Der Ikea-Fonds Schrauben für die Rendite

Der Inbusschlüssel und eine schlichte Schraubanweisung - diese Kombination führt bei Ikea und seinem Billy-Regal zum Erfolg. Ähnliches will nun Martin Weber für die Geldanlage erreichen. Doch Weber ist kein Tüftler. Er ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim. Die kurze Geschichte einer Idee und ihrer Reise vom Reißbrett der Universität an die Finanzplätze der Welt.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Am Anfang stand Billy. So ein Regal, wie es in vielen Haushalten steht. Ein klarer Grundriss, praktisch und ohne Zierrat. Stahlschrauben, Fichtenholz und viel Stauraum. Genau so einfach müsste auch die Geldanlage funktionieren, dachte Martin Weber. Einfach, billig - eben funktional. Ein Ikeafonds.

Am Oktober 2008 ist Martin Weber weiter. Arero - Der Weltfonds, so der Name des Papiers, steht nicht mehr nur auf dem Papier, sondern auch in den Regalen der Banken. Vaterstolz? So etwas würde der Wissenschaftler vermutlich nicht zugeben. Dennoch klingt so etwas wie Befriedigung in seiner Stimme mit: "Seit dem 21. Oktober ist der Fonds zu haben." Und nach einer kurzen Pause. "Er ist auch schon im Minus, wenn allerdings nicht so wie die Konkurrenz."

Ein neues Produkt mitten in der Finanzkrise - gutes Timing sieht tatsächlich anders aus. Doch darum geht es Weber auch nicht. Es geht ihm um eine vergessene Tugend bei der Geldanlage. "Die meisten Portfolios kranken an der Assetallokation, der Aufteilung des investierten Geldes in die einzelnen Anlageklassen also. Deren Bedeutung habe ich auch lange unterschätzt."

Genau diese Aufgabe soll der Fonds lösen. Und nichts anderes. Weber und sein Team haben dazu nachgerechnet, was die langfristig beste Kombination der verschiedenen Anlageklassen ist. 60, 25, 15 lautet das Ergebnis. 60 Prozent Aktien, 25 Prozent Anleihen und 15 Prozent Rohstoffe. Aktien wegen der langfristig höchsten Gewinnchancen, Anleihen zur Absicherung und Rohstoff, ja warum Rohstoffe?

"Die sind niedrig und phasenweise negativ zu Aktien und Anleihen korreliert." Die eine Investition soll also die andere abfedern. "Es geht bei dem Fonds darum, liquide Assetklassen zu bündeln. Immobilien wären sicherlich eine Überlegung wert gewesen als drittes Anlageziel, aber die besitzen Investoren oft schon, zum Beispiel als Häuschen in der Stadt." Und warum die Betonung auf Liquidität? "Man muss sich von den Investments jederzeit ohne Probleme trennen können."

Die Kraft der Passivität

Die Kraft der Passivität

Tatsächlich aber will der Fonds gar nicht viel handeln. Denn es ist ein passives Investment. Genauer ein Indexfonds. Ein Anlagevehikel also, das das rechtliche Gewand eines Fonds trägt, aber auf den sonst üblichen Versuch verzichtet, den Index oder die Konkurrenz schlagen zu wollen. "Statistisch gesehen ist dieser Versuch sowieso zum Scheitern verurteilt."

Die Zahlen geben Weber Recht. Nur ein Bruchteil aller aktiven Fondsmanager, die das Geld ihrer Kunden global anlegen, gelingt es, den Index dauerhaft zu schlagen. Warum also die teuren Gebühren zahlen, so die Frage von Weber.

"Statt 1,5 Prozent im Jahr kostet Sie das nun 0,45 Prozent." Ikea eben statt Designerboutique. Möglich wird das unter anderem durch den Verzicht auf darauf, das Depot ständig umzubauen. Bei dem Weltportfolio passiert das nur einmal im Jahr. Wenig im Vergleich zu aktiven Fonds, die ihr Portfolio manchmal mehrfach im Jahr umbauen. Rebalancing heißt das übrigens im Finanzjargon. Im Falle des Ikea-Fonds, wie Weber selbst seine Schöpfung nennt, wird die Gewichtung jeden Februar neu austariert - zurück auf 60, 25 und 15. Warum im Februar?

"Im Januar werden die Zahlen des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts veröffentlicht, so haben wir die aktuellsten Daten. Die brauchen wir zur Gewichtung der vier Aktienindizes," sagt Weber.

Nun müssen die Deutschen den Fonds nur noch kaufen. Und das dürfte schwieriger sein als bei anderen Fondsprodukten. Denn die Fondsgesellschaften locken ihre Vertriebsmitarbeiter regelmäßig, indem sie ihnen einen Teil der Verwaltungsgebühr auszahlen. Bei rund 1,5 Prozent, die ein konventioneller Aktienfonds kostet, gibt es dazu auch Spielraum. Bei 0,45 Prozent allerdings nicht. "Den Vertrieb, den machen wir", bekennt Weber freimütig. Die DWS, die ihm die rechtliche Plattform für seine Kreation zur Verfügung stellte, hält sich aus dem Verkauf heraus.

Studien indes sagen den ETF dennoch eine große Zukunft voraus. Bis 2015, so eine Erhebung der Steinbeis Hochschule Berlin, werde die Summe der aktiv verwalteten Gelder um 15 Prozent zurückgehen. Und der Anteil der passiven Produkte steigt. In den USA stecken bereits rund 10 Prozent der Investorengelder in solch passiven Vehikeln. Deutschland ist davon noch weit entfernt.

Immerhin, auch das Regal Billy dürfte am Anfang belächelt worden sein. Günstig und zweckmäßig - ob das wohl reicht? Zumindest im Falle des Möbels ja. Inzwischen gibt es den hölzernen Dauersteher bereits seit 1978.

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