Lebensversicherer Wer in der Krise am meisten zahlt

Deutschlands Lebensversicherer zahlen ihren Kunden auch in diesem Jahr weniger aus. Damit sinken die Leistungen zum achten Mal in Folge. Zwischen den stärksten und den schwächsten Anbietern liegen Welten - genau genommen bis zu 35.000 Euro Differenz bei der Ablaufleistung.

Hamburg - Angesichts drastisch gefallener Aktienmärkte und dauerhaft niedriger Zinsen dürfte das Ergebnis im Grunde nicht verwundern, für die Lebensversicherten ist es dennoch bedrückend. Denn am Ende zählt nun einmal, wie viel Geld beim Kunden ankommt. Die Leistungen aus einer Kapitallebensversicherung, die die Anbieter in diesem Jahr auszahlen, sinken im Schnitt erneut und damit im achten Jahr in Folge. Das geht aus der jüngsten Ablaufanalyse des Branchendienstes Map-Report hervor.

In diesem Jahr wirft eine Kapitallebensversicherung mit Todesfallschutz und 100 Euro Monatsbeitrag nach 30 Jahren Laufzeit im Schnitt 88.673 Euro ab, haben die Experten von Map-Report errechnet. Im Vorjahr waren es noch 90.797 Euro und damit 2124 Euro mehr. Im Spitzenjahr 2001 bekam ein 60-jähriger Mann im Durchschnitt sogar 16.000 Euro mehr ausgezahlt. Die geringeren Auszahlungen spiegeln sich auch in der Rendite wider: Im Jahr 2001 erzielte der Lebensversicherte 6,21 Prozent Rendite auf seinen Beitrag, in diesem Jahr sind es 5,32 Prozent.

Bei Policen mit 20 Jahren Laufzeit rutschte die Durchschnittsrendite in den vergangenen acht Jahren von 6,52 auf 4,80 Prozent ab. Noch schlechter sieht die Rechnung laut Map-Report bei Verträgen mit zwölf Jahren Laufzeit aus. Hier trafen die zwei großen Börsenkrisen der vergangenen Jahre die Versicherten überproportional stark: Die Rendite sackte im Schnitt von 6,09 auf 3,63 Prozent ab.

Map-Report-Chef Manfred Poweleit weiß natürlich um die negative Außenwirkung solcher Ergebnisse, kann ihnen allerdings durchaus auch gute Züge abgewinnen. Im Grunde müssten sich die Lebensversicherten freuen. "Denn im Gegensatz zu Aktien-, Fonds- oder Zertifikatesparern haben sie kein Geld verloren", stellt der Branchenxperte fest. Insbesondere für die vergangenen 18 Monate trifft diese Aussage sicherlich zu.

Entscheidend ist aber, dass der Kunde seinen Vertrag durchhält. Über alle Laufzeiten hinweg kündigt nahezu noch jeder zweite Lebensversicherte seine Police vorzeitig. Zumeist macht der Kunde damit ein schlechtes Geschäft. Für den Abbrecher sind die genannten Renditen aber auf jeden Fall Makulatur. Und schließlich macht es auch einen gewichtigen Unterschied, bei welcher Gesellschaft der Versicherte unterzeichnet hat, wie die jüngste Studie erneut zeigt.

Big ist selten beautiful

So erzielt ein 30 Jahre laufender Vertrag des unangefochtenen Qualitätsmarktführers Debeka in diesem Jahr eine Ablaufleistung von 112.617 Euro, beim schlechtesten Anbieter sind es dagegen lediglich rund 77.000 Euro. Mit anderen Worten: Während der Debeka-Kunde auf seine Gesamteinzahlung von 36.000 Euro rund 76.600 Euro Zinsen erhält, reichen die Schwächsten der Branche gerade noch 41.000 Euro Zinsen an ihren Lebensversicherten weiter.

"Damit ist man nicht mehr konkurrenzfähig, das spricht sich herum", ist Map-Report überzeugt. Doch wenn das wirklich so wäre, wenn die Kunden also wirklich kritisch selektierten, dürfte eine ganze Reihe von Lebensversicherern mittlerweile kaum noch Neugeschäft verzeichnen. Dem ist aber nicht so.

Auffällig ist, dass die Branchenschwergewichte in der Spitzengruppe kaum zu finden sind. Big ist eben nicht immer beautiful. Unter den zehn besten Gesellschaften mit den höchsten Ablaufleistungen findet sich neben Debeka und R+V nicht eine weitere Gesellschaft, die auch zu den zehn größten Lebensversicherern zählt.

Der Sparkassenversicherer Neue Leben zum Beispiel, der mit 99.795 Euro Ablaufleistung Platz drei einnimmt, rangiert in puncto Umsatzgröße auf Rang 25 der deutschen Anbieter. Und mit der Süddeutschen Lebensversicherung schiebt sich gar ein wahrer Marktzwerg unter die Top Ten: Der Anbieter bringt es gerade einmal auf rund 46 Millionen Euro Prämieneinnahmen, rangiert mit einer Ablaufleistung von rund 96.100 Euro auf dem fünften Platz, liegt mit Blick auf Umsatzgröße allerdings auf Rang 77.

Die Marktgiganten verblassen mit schwachen Ergebnissen

Die Marktgiganten hingegen verblassen mit überwiegend schwachen bis indiskutablen Erlösen für ihre Kunden. Die Allianz Leben schafft es mit einer Ablaufleistung von 89.918 Euro gerade noch unter die ersten 20 Gesellschaften - hier zeigt sich "noch ein gewaltiges Verbesserungspotenzial", urteilt Map-Report über den Marktführer.

Darüber hinaus finden sich unter den zehn Gesellschaften mit den schwächsten Ablaufleistungen mit AachenMünchener, Württembergische, Generali/Volksfürsorge und Victoria gleich vier der zehn größten Lebensversicherer. Andere wiederum, wie Axa, Nürnberger und Deutscher Ring, haben ihre Zahlen erst gar nicht offen gelegt.

Ablaufleistungen dürften wohl weiter fallen

Es sollte nicht verwundern, wenn Ende 2010 die Ablaufleistungen im Durchschnitt erneut fallen und die Schere zwischen den besten und schlechtesten Anbietern noch weiter auseinander klaffen wird. Denn am Kapitalmarkt verdienen die Unternehmen aktuell mit 3,60 Prozent Nettorendite auf ihre Kapitalanlagen gerade etwas mehr als die durchschnittliche Garantieverzinsung ihres Policenbestandes beträgt.

Zwar hält die Branche im laufenden Jahr die Verzinsung des Sparbeitrags mit etwa 4,26 Prozent noch halbwegs stabil. Das kann sie allerdings nur, weil sie Rücklagen auflöst. Vor allem finanzschwächere Unternehmen werden sich das auf Dauer nicht leisten können, und an der Zinsfront ist Besserung nicht in Sicht.

Maximilian Zimmerer, Vorstandschef der Allianz Lebensversicherung, machte deshalb vor Kurzem deutlich, ein dauerhaft niedriges Zinsniveau werde "natürlich Folgen" für die Überschussbeteiligung haben. Manche Analysten fordern die Lebensversicherer deshalb und auch vor dem Hintergrund ihres starken Engagements bei Banken dazu auf, ihre Anlagestrategie zu überdenken. Die Anbieter sollten mehr Geld zum Beispiel in höher verzinsliche Firmenanleihen anlegen und Aktienpositionen allmählich wieder aufbauen.

Von derlei Ratschlägen hält Manfred Poweleit indes nur wenig und wettert gegen "Amateure", die jetzt bereits wieder mit "Kaufkursen" am Aktienmarkt argumentierten. "Das erinnert an den Jahrtausendbeginn: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase in 2000 kauften sogar Versicherer munter Aktien, weil sie auf Kaufkurse spekulierten. Als dann der 11. September 2001 kam und ein Jahr später der Einmarsch in den Irak, gab es ein Blutbad an der Börse und in den Bilanzen dieser Versicherer. Chance auf Wiederholung? Jederzeit."

Die besten Ablaufleistungen nach 30 Jahren

Kapitallebensversicherung:Die stärksten Anbieter bei 30 Jahren Laufzeit*

Rang Unternehmen Ablaufleistung in Euro Rendite in Prozent
1 Debeka 112.617 6,61
2 HUK-Coburg 101.808 6,07
3 Neue Leben 99.795 5,96
4 Karlsruher 98.906 5,91
5 Süddeutsche 96.099 5,75
6 DEVK a.G. 94.121 5,64
7 LVM 93.814 5,62
8 DEVK Allgemeine 93.650 5,61
9 Asstel 93.410 5,60
10 R+V 93.271 5,59
11 Stuttgarter 92.752 5,56
12 Hannoversche 92.516 5,55
13 Öffentliche Braunschweig 92.261 5,53
14 Volkswohl Bund 91.695 5,50
15 VGH 91.634 5,50
16 Provinzial NordWest 91.482 5,49
17 Continentale 91.478 5,49
18 Allianz 89.972 5,39
19 Cosmos 89.232 5,35
20 Provinzial Rheinland 88.767 5,32
Marktdurchschnitt 88.673 5,32
* Vertragstyp: Mann, Nichtraucher, Eintrittsalter 30 Jahre, Kapitallebensversicherung ohne Rabatte, jährlich 1200 Euro Beitrag, 100 Prozent Todesfallleistung
Quelle: Map-Report 2009

Die besten Ablaufleistungen nach 12 Jahren

Kapitallebensversicherung:Die stärksten Anbieter bei 12 Jahren Laufzeit*

Rang Unternehmen Ablaufleistung in Euro Rendite in Prozent
1 Debeka 20.384 5,24
2 Europa 19.987 4,95
3 HUK-Coburg 19.589 4,65
4 Asstel 19.437 4,54
5 WGV-Schwäbische 19.428 4,53
6 R+V 19.284 4,42
7 Cosmos 19.274 4,41
8 Neue Leben 19.076 4,26
9 Volkswohl Bund 18.912 4,13
10 DEVK a.G. 18.909 4,13
11 Süddeutsche 18.864 4,09
12 Neue Bayerische Beamten 18.736 3,99
13 LVM 18.611 3,89
14 Ideal 18.606 3,88
15 Öffentliche Braunschweig 18.572 3,85
16 Stuttgarter 18.575 3,85
17 Karlsruher 18.501 3,80
18 Allianz 18.496 3,79
19 Provinzial Rheinland 18.486 3,79
20 CiV 18.407 3,72
Marktdurchschnitt 18.295 3,63
* Vertragstyp: Mann, Nichtraucher, Eintrittsalter 30 Jahre, Kapitallebensversicherung ohne Rabatte, jährlich 1200 Euro Beitrag, 100 Prozent Todesfallleistung
Quelle: Map-Report 2009
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