Dienstag, 12. November 2019

Krankenversicherung Einheitlich teuer. Einheitlich gut?

Das Jahr geht zu Ende, im Stress bleibt manches liegen. Das ist mitunter ärgerlich. Vor allem, wenn es um die eigenen Finanzen geht und tiefgreifende Neuerungen anstehen - so etwa in der gesetzlichen Krankenversicherung. Lohnt ein neuer Tarif oder gar noch der schnelle Wechsel zur privaten Konkurrenz? Lesen Sie den vierten Teil unserer Serie.

Hamburg - Zum Jahreswechsel kommt für alle gesetzlich Versicherten der Gesundheitsfonds, in den sie einen festgelegten Einheitsbeitrag einzahlen. Laut MLP-Gesundheitsreport 2008, einer repräsentativen Allensbach-Studie zum Gesundheitssystem, sei sich aber erst gut ein Viertel der Bevölkerung dessen bewusst. Der Einheitsbeitrag liegt bei 15,5 Prozent, wovon der Versicherte 0,9 Prozentpunkte allein tragen muss, die restlichen 14,6 Prozentpunkte teilt er sich mit seinem Arbeitgeber.

Viele Kassen, ein Beitrag: Künftig werden Versicherte bei jeder gesetzlichen Krankenkassen den gleichen Beitragssatz zahlen. Politik und Gesetzgeber erhoffen sich davon mehr Wettbewerb unter den Kassen bei Service und Beratung. Der Wettbewerb in der GKV dürfte sich auch über Zusatzleistungen und neue Tarife verschärfen.
DPA
Viele Kassen, ein Beitrag: Künftig werden Versicherte bei jeder gesetzlichen Krankenkassen den gleichen Beitragssatz zahlen. Politik und Gesetzgeber erhoffen sich davon mehr Wettbewerb unter den Kassen bei Service und Beratung. Der Wettbewerb in der GKV dürfte sich auch über Zusatzleistungen und neue Tarife verschärfen.

Schon jetzt liegt der Beitragssatz einzelner Krankenkassen über dem Einheitsbetrag. Wer also bei einem vergleichsweise teuren Anbieter versichert ist, zahlt künftig zunächst einmal weniger. Für viele günstiger gesetzlich Versicherte hingegen wird es teurer. Ein Sonderkündigungsrecht wegen des für sie gestiegenen Beitrags auf 15,5 Prozent haben sie nicht. Es gilt weiter die zweimonatige Kündigungsfrist. Allerdings können sie künftig nur in eine andere gesetzliche Kasse wechseln, wenn sie der alten 18 Monate angehörten. Das Krankenkassen-Hopping wird damit erschwert.

Ob es bei den 15,5 Prozent bleibt, ist vorerst offen. Denn kommt eine Krankenkasse mit den Mitteln aus dem Gesundheitsfonds nicht aus, kann sie von ihren Mitgliedern einen zusätzlichen Beitrag von bis zu 1 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens erheben. In diesem Fall haben die Kunden ein Sonderkündigungsrecht und können die Kasse sofort wechseln.

Der Wettbewerb wird mit neuen Tarifen steigen

Beobachter gehen davon aus, dass der Wettbewerb unter den gesetzlichen Kassen eben wegen des Einheitssatzes steigen wird: etwa beim Service, der Beratung oder auch möglichen Zusatzleistungen. Darüber hinaus dürfte sich der Wettbewerb durch die zunehmende Gestaltungsfreiheit bei Wahltarifen und neuen freiwilligen Tarifen verschärfen.

Doch aufgepasst: Tarife, die eine Kasse freiwillig anbieten darf, binden den Kunden in der Regel für mehrere Jahre an das Unternehmen. Der möglichen finanziellen Ersparnis des Versicherten sind zudem gesetzliche Grenzen gesetzt. Darüber hinaus trägt er - etwa bei Selbsthalttarifen - ein gewisses finanzielles Risiko selbst. In jedem Fall sollte sich der Kunde über die Angebote genau informieren, bevor er sich auf einen neuen, spezifizierten Tarif einlässt.

Für Verbraucher mit einem überdurchschnittlichen Einkommen, die freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, könnte der Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) jetzt eine Überlegung wert sein, zumal sie oftmals bessere Leistungen bietet. Wechseln können Arbeitnehmer jedoch erst dann, wenn sie drei Mal in Folge die Mindestverdienstgrenze (2008: 48.150 Euro brutto) überschritten haben.

Wer in der PKV mehr will als als den Basistarif, den die privaten Krankenkassen ohne Risikoaufschläge oder Risikoausschlüsse anbieten müssen, sollte sich über eines im Klaren sein: Die Beitragshöhe in der privaten Krankenversicherung bemisst sich dann differenziert nach Geschlecht, Alter und eben möglichen Vorerkrankungen sowie selbstverständlich den gewählten Leistungen. Analog zu den freiwillig angebotenen Tarifen der gesetzlichen Kassen gilt auch hier zuvor zu prüfen, welche Leistungen werden angeboten und braucht man diese überhaupt.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung