Montag, 23. September 2019

Dax-Geflüster Flucht aus der Vorstadt

Teures Öl zieht nicht nur den Konsumenten Geld aus der Tasche. Es beschleunigt zusätzlich den Verfall der Häuserpreise in den USA. Viele US-Bürger fliehen aus der Vorstadt und verschärfen die Probleme in der Region. Anleger haben allen Grund, auf weiter fallende Ölpreise zu hoffen.

Mit wenigen Worten hat Ben Bernanke Anlegern etwas Luft verschafft. Der Chef der US-Notenbank hat keine Zinssenkung angekündigt, im Gegenteil. Er sehe erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und gleichzeitig ein "kritisches" Inflationsrisiko, warnte Bernanke Mitte Juli vor dem US-Kongress. Der Ölpreis, der am gleichen Tag noch bei 147 US-Dollar notierte, gab daraufhin stark nach und ist seitdem um rund 15 Prozent auf etwa 125 Dollar je Barrel gefallen. Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Dax Börsen-Chart zeigen erholten sich.

Orange County, Kalifornien: Was nützen Haus und Garten, wenn der Weg zur Arbeit nicht mehr bezahlbar ist?
Getty Images
Orange County, Kalifornien: Was nützen Haus und Garten, wenn der Weg zur Arbeit nicht mehr bezahlbar ist?
Der Preissturz beim Öl bringt Entlastung in höchster Not. Die Inflation in den USA ist im Juli auf 5 Prozent gestiegen - ein Wert, der die Fed früher oder später zu Zinserhöhungen zwingen wird. In Deutschland ist die monatliche Inflation mit 3,3 Prozent auf den höchsten Stand seit 15 Jahren geklettert.

Auch hierzulande waren Benzin und Energiekosten die Preistreiber. Die Europäische Zentralbank erwägt ebenfalls weitere Zinserhöhungen, obwohl die Konjunktur auch in Euro-Land bereits abkühlt.

Teures Öl verschärft in der aktuellen Finanzmarktkrise die Probleme auf dreifache Weise.

Es zieht erstens den Konsumenten Geld aus der Tasche, weil nicht nur die Kosten für Benzin und Heizöl, sondern mit Verzögerung auch für Gas, Strom sowie für zahlreiche Konsumartikel steigen. "Diese Nachzieheffekte dürften dafür sorgen, dass die Inflation in Deutschland kurzfristig weiter steigen wird", schätzt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. In den USA ist die Verteuerung des täglichen Lebens besonders schmerzhaft: Die US-Regierung versucht mit Steuerschecks im Wert von 170 Milliarden Dollar den Konsum anzukurbeln. Doch die Wirkung ist geringer als erhofft, wie die gestern veröffentlichten Zahlen zum US-BIP zeigen.

Teures Öl drückt Hauspreise - und verschärft die Krise

Eine durch teures Öl hochgepeitschte Inflation nimmt zweitens den Notenbanken ihr bislang effektivstes Werkzeug aus der Hand. Selbst wenn Fed oder EZB versuchen, durch Zinserhöhungen die Inflation zu zähmen, kann der Ölpreis wie eine "importierte Inflation" wirken. Damit droht das unappetitliche Szenario einer Stagflation: Die Wirtschaft stagniert oder kühlt wegen steigender Zinsen ab. Gleichzeitig steigen aber dennoch die Preise, weil andernorts auf der Welt eine hohe Nachfrage den Ölpreis hochhält.

Doch Öl treibt nicht grundsätzlich die Preise. Ausgerechnet auf dem US-Häusermarkt, der eine Erholung dringend nötig hätte, wirkt teures Öl als Preisdämpfer und verschärft damit die Krise.

Viele US-Bürger verlassen die einst gepflegten Vorstädte und hinterlassen oftmals leer stehende Häuser. Was nützt ihnen ein Häuschen mit Veranda, Gärtchen und zwei Autos vor der Tür, wenn die tägliche Fahrt zur Arbeit nicht mehr bezahlbar ist? Große Autos, mehrspurige Highways und uneingeschränkte Mobilität gehörten bislang zum American Way of Life. Bei Spritpreisen von vier Dollar pro Gallone wird er zum Luxus, den sich viele nicht mehr leisten können.

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