Calpers Wie man 250 Milliarden Dollar anlegt

Einer der größten Anleger weltweit ist der Pensionsfonds Calpers, der die Ersparnisse von rund 1,5 Millionen Kaliforniern und rund 248 Milliarden Dollar verwaltet. Wie die verschwiegenen Herren über das Geld diese Aufgabe lösen, obwohl gut die Hälfte der Fondsgelder in Aktien steckt, berichten sie exklusiv in manager-magazin.de.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Sie halten fast die Hälfte Ihres Geldes in Aktien - überraschend bei den Ängsten vor einer hohen Inflation, einer Rezession oder gar Stagflation.

McKinley: Sie haben recht, wir sind mit über der Hälfte unserer Assets in Aktien investiert, was über die Jahre eine gute Performance lieferte. Wie auch immer, wir haben inzwischen begonnen, Aktien etwas abzubauen. Gleichzeitig verstärken wir unsere Investments in Private Equity, Immobilien und unsere neue inflationsgesicherte Asset-Klasse. Das sind Rohstoffe, Infrastruktur, Wald und Linkers. In der Rezession 2001 bis 2002 haben wir 50 Milliarden Dollar vor allem mit Aktien verloren, dann 120 Milliarden infolge der vier starken Folgejahre gewonnen.

mm.de: Und die drohenden gesamtwirtschaftlichen Gefahren?

McKinley: Unser früherer CIO, Russell Read, hat das Board bereits darauf hingewiesen, dass die Federal Reserve Bank in einer schwierigen Position ist. Auf der einen Seite versuchen sie, die Marktliquidität zu erhalten und eine Rezession zu unterbinden, auf der anderen Seite die Inflation zu bekämpfen. Darüber hinaus geben wir keine Meinung ab. Wir handhaben das Wetter, wir sagen es aber nicht vorher.

mm.de: Noch einmal zum Thema Inflation: Wie gehen Sie damit um?

McKinley: Wir haben uns schon immer nach Möglichkeiten der Inflationsabsicherung umgesehen. PE-Investments sind so ein Hedge, aktuell haben wir rund 25 Milliarden Dollar dort investiert und zum April 2008 einen Wertzuwachs von 20 Prozent auf ein Jahr erzielt. Unsere neue inflationsgeschützte Anlageklasse ist ein anderer Hedge, der uns 17 Prozent seit seiner Auflage brachte. Und Immobilien sind wieder eine andere Absicherung.

Das Ziel bei so einer Sicherung ist es, Assets mit einer geringen Korrelation zu den Aktienmärkten zu haben. Begonnen haben wir damit vor 76 Jahren mit Anleihen. Und wir investieren noch immer in Renten als nachweislicher Portfoliodiversifizierer.

"Passiv statt aktiv"

mm.de: Welche Verpflichtungen haben Sie eigentlich gegenüber Ihren Anlegern?

McKinley: Unsere Investoren sind die rund 1,5 Millionen aktiven öffentlichen Beschäftigten und Pensionäre sowie rund 2500 öffentliche Angestellte, die in den Fonds einzahlen. Das Investmenteinkommen aus dem Fonds zahlt gut 75 Cent eines jeden Pensionsdollar. Die übrigen 25 Cent kommen grob geteilt aus den Beiträgen der aktiv Beschäftigten und Steuerunterstützungen. Unser Fonds ist fast zu 100 Prozent finanziert, das heißt, wir können unseren Verpflichtungen gegenüber den künftigen wie den aktuellen Mitgliedern erfüllen.

mm.de: Sie haben auch etliche passive Investments. Warum?

McKinley: Wir haben nicht genug Beschäftigte und Ressourcen, um direkt in Gesellschaften oder Immobilienfonds zu investieren. Unser globales Aktienportfolio umfasst zum Beispiel rund 7000 Unternehmen, von denen Calpers bis zu 0,5 Prozent ihrer Aktien besitzt. Wir müssen daher notwendigerweise passive Indexfonds nutzen. Wie auch immer, wir haben einige externe Manager mit verschiedenen Enhanced Indexing betraut, also indexnahen Strategien in globalen Aktien. Aber wir ziehen im Moment diese Manager in unser Haus, weil wir herausgefunden haben, dass unser Haus damit besser fährt.

mm.de: Und wie verwaltet man 250 Milliarden Dollar? Das ist das Volumen etlicher Staatsfonds!

McKinley: Wir haben das 13-köpfige Calpers Board of Administration, das volle Autorität hat und die Verantwortung für die Verwaltung des Fonds. Das Board legt die Leitlinien fest, wird in wichtigen Anlageentscheidungen eingebunden und - am wichtigsten - setzt alle drei Jahre die Ziel-Asset-Allokation fest. Dieses Gremium trifft sich monatlich und bekommt die Berichte der Kollegen vom Investment Office. Die wiederum, der CIO und die fünf Senior Investment Officers, setzen die Anlagepolitik um und halten das Board über diese Umsetzungen auf dem Laufenden.

mm.de: Sie sind dafür bekannt, dass Sie Listen jener Unternehmen erstellen, die sich nicht nach Ihren Vorstellungen verhalten.

McKinley: Richtig, wir sind seit den mittleren 80ern in Shareholder-Aktivitäten involviert. Wir haben herausgefunden, dass verbesserte Transparenz der Portfoliogesellschaften in einem langfristig höheren Aktienwert mündet. Die meisten unserer Anstrengungen bestehen darin, die Kooperation mit den Unternehmenslenkern, dem Aufsichtsrat und den Anteilseignern zu verbessern.

Die schwarze Liste

mm.de: Und das heißt?

McKinley: Wir wollen den Anteilswert langfristig maximieren. Denn die Unternehmen handeln nicht immer im Interesse der Anteilseigner. Das haben wir bei Enron, gesehen, bei Worldcom und bei vielen anderen Beispielen von der Rückdatierung von Aktienoptionen oder dem Gebrauch von Poison Pills; den Giftpillen, die die Aktie entwerten.

Sehen Sie, wir untersuchen jedes Jahr 1200 Firmen und schauen uns zum einen die historische Aktienkursentwicklung an, auch in Relation zu ihren Wettbewerbern. Dazu ihre Performance-Kennzahlen und zum anderen eine Reihe von Corporate-Governance-Einrichtungen, die in den Firmen an Ort und Stelle sind oder eben nicht. Mit diesen drei Faktoren sind wir in der Lage, ein Ranking der Firmen zu erstellen, von der besten bis zur schlechtesten.

mm.de: Und was machen Sie damit?

McKinley: Mit diesem Research gewappnet gehen wir zu unserem Investmentkomitee, um die Erstellung der Liste zu besprechen. Unsere Corporate-Governance-Kollegen verbringen Monate damit, mit den zuständigen Respräsentanten ausgewählter betroffener Unternehmen zu sprechen und unsere Bedenken darzulegen. So wollen wir den Standpunkt der Firma kennenlernen und eine gemeinsame Basis zur Verbesserung finden.

Und jene Unternehmen, die diesbezüglich nicht mit uns zusammenarbeiten, setzen wir mit Billigung unseres Komitees auf unsere Fokusliste.

mm.de: Sie sitzen in Kalifornien - weit entfernt von den herkömmlichen Finanzzentren. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?

McKinley: Auf dem globalem Markt von heute ist das weder ein Vor- noch ein Nachteil. Das Internet gibt uns steten Zugang zu allen Märkten. Natürlich setzen sich unsere Angestellten manchmal ins Flugzeug - vor allem, weil es keinen Ersatz für ein Vis-à-vis-Gespräch mit unseren Partnern oder Regulierern gibt. Aber die Technologie hat sicherlich die Prominenz der klassischen Aktienmärkte reduziert.

"Think big"

mm.de: Ein Rat aus dem sonnigen Kalifornien an die deutschen Anleger?

McKinley: Machen Sie es, soweit möglich, wie Calpers. Haben Sie einen soliden Plan mit einer gesunden Asset-Allokation, mit einem diversifizierten und risikoangepassten Portfolio und die Geduld, die Hochs und Tiefs der Märkte ohne Panik abzureiten. Denken Sie immer langfristig. Und beginnen Sie klein, aber denken Sie groß.

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