Dienstag, 17. September 2019

"Spacs" Private Equity 2.0

2. Teil: Bald die erste Spac in Frankfurt

Bald die erste Spac in Frankfurt

Und nicht nur die Anzahl neuer Spacs pro Jahr ist rapide gestiegen. Auch das durchschnittliche Volumen der einzelnen Gesellschaften nimmt ständig zu. Laut Renaissance Capital hat es sich allein von 2006 bis 2007 auf 183 Millionen Dollar in etwa verdoppelt. Herausragend war im vergangenen Jahr die mehr als eine Milliarde Dollar schwere Emission der Liberty Acquisitions Holdings, die von der in diesem Markt führenden Citigroup Börsen-Chart zeigen begleitet wurde.

Weltweit Nummer zwei: Die Deutsche Bank will Spacs auch in Europa und Deutschland etablieren
"In den 90er Jahren, als das Geschäft erstmals aufkam, waren noch Spacs-Emissionen mit Volumina von 20 bis 60 Millionen Dollar die Regel", bestätigt Thomas Lappe, Rechtsanwalt und Partner der internationalen Kanzlei K&L Gates, gegenüber manager-magazin.de. "Heute werden nicht selten 200 bis 600 Millionen Dollar für einzelne Gesellschaften platziert." Der Spacs-Experte sieht einen Hauptgrund für den Aufschwung im derzeit schwierigen Börsenumfeld. "Da der Weg über herkömmliche IPOs weitgehend verstopft ist, gewinnt die Alternative über Spacs an Attraktivität", so Lappe. Er meint ebenfalls: "Auch in Europa könnte dies zu einem interessanten Thema werden."

Das denkt auch die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, hierzulande Branchenprimus und weltweit nach eigenen Angaben die Nummer zwei im Geschäft mit Spacs. Das Institut will in den kommenden Wochen eine Spac mit einem Aktienvolumen von rund 300 Millionen Euro an die Euronext Börsen-Chart zeigen in Amsterdam bringen. "Über den Einsatz von Optionen wird die Gesellschaft über Akquisitionsmittel in Höhe von 500 Millionen Euro verfügen", sagt Georg Hansel, Leiter des Equity-Markets-Geschäfts der Deutschen Bank in Westeuropa, gegenüber manager-magazin.de. "Denkbar ist, damit beispielsweise ein Drittel eines Familienunternehmens zu übernehmen, und auf dem Wege an die Börse zu bringen." Die Aktionäre wären also später an einem Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,5 Milliarden Euro beteiligt. Laut Hansel macht die Möglichkeit zum "eleganten Börsengang" den größten Charme der Spacs aus.

Bei dem einzelnen Projekt will es die Deutsche Bank aber keineswegs belassen. "In den USA wurden bislang rund 20 Milliarden Dollar bei Spacs-Emissionen platziert", sagt Hansel. "Wenn wir in Europa die Hälfte bewegen, wäre das schon ein tolles Ergebnis." Der Experte erwartet in den kommenden Jahren "eine mittlere zweistellige Zahl" von Spacs an europäischen Börsen. Auch in Frankfurt will die Deutsche Bank demnächst eine solche Gesellschaft lancieren.

Zur anstehenden Premiere wartet die Bank zudem mit einer Besonderheit auf: Geplant ist die erste Spac, deren Sponsoren aus der deutschen Wirtschaft stammen. Hintergrund: Die Sponsoren gelten vergleichbar mit dem Management eines Private-Equity-Fonds als Herz einer Spac. Sie sind es, die das zu akquirierende Unternehmen identifizieren und der Hauptversammlung vorstellen müssen.

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