Dienstag, 20. August 2019

Altersvorsorge Rürup-Rente lohnt nur im Ausnahmefall

"Öko-Test" hat zahlreiche Angebote zur Rürup-Rente auf Herz und Nieren geprüft. Das Urteil ist vernichtend. Die Versicherten machten nie ein gutes, meist ein schlechtes und oft sogar ein Minusgeschäft mit der Basisrente.

Hamburg - Ähnlich wie bei der Riester-Rente hat der Staat auch bei der deutlich jüngeren Rürup-Rente nachbessern müssen, damit die Policen ihre Abnehmer finden. An dem restriktiven Charakter dieser Basisrente hat sich nicht viel geändert. Die im Jahr 2006 eingeführte Neuerung aber, dass der Versicherte seine Aufwendungen bereits ab dem ersten Euro als Sonderausgaben von der Steuer absetzen kann, macht die Rürup-Rente vor allem für Besserverdiener mit einer hohen Steuerlast attraktiv. So gewährt der Staat zwar keine Zuschüsse wie bei der Riester-Rente, der Versicherte kann aber in diesem Jahr bis zu 13.200 Euro seiner Beiträge von der Steuer absetzen.

Oft ein Verlustgeschäft: Die Rürup-Rente ist nach dem Rentenexperten Bert Rürup benannt. Sie lockt vor allem mit satten Steuererleichterungen. Die Leistungen der Anbieter lassen allerdings zu wünschen übrig, hat "Öko-Test" nachgerechnet.
Die Masche mit dem Steuerkick zeigt Wirkung. 670.000 Rürup-Verträge hat die Versicherungswirtschaft mittlerweile abgesetzt, 68.000 davon allein im ersten Quartal dieses Jahres. Selbstständige und Freiberufler, denen der Förderweg der Riester-Rente versperrt bleibt, greifen vermehrt zu. Auch für ältere Arbeitnehmer mit einem hohen Verdienst, die die Riester-Förderung bereits ausgeschöpft haben, sowie für Beamte gelten Rürup-Verträge als steuergünstige Vorsorge.

Zwar kann der Versicherte seine Rürup-Rente nicht beleihen, verkaufen, verschenken oder vererben - um nur einige Nachteile zu nennen. Solchen Einwänden tritt die Versicherungslobby aber unter anderem mit dem Argument entgegen, dass die Leistungen dieser Basisrente in der Regel höher seien als bei anderen Vorsorgeprodukten.

Anständige Rendite im Alter von 109 Jahren

Doch was leisten diese verkappten Steuersparmodelle wirklich? Die Zeitschrift "Öko-Test", die seit neun Jahren auch Finanzprodukte unter die Lupe nimmt, hat in ihrer jüngsten Ausgabe ein extrem scharfes Urteil gefällt: "Die Rürup-Rente ist ein gutes Geschäft - für die Versicherer." Für den Kunden dagegen lohne sich die Basisrente nur im Ausnahmefall.

Selbst wer unterstellt, dass die untersuchten Anbieter die versprochenen Überschüsse über die garantierte Rente hinaus auch tatsächlich erwirtschaften, reibt sich verwundert die Augen. Der Kunde, der von seiner prognostizierten Überschussrente eine Verzinsung von 4,45 Prozent erwartet, wie sie langjährige Zinsanlagen in der Regel abwerfen, muss im günstigsten Fall der untersuchten Policen ohne Todesfallleistung 84,4 Jahre alt werden, im schlechtesten Fall sind es laut "Öko-Test" sage und schreibe 109 Jahre. Bei den untersuchten Rürup-Policen mit kalkulierter Todesfallleistung liegen die Werte bei knapp 83 und 110 Jahre.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung