Kursverluste Das Doppel D, die Finanzkrise und das teure Öl

Sie gelten als die Vorzeigekonzerne hierzulande schlechthin: Die Deutsche Bank und der Autobauer Daimler. Doch ihre Aktienkurse fallen und fallen. Warum? Götterdämmerung oder Kaufchance, das ist jetzt die Frage.

Hamburg - Weniger als 53 Euro kostete die Deutsche-Bank-Aktie  seit Jahren nicht. Seit dem Allzeithoch von knapp 118 Euro im Frühjahr 2007 hat sich der Preis mehr als halbiert. Allein in diesem Jahr beträgt das Minus mehr als 40 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax  verlor seit Januar "lediglich" 21 Prozent.

Daimler  steht nicht besser da. Für weniger als 38 Euro war die Aktie zuletzt im Sommer 2006 zu bekommen. Noch im Herbst 2007 kostete ein Papier des Stuttgarter Nobelherstellers fast 78 Euro.

Klar ist: Von oben links nach unten rechts verlaufen zurzeit die meisten Aktiencharts. Das Gros der Papiere im Dax macht da keine Ausnahme. Die Gründe für die seit rund einem Jahr anhaltenden Börsenturbulenzen sind bekannt: Die Finanzmarktkrise, deren volles Ausmaß noch immer nicht bekannt ist, der hohe Ölpreis und die miese US-Konjunktur.

Dennoch drängt sich die Frage auf, weshalb gerade die beiden deutschen Vorzeigeunternehmen an der Börse dermaßen unter die Räder kommen konnten. "Man muss im Fall der Deutschen Bank die Gesamtentwicklung im Finanzsektor betrachten", sagt Michael Seufert, Analyst für die Aktie der Deutschen Bank bei der NordLB. "Der ganze Sektor hat sich in den vergangenen Monaten halbiert."

Zwar war die Deutsche Bank offenbar besser auf die Finanzkrise vorbereitet als die Konkurrenz. Doch nun treten Probleme im Investmentbanking auf. "Das Investmentbanking ist ein zyklisches Geschäft", sagt Seufert. "Es läuft gut, wenn sich die Gesamtwirtschaft positiv entwickelt. Und wenn die Konjunktur schwächelt, wird es schwieriger."

"Deutsche Bank bekommt Ertragsproblem"

"Deutsche Bank bekommt Ertragsproblem"

Und genau dies ist jetzt absehbar. Die Zahl der IPOs in diesem Jahr ist bislang überschaubar, der Verbriefungsmarkt liegt auf absehbare Zeit brach, Finanzierungen großer Übernahmen sind nur schwer zu realisieren. "Die Deutsche Bank, die sich im Investmentbanking bisher sehr gut als 'Organisator' mit den erforderlichen Kontakten und ausgezeichnetem Know-how positioniert hat, bekommt in dem Bereich zunehmend ein Ertragsproblem", resümiert Seufert.

Das sieht offenbar auch Philipp Zieschang so. Der Analyst der UBS hat das Kursziel der Deutsche-Bank-Aktie gerade von 77 Euro auf 58 Euro gesenkt. Die Aktie verfüge kaum über Aufwärtspotenzial, so Zieschang. Die ungewissen Ertragsaussichten würden das Papier belasten.

NordLB-Analyst Seufert hat die Deutsche Bank vor wenigen Tagen von "verkaufen" auf "halten" heraufgestuft. Der Grund: Die Bank hatte zuvor Gerüchte um einen bevorstehenden Gewinneinbruch dementiert und klargestellt, dass eine Kapitalerhöhung im Zusammenhang mit der Finanzkrise derzeit nicht anstehe. "Die Deutsche Bank will sich an der Branchenkonsolidierung beteiligen und ist beispielsweise an der Postbank und der deutschen Citibank interessiert", sagt Seufert. In dem Zusammenhang könne es zwar zu einer Kapitalerhöhung kommen, diese würde aber den Gewinn je Aktie angesichts der zusätzlich akquirierten Erträge wesentlich weniger verwässern als eine Kapitalaufnahme aufgrund von hohen Abschreibungen.

Während die Deutsche Bank vor allem unter den Auswirkungen der Finanzkrise zu leiden hat, macht Daimler offenbar die schwächelnde US-Konjunktur zu schaffen. Der Erfolg des Kleinwagens Smart hat den Stuttgartern dort zwar im Juni zu einem Absatzzuwachs von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verholfen. Im gleichen Zeitraum brachen die Verkaufszahlen von Chrysler aber um nicht weniger als 36 Prozent ein. Der US-Autobauer, an dem Daimler noch mit 20 Prozent beteiligt ist, erlebte damit den heftigsten Absatzeinbruch aller auf dem US-Markt vertretenen Hersteller.

"Daimler sollte sich von Chrysler trennen"

"Daimler sollte sich von Chrysler trennen"

"Die Probleme bei Chrysler sind ausschlaggebend für die Kursentwicklung bei Daimler in den vergangenen Wochen und Monaten", sagt Aleksander Kuntz, Analyst bei der SEB Bank. Tatsächlich gab der Daimler-Kurs stark nach, als Chrysler kürzlich die 1,5 Milliarden Dollar Kreditlinie der Stuttgarter in Anspruch nahm, weil gleichzeitig Gerüchte um eine mögliche Insolvenz des US-Autobauers die Runde machten. Erst als Chrysler dementierte, erholte sich auch der Daimler-Kurs wieder ein wenig.

Dass sich Chrysler in nächster Zeit aus der Bredouille befreien wird, ist allerdings kaum zu erwarten. Angesichts der schwächelnden US-Konjunktur, steigender Treibstoffkosten und schließlich auch eines zunehmenden Umweltbewusstseins in den Staaten kaufen die Amerikaner wenn überhaupt, dann vor allem kleinere Fahrzeuge - und da haben die japanischen und deutschen Hersteller einen Vorsprung.

Mit dem 1,5-Milliarden-Kredit könnte Daimler also künftig noch Probleme bekommen. Zwar besteht die Option, den Kredit ab August 2008 am Markt zu veräußern. "Ein gewisser Abschlag gegenüber dem Ausgabewert müsste dann allerdings hingenommen werden", sagt Kuntz. Seine Empfehlung: "Daimler sollte sich schnellstmöglich von der Chrysler-Beteiligung trennen."

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