Dax und Co. Stühlerücken in den Indizes

Den Indizes der Deutschen Börse stehen Veränderungen bevor. Im SDax ersetzt die VBH Holding außerplanmäßig die Klöckner-Werke. Zudem müssen sich Postbank und Infineon nahezu sicher aus dem Dax 30 verabschieden. Fresenius und Hannover Rück gelten als Kandidaten mit den besten Aufstiegschancen.

Frankfurt am Main - Die Bankenwerte verlieren zusehends an Gewicht im deutschen Leitindex: Nachdem erst im Dezember der kriselnde Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate  aus dem Dax  fiel, sind dort nun auch die Tage der Postbank  gezählt. Zudem gilt es unter Indexexperten als gesichert, dass am kommenden Mittwoch (4. März) auch der Chiphersteller Infineon  den Dax verlassen muss. Als Nachrücker wird neben Fresenius  nun auch der Versicherer Hannover Rück  gehandelt.

Fest steht bereits, dass es am Dienstag (3. März) im SDax  zu einem außerplanmäßigen Wechsel kommt: Der zum Stahlkonzern Salzgitter  gehörende Maschinenbauer Klöckner-Werke  wird von der VBH Holding  ersetzt, einem Großhändler für Baubeschläge. Weitere Änderungen auch in den Nebenindizes werden am Mittwoch (4. März) erwartet, wenn die Deutsche Börse  turnusgemäß die Zusammensetzung ihrer Indizes auf den Prüfstand stellt.

Es ist nach Ansicht des Indexexperten Christian Stocker von Unicredit vor der Finanzmarktkrise geschuldet, dass Infineon und die Postbank per Fast-Exit aus dem Leitindex fallen dürften. Infolge der Krise schrumpfte der Börsenwert beider Unternehmen stark, während sie beim Börsenumsatz, dem zweiten erforderlichen Kriterium für einen Indexplatz, noch gut dastehen. "Infineon rangiert bei der Marktkapitalisierung nach Streubesitz, also dem Börsenwert, nur noch auf Rang 62, die Postbank auf Rang 56", sagte Stocker mit Blick auf seine Berechnungen. Beide liegen also weit abseits vom Rang 45, der einen Indexverbleib noch ermöglicht hätte.

Von einem infolge der Krisenzeit "ungewöhnlich häufigen Stühlerücken im Dax" spricht Anke Platzek von der LBBW. "Das zeigt, was derzeit allgemein an den Aktienmärkten los ist, und dass defensive Werte in diesen Zeiten die größeren Chancen haben."

Um Infineon und Postbank aus dem Dax entfernen zu können, musste die Börse zuvor noch - ebenfalls krisenbedingt - ihre Indexregeln ändern, "denn nach der alten Regelung mangelte es an Aufstiegskandidaten", so Platzek. Die alte Regel für die Nachfolge von Fast-Exit-Kandidaten legte fest, dass die Neulinge beim Börsenumsatz der letzten zwölf Monate zu den 35 größten Unternehmen gehören mussten. Nun reicht es, in diesem Kriterium zu den 45 größten Unternehmen zu zählen. Für den Börsenwert dagegen gilt weiterhin der Rang 35 als letztmöglicher.

Rennen um zweiten Platz offen

Rennen um zweiten freien Platz offen

"Während Fresenius schon vorher eine sichere Wette war, war das Rennen um den zweiten Platz zunächst noch offen", meinte DZ-Experte Christian Kahler. Inzwischen aber habe sich die Hannover Rück mit Blick auf den Börsenwert deutlich vom bisherigen Favoriten GEA  abgesetzt. Knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt ist auch Solarworld , die zeitweise als Kandidatin gehandelt wurden. Doch nach Meinung der Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste Solarkonzern den Sprung in den Dax 30 schafft.

Während Infineon in den TecDax absteigen und dort Manz Automation  ersetzen dürfte, rechnen die Indexexperten damit, dass die Postbank erneut MDax-Mitglied wird. Der zweite im Index der mittelgroßen Werte frei gewordene Platz könnte von einem laut Platzek "alten Bekannten", nämlich der Generali, besetzt werden. Die damalige AMB Generali , die inzwischen Generali Deutschland Holding AG  heißt, war allerdings erst im Dezember vergangenen Jahres aus dem MDax  gefallen. Da es hier kein ganz festes Regelwerk gibt, kann die Börse aber auch anders entscheiden.

Stühlerücken im SDax

Der Küchenhersteller Rational  hätte dann Stocker und Platzek zufolge die besten Chancen für den MDax-Aufstieg, und für die absteigende Aareal Bank  sehen beide ElringKlinger  aufsteigen. Als möglich wird auch ein Abstieg der Aktie von ProSiebenSat1  gesehen, die dann von den Biotest-Vorzugsaktien  ersetzt werden könnten. "Nicht auszuschließen ist außerdem, dass die HRE demnächst auch noch aus dem MDax fällt, wenn der Immobilienfinanzierer im März eine Kapitalerhöhung benötigt und durch einen Staatseinstieg der Streubesitz dann unter 10 Prozent sinkt", gibt LBBW-Analystin Platzek zu bedenken.

Stühle werden schließlich auch wieder im SDax gerückt: Außerplanmäßig ersetzt die VBH Holding  den Maschinenbauer Klöckner-Werke . Zum vorzeitigen Wechsel in dem Index teilte die Deutsche Börse am Freitag in Frankfurt mit, der Streubesitzanteil der Klöckner-Werke liege unter der Mindestgrenze von 10 Prozent. Die Aktie erfülle somit nicht mehr die Voraussetzungen für einen Verbleib in dem Index der kleinen Werte.

Sollten zum regulären Indexüberprüfungstermin, am Abend des 4. März, dann noch Escada  und C.A.T. Oil  aus dem SDax fallen, dürften sie laut Analystin Platzek von den Aktien der OVB und der DAB Bank  ersetzt werden. Der Platz von Delticom  wackele zwar auch aufgrund des schlechten Börsenumsatzes, doch das Kriterium Börsenwert dürfte weiter erfüllt sein. Daher geht Platzek davon aus, dass Delticom im Index bleibt, weil das Kriterium Marktkapitalisierung von der Deutschen Börse stärker gewichtet werde.

Claudia Kahlmeier, dpa-afx