Sonntag, 15. September 2019

Aktienanlage Börsen-Ach und Krach

Josef Lakonishok gilt als akademischer Altmeister der Aktienanlage. Der Professor aus Illinois verwaltet selbst Investmentfonds im Value-Stil, kauft also unterbewertete Aktien. Doch trotz der weltweit gefallenen Kurse sei das in der Ach- und Krachbörse nicht einfach, sagt er im Gespräch mit manager-magazin.de. Daran seien auch ganz bestimmte Investoren schuld.

mm.de: Herr Professor Lakonishok, gucken Sie eigentlich noch Fernsehen? Dort spricht man ja nur noch von fallenden Kursen und üblen Zeiten.

Lakonishok: Sport ja, aber nicht CNBC, die Wirtschafts- und Finanzsendungen. Wir werden mit Informationen überhäuft, und das macht die Situation auch so schwierig. Ich denke, früher war die Geldanlage einfacher.

mm.de: Sie prüfen Ihre Portfolios also nicht täglich?

Lakonishok: Nein, das mache ich einmal im Monat. Früher war ich noch strenger mit mir, habe das nur einmal im Quartal angeschaut.

mm.de: Aber das kann sich nicht jeder leisten.

Lakonishok: Der Druck auf die Geldverwalter ist tatsächlich gewaltig. Das liegt auch daran, dass den Anlegern die Geduld fehlt: Während Assetmanager früher das Geld über Jahre verwalten konnten, machen seine Investoren jetzt bereits nach wenigen Monaten Druck und ziehen auch mal das Geld zurück. Das ist ein großer Fehler, man muss geduldig sein. Historisch gesehen ist es aber normal, dass auch ein guter Fondsmanager einige schlechte Quartale hat.

mm.de: Lassen sich Anleger zu ihrem Glück zwingen, indem sie ihre Anteile nicht so schnell zurückgeben können, wie zum Beispiel bei Hedgefonds?

Lakonishok: Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Wer an sein Geld will, der soll auch daran kommen. Aber langfristige Geldanlage scheint aktuell außer Mode zu sein - selbst bei jenen, die es wissen sollten.

mm.de: Die institutionellen Anleger sind also nicht so nüchtern analytisch, wie es sich Normalanleger gern vorstellen?

Lakonishok: Die tun sich beide nicht viel.

mm.de: Bei Ihren Fonds lehnen Sie aber die Annahme neuer Gelder ab.

Lakonishok: Das ist richtig. Wir wollen so verhindern, dass zu viel Geld dort hineinfließt.

mm.de: Aber viele Anleger werden sich fragen, wann diese Extreme aufhören werden.

Lakonishok: Die Frage hat mir neulich auch der Manager eines Pensionsfonds gestellt. Ich habe gesagt: "Wenn ihr wieder kauft." Das ist natürlich eine sehr einfache Antwort, aber eben auch wahr. Und kaufen werden die Menschen wieder, wenn sie Vertrauen gefasst haben.

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