Porsche vs. Börse Wiedeking gibt klein bei

Der jahrelange Streit zwischen Porsche und der Deutschen Börse um die Aufnahme des Sportwagenherstellers in den Prime Standard ist beendet. Porsche gibt sich damit zufrieden, in den neu geschaffenen Index Dax International aufgenommen worden zu sein. Aber ist das wirklich eine Alternative zum Dax?

Hamburg - "Das kann sich sehr in die Länge ziehen", sagte einst ein Porsche-Sprecher zu einer deutschen Finanzzeitung. Das war im November 2004 und die Rede war vom Rechtsstreit zwischen Porsche  und der Deutschen Börse, der seinerzeit in die heiße Phase ging. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking echauffierte sich darüber, dass die Deutsche Börse  für die Aufnahme in ihren prestigeträchtigen Prime Standard die Veröffentlichung von Quartalsberichten verlangt - und zog dagegen vor Gericht.

Porsche weigert sich seit langem solche Berichte vorzulegen, angeblich, weil sie den Blick der Anleger von der langfristigen Strategie ablenken. Einige Jahre zuvor waren die Stuttgarter deshalb aus dem Mittelwerteindex MDax  verbannt worden.

Der Sprecher des Stuttgarter Sportwagenbauers sollte Recht behalten. Heute, dreieinhalb Jahre später also, teilten beide Parteien mit, der Streit sei beigelegt. "Das am Bundesverwaltungsgericht anhängige Gerichtsverfahren über die Quartalsberichtsanforderungen im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse wurde von den Parteien übereinstimmend für erledigt erklärt", schreibt die Börse.

Die Begründung, die Porsche für den Rückzieher anführt: Da die Aktie der Porsche SE in den neu geschaffenen Index Dax International aufgenommen worden sei, sähen beide Parteien den Grund des Rechtstreits als entfallen an.

Der Index Dax International 100, auf den sich Porsche bezieht, wurde von der Deutschen Börse erst am 25. März dieses Jahres ins Leben gerufen. Er bündelt die 100 liquidesten nationalen und internationalen Werte aus dem Prime Standard, dem General Standard und dem Entry Standard. Über die Aufnahme entscheidet die am Orderbuchumsatz gemessene Liquidität der Titel. Enthalten sind gegenwärtig neben Porsche auch die 30 Dax-Unternehmen sowie europäische Größen wie Nokia  und EADS .

Im Klartext: Um in den Dax International 100 aufgenommen zu werden, brauchte Porsche in Sachen Transparenz nicht nachzugeben. Im Gegenteil: Selbst, wenn das Unternehmen den Streit vor dem Bundesverwaltungsgericht weiter forciert hätte, so bestätigt eine Sprecherin der Deutschen Börse gegenüber manager-magazin.de, wäre es in dem Index gelandet. Ob es wollte, oder nicht.

Porsche, der Sonderling

Porsche, der Sonderling

Aber ist eine Aufnahme in den Dax International 100 tatsächlich eine ausreichende Entschädigung für die alternativ mögliche Teilnahme am Dax , der Bundesliga des deutschen Aktienhandels also? 99 Prozent aller Unternehmen hierzulande würden die Frage wohl verneinen. Nicht so Porsche, der Sonderling unter den führenden deutschen Firmen. Die üblichen Regeln des Kapitalmarktes lassen sich auf die Sportwagenschmiede nur sehr bedingt anwenden.

In Stuttgart steht man dem Kapitalmarkt seit langem eher reserviert gegenüber. Und die Distanz kommt nicht von ungefähr. Die Stammaktien des Unternehmens befinden sich bekanntlich zu 100 Prozent im Besitz der Familien Porsche und Piëch, an der Börse werden nur die Vorzüge gehandelt. Das macht eine Übernahme a priori unmöglich. Und als eventuelle Kursstütze werden die Investments institutioneller Käufer wie etwa am Dax orientierter Investmentfonds nicht benötigt, solange sich die Papiere, wie in den vergangenen Jahren geschehen, stabil entwickeln.

Kurzum: Die Teilnahme am Dax - und Porsche fände laut Deutscher Börse sicher rasche Aufnahme in den Index, würde das Unternehmen die Transparenzvoraussetzungen erfüllen - würde vor allem dem Prestige nützen. "Viele Porsche-Fahrer tragen auch die Porsche-Sonnenbrille und wollen dazu noch die Porsche-Aktie besitzen", sagt ein Marktbeobachter zu manager-magazin.de. "Unter dem Gesichtspunkt wäre eine Dax-Zugehörigkeit sicher von Vorteil." Dass der noch kaum bekannte Dax International 100 diesen Effekt kaum mit sich bringen wird, liegt auf der Hand.

Aber warum hat Wendelin Wiedeking dann wirklich klein beigegeben? Ein Unternehmenssprecher verweist auf die Mitteilung. Dort findet sich neben der gemeinten Begründung allerdings noch ein anderer Hinweis. Porsche setze "auf eine gute Beziehung mit der Deutschen Börse" steht da. Die höfliche Floskel, die umgekehrt in der Mitteilung der Deutschen Börse nicht enthalten ist, hat vielleicht mehr Substanz als es scheint. Schließlich will Porsche demnächst die Mehrheit der Volkswagen AG  übernehmen - Das Unternehmen gehört mit einer Gewichtung von 4,1 Prozent gegenwärtig zu den größeren Werten im Dax.

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