Thilenius-Kolumne Pferdewechsel

Der feurige Renner Rohstoffe kommt außer Atem - Zeit für einen Pferdewechsel. Während der Rohstoffzyklus sich dem Ende nähert, werden Konsumgüter interessant: Beiersdorf statt Blei, Procter & Gamble statt Platin lautet die Devise.

Stuttgart - Wo ist die Schwäche am Aktienmarkt? Das zumindest fragen sich in diesen Tagen einige Anleger. Wenn es auch nicht sehr viele sind, die diese Frage stellen können - nur eben jene, die rechtzeitig in die großen Rohstoffwerte investiert haben.

Die Eigentümer von Bergbauwerten, Kohleproduzenten, unabhängigen Öl- und Gasförderern, wie es sie vor allem in England und USA gibt, und einiger Ölserviceunternehmen sehen ihre Papiere auf neuen Höchstständen oder in der Nähe der Höchststände. Die meisten dieser Papiere sind auch in den vergangenen zwölf schwierigen Monaten recht ordentlich vorangekommen.

Während man ja bekanntlich seine Gewinne laufen lassen soll, könnte der richtige Rat also sein, die Werte weiterhin zu behalten und sich an der guten Entwicklung zu freuen.

Genau das dürfte jedoch falsch sein. Denn die oben genannten Werte bilden teilweise recht ausgedehnte Kursgipfel heraus. Nach diesen Kursgipfeln ist mit einer deutlichen Abschwächung zu rechnen. Dies verträgt sich recht gut mit einigen seit Jahrzehnten bestehenden Verhaltensmustern der Aktienmärkte. Danach erreichen Energiewerte regelmäßig am Ende eines Konjunkturzyklus die höchsten Stände. Danach schwächt sich die Wirtschaft ab, die Nachfrage nach Rohstoffen sinkt und die Rohstoffwerte sinken dann auch.

Die bekannten Gründe, warum Rohstoffwerte langfristig interessant sind, bestehen zwar nach wie vor. Es ist nur damit zu rechnen, dass auf eine Frist von etwa sechs bis zwölf Monaten, bis die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, die Nachfrage nach Rohstoffen angesichts der hohen Preise zurückgeht oder zumindest stagniert.

Hafflinger statt Araber

Hafflinger statt Araber

Wer sich die Verhältnisse innerhalb der Aktienmärkte mit verständigem Blick ansieht, wird auch gleich die neuen Favoriten finden. Seit die großen Rohstoffwerte ungefähr ab April und Mai angefangen haben Gipfel zu bilden, kommen alte Bekannte nach langer Seitwärtsbewegung auf einmal wieder ans Tageslicht. In einer Zeit sich abschwächender Konjunktur steigen die Aktien der wenig konjunktursensiblen Unternehmen, die Gegenstände des täglichen Bedarfes herstellen.

Denn trotz drückender Benzinpreise und Einschränkungen der Verbraucher im Segment der Luxuswaren lebt der Bedarf nach Dingen des täglichen Bedarfes weiter fort. Derartige Unternehmen haben auch gute defensive Qualitäten. Sollte die Konjunkturschwäche länger anhalten, sind Aktionäre mit ihnen daher recht gut bedient.

Auch unter dem Gesichtspunkt der Wertzuwachssteuer sind diese Werte interessant. Über lange Fristen und unabhängig vom täglichen Hin und Her an der Börse sind diese Unternehmen zur langfristigen Anlage hervorragend geeignet. Erstklassige europäische Namen in diesem Segment sind die Deutsche Beiersdorf  und die Französische L'oreal . Wer das Währungsrisiko nicht scheut, und auch Chancen durch einen im Laufe der Zeit wieder stärkeren Dollar wahrnehmen möchte, ist in USA mit Procter & Gamble  und Johnson & Johnson  gut bedient.

Ein wichtiger Grund für die stabile Entwicklung dieser Werte in der jüngsten Zeit liegt auch in der Kostenstruktur. Die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe spielen bei diesen Unternehmen keine so sehr große Rolle, da die Herstellungskosten der Produkte relativ gering sind. Der Großteil des Werts des Produktes steckt im Marketing und Vertrieb.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

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