Dienstag, 25. Februar 2020

Altersvorsorge Rendite der Rente sinkt beständig

Wir zahlen über Jahrzehnte ein, doch die Rente rechnet sich kaum noch. Nach einer Expertenstudie sinken die Renditen in der gesetzlichen Rentenversicherung kontinuierlich und tendieren mitunter gar gegen Null. Die offizielle Reaktion folgt prompt.

Hamburg - Die Parallelität der Ereignisse kann kein Zufall sein: Während Experten des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) in Berlin am Montag mit einer neuen Studie einmal mehr die Schwächen der gesetzlichen Rentenversicherung herausstellen, hält unweit entfernt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Fahne des gesetzlichen Umlageverfahrens hoch.

Ungläubiges Staunen: Die gesetzliche Rente ist zwar sicher, die Menschen müssen sich aber auf niedrigere Altersbezüge und fallende Renditen einstellen.
Rentner bekämen auch künftig mehr ausgezahlt, als sie in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlten haben. Die Beitragsrendite werde zwar sinken, bleibe aber auch für die jüngere Generation mit 2,8 bis 3,3 Prozent auf lange Sicht positiv. 30- bis 50-jährige Versicherte würden damit nahezu gleich behandelt, betont die DRV. Ähnlich äußert sich der Rentenexperte und Wirtschaftsweise Bert Rürup.

Weitaus skeptischer beurteilen dagegen die Wissenschaftler Reinhold Schnabel und Adrian Ottnad die Perspektiven künftiger Rentnergenerationen. Die gesetzliche Rentenversicherung wirft nach ihren Erkenntnissen immer weniger Rendite ab. Seit 1970 habe sich für normale Rentner aller Jahrgänge die Renditeerwartung kontinuierlich verschlechtert. Das Renditerisiko der gesetzlichen Rente sei in den vergangenen Jahrzehnten sogar höher gewesen als das am Kapitalmarkt, schreiben die Autoren in der jüngsten Studie des DIA, das von der Finanzwirtschaft finanziert wird.

So habe ein lediger Berufsanfänger im Jahr 1970 (Geburtsjahrgang 1950) im Vertrauen auf die politischen Versprechen noch mit einer realen Beitragsrendite von gut 5 Prozent rechnen können. Heute hingegen müsse die gleiche Person selbst bei optimistischen Annahmen von weniger als 2 Prozent ausgehen. Bei realistischeren Projektionen tendiere die Beitragsrendite für den ledigen Mann gar gegen Null.

Derlei Szenarien hätten die meisten privaten Altersvorsorgesparer indes nicht zu befürchten. Die kapitalgedeckte Vorsorge sei keineswegs risikolos. Die Risiken seien auf lange Sicht aber geringer als bei der gesetzlichen Rentenversicherung, schreiben die Autoren.

Bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren habe die niedrigste reale Rendite eines Dax-Portfolios 3,1 Prozent betragen, während die mittlere Rendite bei 6,6 Prozent gelegen habe - gängige Verwaltungskosten eingerechnet. Festverzinsliche Wertpapiere hätten für den gleichen Zeitraum inflationsbereinigt immerhin noch eine Rendite zwischen 3 und 4 Prozent abgeworfen.

"Das Renditerisiko war und ist erheblich"

Gemessen an historischen Werten liege die statistische Wahrscheinlichkeit, mit einem Aktiendepot auf Sicht von drei Jahrzehnten eine negative Rendite zu erzielen bei 1 zu 100.000 und habe damit praktisch keine Relevanz. Die Autoren sind überzeugt: "Das Renditerisiko der gesetzlichen Rentenversicherung war und ist im Vergleich zum Risiko von Kapitalanlagen also erheblich."

Bereits in der Vergangenheit hatten der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen und der Rentenexperte Reinhard Miegel vor einem Auseinanderklaffen zwischen Beiträgen und Leistungen in der gesetzlichen Rentenversicherung gewarnt. So hatte Miegel etwa für Männer des Jahrgangs 1950 eine Rentenrendite von einem Prozent prognostiziert. Im Jahr 1970 geborene und jüngere Männer hätten aus der gesetzlichen Rentenversicherung überhaupt keine positive Rendite mehr zu erwarten.

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