Geschäft mit hohen Einmalbeträgen für eine lebenslange Rente brummt: Allein im vergangenen Jahr nahmen die deutschen Lebensversicherer auf diese Weise 12,9 Milliarden Euro ein.

Mittlerweile sind mehr als die Hälfte der bei Lebensversicherern abgeschlossenen Verträge private Rentenpolicen. Gemessen am Beitragsvolumen sind es gar zwei Drittel. Das hat auch damit zu tun, dass der Gesetzgeber die staatliche Förderung bei der Riester-Rente oder der Rürup-Rente eben an die Verrentung des Sparguthabens knüpft. Doch wie bei der Kapitallebensversicherung, die seit Jahren unter fallenden Ablaufleistungen leidet, rutschen auch die privaten, lebenslangen Renten drastisch ab. Trotz privater Altersvorsorge wird es immer schwieriger, die viel zitierte Rentenlücke zu schließen.

Was der Kunde wissen sollte

Die Qual der Wahl: aufgeschoben, sofort, dynamisch, konstant

Ohne unabhängige Beratung sollte kein Verbraucher eine private Rentenversicherung kaufen. Denn sie ist ein sehr komplexes Produkt und kennt bereits verschiedene Varianten sowohl in der Anspar- als auch in der Entnahmephase. Bei der aufgeschobenen Rente zahlt der Kunde lange einen gleichbleibenden oder leicht ansteigenden Geldbetrag ein. Aus dem angesparten Kapital bezieht er seine lebenslange Rente. Bei der Sofortrente überweist er einmalig einen höheren Betrag, aus dem der Versicherer die Rente zahlt.

In der Entnahmephase ist die Rentenhöhe entweder konstant, sie kann mit zunehmenden Alter aber auch steigen (dynamische Variante) oder drittens fallen. Die Rente selbst setzt sich aus einer garantierten Mindestrente und einer variablen Überschussrente zusammen. Letztere kann der Anbieter bei schlechten Kapitalmarktbedingungen drastisch kürzen.

Garantiezeit kann sinnvoll sein, kostet aber

In eine private Rentenversicherung lassen sich verschiedenste Bausteine integrieren. Zum Beispiel eine sogenannte Beitragsrückgewähr. Stirbt der Versicherte bereits während der Ansparphase, erhalten seine Hinterbliebenen je nach Vertragsgestaltung einen Großteil der eingezahlten Beiträge inklusive der Überschussanteile zurück. Ähnlich wirkt eine Rentengarantiezeit: Wird sie für zehn Jahre vereinbart, und stirbt der Versicherte bereits ein Jahr nach Rentenbeginn, zahlt der Anbieter die Rente an die Hinterbliebenen neun weitere Jahre aus. Auch diese Garantie kostet selbstverständlich Geld. Je länger sie läuft, desto geringer fällt die Rente aus.

Policen mit steigenden Rentenzahlungen (dynamische Renten) dürften vor allem jenen Kunden entgegenkommen, die gesund sind, von einer hohen Lebenserwartung ausgehen und zugleich ein Pflegerisiko im hohen Alter abdecken möchten. Eine fallende Rente eignet sich eher für Menschen, die von einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung ausgehen oder bewusst in den ersten 10 bis 20 Rentenjahren vergleichsweise mehr Geld zur Verfügung haben möchten.

Mit ähnlichen Argumenten wird ein Berater seinem Kunden vermutlich auch einen Vertrag mit einer konstanten Rentenzahlung nahelegen.

50.000 Euro reichen kaum für 300 Euro Rente

Analyse muss sich enorm langen Zeiträumen widmen

Empirische Analysen zu privaten Rentenversicherungen über einen langen Betrachtungszeitraum sind bislang Mangelware. Der Grund liegt auf der Hand: Vor Beginn der 90er Jahre boten Lebensversicherer keine garantierten Renten an. Zudem behielten sie die gezahlten Beiträge ein, wenn der Versicherte vor Rentenbeginn starb. Das Geld war damit verloren. Mit Beginn der 90er Jahre gestalteten die Anbieter die Produkte kundenfreundlicher, die Verbraucher nahmen sie allmählich an. Gleichwohl müssen ernst zu nehmende Analysen über aufgeschobene Renten noch an der schwachen Datenbasis scheitern: Erstrecken sich doch Anspar- und Rentenphase zusammen über vier bis fünf Jahrzehnte, während die private Rente erst seit zwei Jahrzehnten ernsthaft verkauft wird.

Folglich konzentriert sich die dritte empirische Analyse privater Rentenversicherungen des Fachorgans Map-Report abermals auf die Variante der sofort beginnenden Rente gegen Einmalbetrag, die angesichts der nach wie vor schwachen Datenlage konstante, steigende und fallende Renten zusammenfassend aber nicht differenziert betrachten kann. Map-Report hat dabei für drei verschiedene Rentenbeginne (1990, 1995 und 2000) ermittelt, welche Sofortrente ein Mann (63) bei Abschluss einer Police mit einer einmaligen Kapitalzahlung von 50.000 Euro und zehnjähriger Rentengarantiezeit beziehen würde.

50.000 Euro reichen kaum für 300 Euro Rente

Die Ergebnisse sind ernüchternd und zeigen eine klare Tendenz: Die steigende Langlebigkeit der Bevölkerung und die dauerhaft niedrigen Kapitalmarktzinsen zehren stark an der Rendite der privaten Rente. Selbst 50.000 Euro Einmalbetrag reichen kaum noch, um die durch die Rentenreformen entstandene Rentenlücke angemessen zu schließen.

Wer im Jahr 1990 eine private Rentenversicherung abgeschlossen hat, bezieht derzeit durchschnittlich eine Monatsrente von 394,12 Euro. Dabei haben die Anbieter ihren Kunden in den vergangenen 20 Jahren bislang im Schnitt rund 95.000 Euro überwiesen. Die besten der 22 analysierten Lebensversicherer bringen es auf eine Summe von rund 101.500 Euro, der schwächste rangiert bei 87.000 Euro.

Jüngere Verträge werfen bis zu einem Viertel weniger ab

Für den Untersuchungszeitraum ab 1995 bis 2009 haben immerhin 32 Lebensversicherer ihre Datensätze übermittelt. Hier liegt die durchschnittliche Monatsrente gut 50 Euro niedriger, nämlich bei 344 Euro. Die im Schnitt ausgezahlte Rentensumme für die vergangenen 15 Jahre liegt bei 65.300 Euro. Zu den Spitzenreitern zählen Debeka (71.661 Euro), Iduna (69.721 Euro) und Generali (69.654 Euro).

Weitere 39 Gesellschaften haben ihr Datenmaterial für die im Jahr 2000 beginnende Sofortrente geliefert. Wer zu diesem Zeitpunkt 50.000 Euro investierte, muss sich jetzt mit einer durchschnittlichen Rente von knapp 293 Euro begnügen - das ist nahezu ein Viertel weniger als zum Rentenbeginn 1990. "Die verheerende Wirkung der Niedrigzinspolitik der Notenbanken schlägt bei dieser Generation voll ins Kontor", kommentiert Map-Report-Chef Manfred Poweleit.

Im Schnitt hat der Rentner von seiner Lebensversicherung in den vergangenen zehn Jahren rund 37.000 Euro ausgezahlt bekommen. Der stärkste Anbieter bringt es auf knapp 41.000 Euro, der schwächste Lebensversicherer überwies seinen Kunden etwa 7400 Euro weniger.

Was nun - Einsatz verdoppeln?

Das Dilemma liegt auf der Hand. Lang anhaltende Niedrigzinsen und die zunehmende Lebensdauer der Menschen, mit der die Lebensversicherer zwangsläufig kalkulieren müssen und die zu zahlenden Renten runterrechnen, haben insbesondere in den vergangenen zehn Jahren die private Rentenlücke deutlich vergrößert - denn die aus der gesetzlichen Rente zu erwartenden Zahlungen werden tendenziell fallen, bestenfalls stagnieren.

Dabei liegen laut Poweleit die bereits jetzt im Schnitt gezahlten gesetzlichen Renten auf einem bedenklich niedrigen Niveau: 933 Euro seien es monatlich bei Männern und nicht einmal 500 Euro bei Frauen. "Die private Rentenversicherung ist immer noch eine sinnvolle Option, um die gesetzliche Rente aufzustocken", sagt Poweleit. Wenn aber ein angespartes Kapital von 50.000 Euro kaum mehr als 300 Euro zusätzlich im Monat abwirft, sei dies schon ein bedrohliches Zeichen.

Die 100.000-Euro-Frage

Im Grunde müsste für die kommende Generation die zusätzliche private Rente doppelt so hoch ausfallen, um die zu erwartenden Einbußen bei der gesetzlichen Rente egalisieren zu können, sagt Poweleit. Der Durchschnittsbürger müsste demnach bis zum Renteneintritt 100.000 Euro ansparen, um dann im Alter mit einer zusätzlichen Privatrente finanziell über die Runden zu kommen. Dazu müsste er seine Sparanstrengung allerdings enorm steigern, räumt Poweleit ein. Wie stark, macht folgendes Beispiel deutlich:

Der langjährige durchschnittliche Kapitalmarktzins der vergangenen 55 Jahre beträgt etwa 6,6 Prozent. Bei diesem Zinssatz hätte ein Sparer 30 Jahre lang monatlich 91 Euro auf die hohe Kante zu legen, um den Betrag von 100.000 Euro zu erreichen, rechnet Map-Report vor. Das Problem: Dieser langjährige Kapitalmarktzins wurde das letzte Mal im Juli 1995 erreicht.

Die Konsequenz: Beim gegenwärtigen Durchschnittszins von rund 3,1 Prozent müsste der Verbraucher seine Sparleistung auf 169 Euro erhöhen, also um sage und schreibe rund 86 Prozent - ein enormer Sprung, der dauerhafte Disziplin und viel Verzicht einfordert. Wohl nur die wenigsten dürften dazu in der Lage sein.

Die besten Rentenversicherer im Überblick

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