Immobilien Dubai-Krise erreicht deutsche Anleger

Boris Becker, Michael Schumacher, Niki Lauda - mit großen Namen hat die Alternative Capital Invest schon über 200 Millionen Euro für Immobilieninvestments in Dubai eingesammelt. Doch jetzt stört der Markteinbruch im Emirat den Betriebsfluss. Zudem gibt es Verwirrung um angebliche Ermittlungen der Immobilienaufsicht gegen ACI.

Hamburg - Als sich in Hamburg kürzlich Vertreter mehrerer Fondsemissionshäuser zu einem Seminar über Krisenkommunikation trafen, war von der Alternative Capital Invest (ACI) leider niemand dabei. Immerhin 200 Millionen Euro hat der Fondsanbieter aus Gütersloh angeblich schon bei mehr als 8000 deutschen Privatinvestoren für Investments in Dubai eingesammelt. Jetzt treffen die Auswirkungen der Finanzkrise und das abrupte Ende des Immobilienbooms dort auch die Geschäfte der ACI - doch das Emissionshaus möchte darüber nichts in den Medien sehen.

Was ist passiert? Nachdem zwei Kooperationspartner der ACI ausgefallen waren, musste das Unternehmen in den vergangenen Wochen erheblich umdisponieren. So musste die südkoreanische Gesellschaft Shinsung Engineering and Construction, mit der ACI beim Bau der Großprojekte "Michael Schumacher Business Avenue" und "Boris Becker Business Tower" kooperiert hatte, wegen massiver Schieflage ausgetauscht werden.

Zudem musste ACI den Developer Define Properties übernehmen und den Bau der "Niki Lauda Twin Towers" vollends in die eigene Verantwortung ziehen, weil Define finanziell am Ende war.

Zwar erschien vor einigen Wochen ein Beitrag auf arabianbusiness.com, der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Arabian Business", in dem ACI-Projektleiter Jörg Grunwald die Verzögerungen, die dadurch bei den genannten Projekten entstehen, auf bis zu fünf Monate bezifferte. Der Artikel verschwand jedoch - merkwürdig genug - nach wenigen Tagen wieder von der Website.

Ist die Frage nach den Auswirkungen auf die geplanten Bauzeiten und damit auf die zu erwartende Rendite für die ACI-Anleger nicht berechtigt? Auch eine Anfrage in Gütersloh bringt keine Klarheit. ACI-Geschäftsführer Uwe Lohmann weißt die Einschätzung seines Mitarbeiters zu den Bauverzögerungen vehement von sich - und steigert sich in eine Schimpftirade über Krisenberichterstattung im allgemeinen und die vermeintlich unqualifizierte Anfrage von manager-magazin.de im speziellen. Lohmanns Tenor: ACI hat keine Probleme - und die Presse keine Ahnung.

Ob die ACI-Anleger jetzt ruhiger schlafen? Seriöse Öffentlichkeitsarbeit geht jedenfalls anders. Zum Hintergrund: Als eine der ersten brachte ACI 2004 in Deutschland Beteiligungsangebote auf den Markt, über die Anleger in den aufstrebenden Markt in Dubai investieren können. Inzwischen befindet sich bereits die siebte Offerte des Hauses im Vertrieb. Mehr als 8000 Anleger haben sich nach ACI-Angaben an den Fonds beteiligt. Mit einem Beteiligungskapital von laut Ratingagentur Feri mehr als 200 Millionen Euro sorgten sie in Dubai für Investitionen von angeblich über 600 Millionen Euro.

Die Verquickungen eines arabischen Medienhauses

Inzwischen steckt das Emirat jedoch mitten in der Finanz- und Immobilienmarktkrise. Mehr als ein Drittel aller Immobilienvorhaben liegen Branchenkreisen zufolge auf Eis, Beobachter vor Ort berichten von zahlreichen Projektentwicklern, die in finanzielle Schieflage geraten und die Waffen strecken.

Aber nicht nur der Markt entwickelt sich in eine für ACI unerfreuliche Richtung. Ungemach droht dem Fondsanbieter möglicherweise noch von anderer Seite. Seit längerem schon wird ACI in Deutschland wegen mangelnder Transparenz bei der Mittelverwendung kritisiert. Das Unternehmen trägt jedoch - auch auf wiederholte Anfrage von manager-magazin.de - kaum zur Klärung offener Fragen bei. Stattdessen verweist ACI gerne auf Behörden in Dubai, bei denen Informationen zu bekommen seien - ein Irrweg, wie sich schnell herausstellt.

Einem Bericht zufolge ermittelt nun die im vergangenen Jahr neu geschaffene Immobilienaufsicht Real Estate Regulatory Agency (Rera) gegen ACI. Der Vorwurf: Beim Niki-Lauda-Twin-Towers-Projekt seien Gelder unrechtmäßig verwendet worden. "Sie (die ACI, die Red.) haben gegen 'Law No. 8' und die Vorgaben, die wir ihnen gegeben haben, verstoßen", zitierte arabianbusiness.com den Chef der Rera, Marwan Bin Ghalita. Für eine weitere Stellungnahme ist bei Rera niemand zu erreichen.

"Wir haben eine Prüfung durch eine von der Rera eingesetzte Gesellschaft ohne Probleme bestanden", sagt dagegen ACI-Geschäftsführer Lohmann. Von Ermittlungen sei ihm nichts bekannt, ob denn die Quelle seriös sei.

Gute Frage, bei deren Beantwortung ein Blick auf die journalistisch-geschäftlichen Verquickungen eines arabischen Medienhauses hilft. "Arabian Business" wird von der ITP Publishing Group herausgegeben. Das Magazin setzte ACI-Junior-Chef Robin Lohmann schon im Dezember 2007 auf seine Liste der Top-100-CEOs und widmete ihm eine Titelgeschichte ("The Brand Master"). Im Juli 2008 erhielt Lohmann zudem - ebenfalls aus dem Hause ITP - den "Arabian Property Award 2008". Und noch im Herbst vergangenen Jahres wurde der Jungmanager mit dem "CEO Middle East Award 2008" geehrt - als Herausgeber von "CEO Middle East" fungiert wiederum die ITP Group. Wenn jemand keine Zweifel an der Seriosität der Berichterstattung haben sollte, dann also wohl ACI.

Bleibt die Frage, warum ITP den ACI-kritischen Beitrag über die Ermittlungen der Rera - ebenso wie jenen über die Bauverzögerungen - nach wenigen Tagen wieder von der Website nahm. Von dem Verlagshaus war dazu keine Stellungnahme zu bekommen. Nach Information von manager-magazin.de geschah dies jedenfalls nicht wegen etwaiger inhaltlicher Mängel. Die Darstellung der Aktivitäten des Werbekunden war demnach vollkommen fehlerfrei.

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