Donnerstag, 5. Dezember 2019

Altersvorsorge Die stärksten Lebensversicherer

Die Wahl des Lebensversicherers ist nicht selten eine Entscheidung für ein halbes Leben - sie sollte gut überlegt sein. Experten haben die deutschen Lebensversicherer unter die Lupe genommen und sagen, was einen starken Anbieter ausmacht.

Hamburg - Die deutschen Lebensversicherer haben zu kämpfen. Im vergangenen Jahr konnten sie ihre Beitragseinnahmen im Schnitt kaum steigern und verdienten am Kapitalmarkt zugleich weniger Geld. Seit Juli nun belasten die neuen gesetzlichen Informationspflichten die Unternehmen. So müssen sie etwa die Vertragskosten offenlegen. Unter Experten ist Konsens, dass in der angespannten Marktlage mit rückläufigen Vertragsabschlüssen der Wettbewerb um Neukunden künftig stärker über die ausgewiesenen Vertragskosten ausgetragen wird. Doch ist der günstige Anbieter auch der beste?

Starker Auftritt: In der entscheidenden Sekunde die optimale Leistung abrufen - ein Schlüssel zum Erfolg im Judo. Wir wissen nicht, ob Goldmedaillengewinner Ole Bischof eine Lebensversicherung hat. Klar ist aber, zu den Besten zählt hier nur, wer über Jahre Höchstleistungen zeigt.
Der Schluss liegt nahe. Denn die sparsamsten Unternehmen könnten ihren Kunden grundsätzlich auch am meisten zahlen, mag der Verbraucher argumentieren. "Wer wie der Gesetzgeber die Verbraucher verführt, nur auf einkalkulierte Abschluss– und Verwaltungskosten zu sehen, der stiftet dazu an, andere möglicherweise viel wichtigere Fakten über einen Lebensversicherer zu verschweigen", warnt dagegen Branchenexperte Manfred Poweleit von Map-Report.

Dem Kunden nutzt es wenig, wenn sein Anbieter die Kosten extrem niedrig kalkuliert, sich dann aber das benötigte Geld über eine gekürzte oder stagnierende Gewinnbeteiligung wieder zurückholt. Kosten können auch niedrig sein, weil der Versicherer am Service spart oder seine Kunden im Leistungsfall schlicht hängen lässt. "Ein Versicherer, dem jedes Jahr jeder vierte oder fünfte Kunde wegläuft, kann noch so niedrige Kosten haben - glücklich wird der Kunde hier wohl nie", sagt Poweleit.

Woran aber erkennt der Verbraucher einen guten Lebensversicherer? Die Frage ist umso wichtiger, als die Wahl des Anbieters den Kunden im Grundsatz über Jahrzehnte bindet. Kostenaspekte allein sollten hier nicht den Ausschlag geben.

"Ein richtig guter Lebensversicherer sollte viel Geld am Kapitalmarkt verdienen, mit dem Geld der Kunden sparsam umgehen und den Kunden gut beraten, ihn anständig behandeln", bringt es Poweleit auf einen Satz. Das lässt sich auch überprüfen, behauptet Map-Report. Einmal jährlich löchert der namhafte Branchendienst die deutschen Anbieter, fragt insgesamt 18 Kennzahlen ab, ordnet diese den Kategorien "Bilanz", "Service" und "Vertrag" zu und verdichtet die Ergebnisse zu einem Rating.

Über eines sollte sich der Verbraucher aber im Klaren sein: Ratings sind eine Momentaufnahme. Sie bilden den aktuellen Zustand eines Versicherers ab und ermöglichen den Vergleich mit der Vergangenheit. Welcher Lebensversicherer in 20 Jahren die höchste Überschussbeteiligung zahlt oder dann überhaupt noch am Markt existiert - derlei Prognosen lassen Ratings nicht zu.

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