Finanzkrise Das Banken-Wanken

Finanztitel sind derzeit das, was einst die IT-Papiere waren - die Geächteten an der Börse. Wenn Indizes fallen, stürzen sie meist noch tiefer. Doch eine Sippenhaft sei unangebracht - denn Bank sei nicht gleich Bank, sagen Branchenkenner.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - René Goscinny und Albert Uderzo haben es offenbar bereits 1959 geahnt. Und eine Figur geschaffen, die die Bankenkrise auf trefflichste repräsentiert. Verleihnix ist Fischhändler im Dorf von Asterix. Und er leiht anderen weder Fisch noch gute Worte. Ebenso wenig wie Banken einander aktuell Geld leihen - der Interbankenhandel liegt darnieder.

Entsprechend stürzen die Bankaktien ab, allein die Postbank  verlor am Dienstag auf Xetra mehr als 7 Prozent ihres Wertes. Die Deutsche Bank gab um rund 9, die Commerzbank-Aktie gar um 14 Prozent nach. Sind Banken also derzeit das, was IT-Unternehmen 2001 waren, werden sie pauschal in Sippenhaft genommen? Ganz so einfach ist das nicht.

Denn Branchenprofis machen inzwischen wieder Unterschiede zwischen den einzelnen Banken aus. Auch wenn das manchmal schwer wahrzunehmen ist.

Das macht das Beispiel Deutsche Bank  deutlich. Am Dienstag verlor das einzige deutsche Institut, das als internationale Bank betrachtet wird, rund 9 Prozent ihres Börsenwertes. Ist das das Niveau, auf dem die Börse inzwischen Aktien der Deutschen Bank einordnet? Nein, winkt Frankfurt Trust-Fondsmanager Raimund Saxinger ab. "Das war auch eine Reaktion darauf, dass die Aktie sich im Vergleich zu den anderen noch recht gut gehalten hatte." Erschwerend ging kurzfristig das Gerücht um, dass die Bank eine Kapitalerhöhung benötige. Ein Gerücht, dem die Bank mit einer nur einen Satz umfassenden Presseerklärung entgegentrat: Wir planen keinen Kapitalerhöhung, so der Tenor.

Doch auch andere Banken rutschten am Dienstag parallel dazu tief in die roten Zahlen. Eine Momentaufnahme, beschwichtigt der Fondsmanager. Über einen längeren Zeitraum biete sich ein anderes Bild. Die starken Banken stehen inzwischen heraus.

Und welche sind die starken Banken? "In Deutschland beispielsweise eine Deutsche Bank, in Großbritannien die HSBC  und in Frankreich BNP ", sagt Saxinger. Deren Aktien haben sich zuletzt im Vergleich gut gehalten.

"Diese starken Banken können auch in der Krise noch handeln. So wie die Citibank, die für die Wachovia  geboten hatte. Oder BNP, die für 19 Milliarden Fortis  geschluckt haben, am Tag an dem viele Kurse an der Börse wegbrachen. Diese Banken haben Geld und planen längerfristig", so der Fondsmanager. Schwieriger werde es für die schwachen Banken, also all jene, die sich nicht ins Lager der Champions hinüberretten können.

Megabanken als Messias?

Megabanken als Messias?

Damit ergibt sich langfristig auch eine Umstrukturierung der Bankenlandschaft.

"Ein mögliches Szenario wäre es, dass einige wenige Megabanken überleben würden und ein paar Nischenspieler. Doch ob das eine wünschenswerte Entwicklung ist?", so Saxinger. "Wir haben in der jüngsten Vergangenheit gesehen, wie schwer solche Riesenbanken zu lenken sind. Abgesehen davon habe ich etwas Sorge, wenn ich mir die Entwicklung in Großbritanien anschaue: Lloyds  beispielsweise, die in England HBOS  übernommen haben besitzen jetzt in England einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent. Das hiesige dreigliedrige Bankensystem ist da - im Kundeninteresse - strukturell wesentlich stabiler und bietet dennoch Platz für Wettbewerb."

Derweil bleibt viel Arbeit für die Banken zu tun. Sie müssen das verspielte Vertrauen der Investoren zurück gewinnen "und ganz klar sagen, was in ihren Bilanzen steckt, was an guten und was an schlechten Assets." Dann fällt die Differenzierung auch wieder leichter.

"Das Vertrauen ist weg", sagt auch Andreas Czeschinski, Fondsmanager bei Fidecum. "Die Menschen rennen inzwischen jeder schlechten Nachricht hinterher. Da tun sich die Banken auch schwer, neues Vertrauen aufzubauen. Denn jede positive Nachricht verhallt ungehört."

Und von wem soll das Vertrauen geschaffen werden? "Das ist die zentrale Frage. Die Politik schafft es auch nicht. Und den Anlegern selbst wird suggeriert, dass sie am besten Gold  effektiven Stücken halten sollen. Das hilft nicht wirklich, die Lage zu entspannen. Vielleicht haben die Amerikaner es mit ihrer konzertierten Aktion doch besser gemacht als Europa mit seinen Stückwerken"meint Czeschinski.

In dem fehlenden Vertrauen geht auch eine weitere Differenzierung unter. "In den USA ist es ein Problem schlechter Assets, bei uns in der EU ein Problem mit der Liquidität. Das wird aktuell nicht ausreichend differenziert", so Saxinger.

Und wie lange dauert es, das Vertrauen zurück zu gewinnen? Der Fondsmanager von Frankfurt Trust wollte darauf keine Antwort geben - was auch eine Antwort ist.

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