Geschlossene Fonds Anleger verzweifelt gesucht

Die HCI Capital AG hat ihre Prognose erneut gesenkt und erwartet jetzt, das Jahr mit einem Verlust zu beenden. Der Emittent geschlossener Fonds ist kein Einzelfall, Anleger haben zurzeit kaum Interesse an unternehmerischen Beteiligungen. Schlaglicht auf einen erfolgsverwöhnten Markt in der Krise.

Hamburg - Lange Gesichter im Finanzvertrieb und bei den Initiatoren geschlossener Fonds. Die weltweite Finanzkrise hat die Branche voll erwischt. Anleger suchen zurzeit vor allem Sicherheit für ihr Geld - in unternehmerischen Beteiligungen wird diese offenbar nicht vermutet.

Schon zum Ende des Halbjahres errechnete die Berliner Agentur Scope für den Markt einen Rückgang des platzierten Eigenkapitals von fast zwölf Prozent. Fast alle Fondstypen verzeichneten geringere Absatzzahlen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Inzwischen hat sich die Stimmung offenbar noch mehr eingetrübt.

Für die meisten Anbieter ist das eine neue Erfahrung. Jahrelang steigerten sie ihre Umsätze, erfanden immer neue Fondskonstruktionen und Investitionsziele, um die Vertriebsmaschinerie am Laufen zu halten. Selbst das Ende der Steuersparmodelle vor einigen Jahren steckte die Branche überraschend gut weg. Die Produkte wurden - zumindest auf dem Papier - auf Rendite getrimmt, der Vertrieb verfeinert, die Zielgruppe vergrößert. Auch der konjunkturelle Aufschwung der vergangenen Jahre trug dazu bei, dass immer mehr Schiffs-, Immobilien- und andere Beteiligungen unters Volk gebracht wurden.

Auf dem Höhepunkt der Euphorie drängten im Herbst 2005 einige besonders ambitionierte Emissionshäuser an die Börse. Für weiteres Wachstum und den Ausbau der Produktpalette werde zusätzliches Kapital benötigt, hieß es. Innerhalb weniger Monate gaben mit HCI Capital , Lloyd Fonds  und der damaligen Finanzhaus Rothmann AG drei Emittenten ihr Börsendebüt.

Inzwischen ist klar: Viel Freude haben die Unternehmen ihren Aktionären seitdem nicht bereitet. Seit Monaten geht es mit den Aktienkursen abwärts. Vorläufiger Tiefpunkt: HCI Capital hat in der Nacht zum Samstag wegen der Finanzkrise erneut seine Prognose korrigiert. Das Unternehmen rechnet nun im Gesamtjahr mit einem Verlust. Unter dem Strich wird 2008 ein Minus von voraussichtlich neun bis 13 Millionen Euro erwartet, teilte die Gesellschaft mit. "Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise bedeuten eine erhebliche Belastung für das Ergebnis der HCI Gruppe", erklärte Vorstandschef Ralf Friedrichs. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten zu einer allgemeinen Verunsicherung und deutlichen Zurückhaltung der Anleger geführt.

Erst im August hatte das im SDax gelistete Emissionshaus nach einem Halbjahresverlust von rund 18,5 Millionen Euro seine Jahresprognose gesenkt. Statt eines ursprünglich anvisierten Nettogewinns von 33 Millionen Euro hatte das Management damals lediglich ein ausgeglichenes Jahresergebnis nach Steuern in Aussicht gestellt. Der gesenkte Ausblick zwang damals den Fondsanbieter MPC Capial, der rund 40 Prozent an HCI hält, ebenfalls zu einer Absenkung seiner Geschäftsziele.

Kurseinbruch um 90 Prozent

Kurseinbruch um 90 Prozent

HCI teilte zudem mit, auch die Absatzprognose bei Fondsprodukten zurückzuschrauben. Es werde nunmehr für 2008 mit einem platzierten Eigenkapital von 650 bis 750 Millionen Euro gerechnet, nach bislang 880 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten stieg das platzierte Eigenkapital HCI zufolge um 16,8 Prozent auf etwa 508 Millionen Euro. Mit Platzierungen im Volumen von rund 167 Millionen Euro im dritten Quartal sei das entsprechende Vorjahresergebnis um mehr als 20 Prozent übertroffen worden. 2007 war für das Unternehmen allerdings auch schon ein außergewöhnlich schwaches Jahr.

HCI ist kein Einzelfall. Auch die anderen börsennotierten Fondsemittenten mussten in diesem Jahr bereits mehrfach ihre Geschäftserwartungen herunterschrauben. Beispiel Lloyd Fonds: Während die Monate Juli und August steigende Platzierungszahlen brachten, gab es seit September einen deutlichen Nachfragerückgang nach Kapitalanlagen, ließ das Unternehmen vor wenigen Tagen wissen. Im derzeitigen Umfeld sei nicht mehr von einer Erholung der Finanzmärkte und damit auch der Nachfrage nach geschlossenen Fonds im vierten Quartal auszugehen.

Aus diesem Grund gehe Lloyd Fonds davon aus, dass das Platzierungsvolumen und das Jahresergebnis 2008 geringer ausfallen werden als bisher erwartet. Eine Prognose wolle man aber nicht mehr abgeben. Erwartet werde unverändert ein positives Ergebnis, jedoch im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Bereits im Juli hatte Lloyd Fonds seine Prognose für die Eigenkapitalplatzierung um 35 Prozent auf 390 Millionen Euro drastisch reduziert.

Auch der Marktführer MPC Capital  macht keine Ausnahme. Der Vorstand des im SDax  gelisteten Unternehmens geht davon aus, die Umsatz- und Ergebnisziele für das Geschäftsjahr 2008 nicht mehr in vollem Umfang erreichen zu können, hieß es jüngst. Basierend auf der angepassten Planung, ist für das Geschäftsjahr 2008 mit einem Platzierungsvolumen von 750 Millionen Euro bis 850 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von 18 Millionen Euro bis 23 Millionen Euro zu rechnen.

Die Leidtragenden der Misere sind vor allem die Aktionäre. Der Kurs der MPC-Aktie ist seit Jahresanfang um fast 90 Prozent eingebrochen. Das Papier von Lloyd Fonds verlor seit Sommer etwa 75 Prozent an Wert. Für HCI Capital ging es bereits um etwa 80 Prozent in den Keller. Die Verlustprognose von Samstagnacht wird allerdings erst am Montag eingepreist.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.