Geldanlage Mit deutschen Tugenden ...

Während der Deutsche im Urlaub die Welt bereist, lockt ihn in Sachen Geldanlage eher die Heimat, bilanziert eine im Auftrag der Fondsgesellschaft Schroders erstellte Gfk-Studie. Achim Küssner, Deutschland-Chef von Schroders, im Gespräch mit manager-magazin.de über deutsche Fehler und deutsche Tugenden.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Küssner, Ihre Studie bringt es an den Tag: Wir Deutsche investieren gerne in Deutschland - aber eben nur in Deutschland. Was soll man davon halten?

Küssner: Dass sich seit zehn Jahren wenig geändert hat? Im Ernst, ein bisschen hat sich etwas geändert. Denn immerhin besitzen die Deutschen inzwischen Aktien und Fonds, was ja nicht immer so war. Sicher, wir haben uns in der Studie an eben jene Menschen gewandt, die Geld anlegen, aber dass mehr als die Hälfte Fonds kaufen, freut uns als Fondsgesellschaft natürlich.

mm.de: Aber fast nur deutsche Aktien - das geht doch an den Anforderungen der Geldanlage vorbei?

Küssner: Auf jeden Fall. Die Märkte sind komplizierter geworden. Vor zehn Jahren mag es noch gepasst haben, erst einmal eine deutsche Aktie zu kaufen. Heute mit allen den Interdependenzen reicht das nicht mehr. Da muss der Anleger breiter streuen - und das vor allem auch regional. Es gibt genügend Studien, die auf die Risiken der Länder hinweisen. Allein deutsche Anlagen, das ist nun einmal riskanter als internationale Anlagen. Da muss man nicht einmal Markowitz bemühen.

mm.de: Der so schon vor langer Zeit dazu riet, nicht alle Eier in einen Korb zu legen.

Küssner: Und diese Erkenntnis wird hierzulande massiv vernachlässigt.

mm.de: Nur hier?

Küssner: Nein, interessanterweise ist das in Amerika genauso. Und in England, das ja auch als aktienfreundlich gilt, dürfte das ebenso sein.

Deutsch bleibt Deutsch

mm.de: Wenn ich mal wider den Stachel löcken darf - es heißt doch, die Globalisierung führe dazu, dass Unternehmen sich internationaler aufstellen. Im Ausland produzieren zum Beispiel, und sich dort neue Märkte erschließen. Würde ein deutsches Investment damit nicht automatisch zumindest zum Teil international sein?

Küssner: Nein, das wäre nur vordergründig. Auch wenn deutsche Unternehmen im Ausland produzieren, bleiben es trotzdem deutsche Unternehmen, und die Länderrisiken in den Portfolios bleiben erhalten. Gerade diese Länderrisiken sollten aber durch Investitionen in verschiedene Regionen umgangen werden.

mm.de: Nimmt man in Deutschland die Chancen von anderen Ländern nicht wahr, oder überbetont man die Risiken?

Küssner: Die Chancen werden schon gesehen. Wir haben zum Beispiel gefragt, in welchen Ländern die Deutschen eine kommende Supermacht sehen. Bei China sagen da viele Ja. Aber die richtigen Konsequenzen werden nicht gezogen. Kaum einer will dort investieren. Wohlgemerkt, es geht ja nicht um kurzfristige Gewinne, sondern um Geldanlage mit Sicht auf mindestens ein Jahrzehnt.

mm.de: Ein Fehler?

Küssner: Ein großer Fehler in der Gesamtwahrnehmung! Man denkt, der einheimische Markt sei stärker. Doch das damit verbundene Risiko wird falsch eingeschätzt.

mm.de: Woran liegt es?

Küssner: Ich denke, deutsche Anleger sind einfach sehr sicherheitsbewusst. Sehen Sie, Menschen, die investieren, kaufen auch Immobilienfonds. So weit so gut. Sie haben aber oftmals auch Wohneigentum. Wozu dann die Immobilienfonds?

mm.de: Und was ist nun die Lehre der Erhebung?

Küssner: Wir kommen voran, aber es bleibt noch einiges zu tun. Sei es in Form von Schulunterricht mit einem neuen Fach Geldanlage, oder sei es eine qualitative Verbesserung des Vertriebs.

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