Investmentfonds "Es gibt mehr Geld als gute Ideen"

Private Investoren achten nur selten auf die Größe des gewählten Anlagesegments. Zu große Volumina schmälern jedoch die Renditen vieler Anlageklassen. Ralf Lochmüller, Sprecher der Partner des Fondsanbieters Lupus Alpha, erklärt im Interview mit manager-magazin.de, worauf Anleger achten sollten.
Von Grit Beecken

mm.de: Herr Lochmüller, in der Finanzkrise haben viele Anleger Gelder aus Investmentfonds und anderen Anlagesegmenten abgezogen. Aber in Zukunft dürfte das derzeit ungebundene Kapital wieder nach Anlagemöglichkeiten suchen. Wird das Problem zu großer Fondsvolumen dann wieder akut?

Lochmüller: Die Frage ist, inwieweit zu viel Liquidität innerhalb einer Anlageklasse überhaupt Einfluss auf die Rendite nimmt. Grundsätzlich kann man sagen, dass es mehr Geld als gute Ideen gibt. Zu viel Liquidität in einer Vermögensklasse, einem Markt oder einer einzelnen Strategie kann die Rendite reduzieren. Daher sollte sich der Anleger fragen, wie viel Liquidität das jeweilige Segment aushält. Man muss also differenzieren zwischen Anlageformen, die viel Liquidität aushalten und denen, die das nicht tun.

mm.de: Und wie stellt ein Laie das an?

Lochmüller: Indem er sich mit der Kapitalisierung beschäftigt - sich anschaut, wie groß ein Markt überhaupt ist. Die Börsenkapitalisierung eines Eurostoxx-50-Index beispielsweise liegt bei über zwei Billionen Euro. Im Dax beträgt die Börsenkapitalisierung immerhin noch 750 Milliarden Euro. Das sind daher Anlagesegmente, die sehr viel Liquidität hergeben und auch aushalten - in diesen Märkten ist es schwer, die Aktienkurse über Anlageformen zu treiben. Geht man jedoch in spezialisierte Themen hinein, dann spielt das Anlagevolumen eine entscheidende Rolle.

mm.de: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Lochmüller: In Vietnam lag die Börsenkapitalisierung im Jahr 2004 noch bei 144 Millionen US-Dollar. 2008 sind es bereits 15 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: BMW hat allein schon eine Börsenkapitalisierung von rund 20 Milliarden US-Dollar. Wenn also eine Vielzahl von Vietnam-Fonds oder Zertifikate aufgelegt wird, dann ist es kein Wunder, dass deren Liquidität die Performance eines Index treibt.

Und wenn diese Liquidität den Markt dann wieder verlässt, hat das entsprechend gegenteilige Effekte - ganz unabhängig davon, dass Vietnam langfristig ein Wachstumsmarkt ist. Aber da strömt in ganz kurzer Zeit zu viel Geld hinein, pusht die Märkte und führt in Korrekturphasen wieder zu extremen hohen Verwerfungen - ohne dass sich im makroökonomischen Umfeld viel geändert haben muss.

Auch beim Kauf eines Small-Cap-Fonds, sollte man sich genau überlegen, wie groß ein solcher Fonds werden kann, damit man als Anleger noch die Möglichkeit hat, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

"Man fragt auch nach der Rendite"

mm.de: Das klingt kompliziert.

Lochmüller: Das ist es leider auch. Es ist aber wichtig, dass sich Investoren mit diesen Punkten beschäftigen. Denn so können sie Transparenz gewinnen. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Daher sind die Volumengrenzen einzelner Anlageformen eine Frage, die man seinem Bankberater stellen sollte. Man fragt ja durchaus auch nach dem Renditeziel, dem Risiko und anderen Punkten.

mm.de: Können die Fondsgesellschaften nicht auch Auskunft geben?

Lochmüller: Große Fondsgesellschaften sind in Liquiditätsfragen ambivalent: Einerseits streben sie nach einer guten Performance, andererseits wollen sie große Mittelzuflüsse. Daher ist der Anleger auf sich selbst gestellt. Wer beispielsweise in ganz kleine, kaum bekannte Schwellenländer investieren möchte, der sollte sich überlegen, wie der Markt beschaffen ist. Ein reines Vietnam-Investment zum Beispiel macht sich von den Liquiditätsströmen sehr abhängig. Das erfährt man aber nur, wenn man sich Marktkapitalisierungen einmal anschaut. In Vietnam gab es 2004 lediglich 20 Aktien, heute besteht der Markt erst aus 150 Unternehmen - das ist ein extrem volatiles Investment.

mm.de: Was kann ein Fondsmanager tun, um trotz hoher Liquidität überdurchschnittliche Renditen zu erzielen?

Lochmüller: Je größer ein Fonds ist, desto stärker muss ein Manager in liquide Formen wie beispielsweise Standardaktien investieren. Konnte ein Aktienmanager zuvor seine Rendite vielleicht noch durch Investitionen in Nebenwerte verbessern, so entfällt diese Möglichkeit ab einem gewissen Volumen.

Große aktive Fonds mit einem Milliardenvolumen können oft nur noch den Index abbilden, weil sie gar nicht mehr alle Marktchancen nutzen können. Um in Nischen zu investieren, sind sie einfach zu groß. Von diesem Zeitpunkt an werden sie teuer. Für den Anleger gibt es die Rendite des Index, aber geschmälert um die Fondsgebühren. Das kann man mit passiven Investments, die nur den Markt abbilden, günstiger bekommen.

"Beim Autokauf vergleicht jeder"

mm.de: Sind Laien nicht ohnehin immer in der schlechteren Position, weil Experten neue Anlageklassen vor ihnen entdecken und mit Liquidität vollpumpen?

Lochmüller: Ja, das ist wahrscheinlich so. Denn die Frage nach Liquiditätsgrenzen steht auf der Agenda von professionellen oder institutionellen Investoren ganz oben.

Allerdings: Beim Autokauf vergleicht ja auch jeder die Konkurrenzangebote ganz genau und macht sich im Internet schlau. Manche Fonds hingegen werden sehr leichtgläubig gekauft, ohne sich mit der Sache auch im Detail zu beschäftigen. Dabei ist man bei jedem Kauf gut beraten, sich genau zu informieren. Man sollte sich mit dem Anlagesegment und dem Anlageinhalt vertraut machen sowie hinter die Prospekte schauen. Sonst unterliegt man Modewellen oder den Verkaufstalenten einzelner Bankberater.

mm.de: Wenn Sie bei neuen Anlageklassen die Liquiditätsgrenzen noch nicht kennen und sie erst austesten müssen - an welchem Punkt ziehen Sie die Reißleine?

Lochmüller: Bei neuen Konzepten fragen Profiinvestoren und institutionelle Anleger in der Regel nach diesen Grenzen. Die Gesellschaft muss eine Antwort auf diese Fragen haben und sich dementsprechend im Vorfeld darüber Gedanken machen.

Es wäre gut, wenn das auch bei der Auflage eines Publikumsfonds passieren würde - dass der Anbieter sagt, ab welchem Volumen er den Fonds vielleicht schließen würde. Diese Information fordern private Anleger bislang aber nicht ein.

mm.de: Lupus Alpha fördert in einem Talenthotel junge Portfoliomanager. Müssen diese die Liquiditätsgrenzen ihres Anlagesegments angeben?

Lochmüller: Ja, wir verlangen zumindest eine Bandbreite. Es gibt Strategien, die in so liquiden Märkten arbeiten, dass sie nicht limitiert sind. Und es gibt andere Strategien, die sind auf 200 Millionen Euro begrenzt. Wir sagen unseren Investoren im Vorfeld, bis zu welchem Volumen ein Fonds läuft. An diese Grenzen halten wir uns.

Das ist einfach ein Teil des Anlageprozesses. Je spezieller ein Anlagesegment ist, desto größer ist die Chance, eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen. Aber in Nischenmärkten sind die Anlagemöglichkeiten immer begrenzt, und somit auch die Liquidität, die eine Investmentstrategie verträgt.

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