Fonds Die Rückkehr der Wachstumsaktien

Jetzt zu den Wachstumspapieren greifen? Keine Frage, es gibt Anzeichen, die für ein Comeback der Growth-Aktien sprechen. Doch ganz so einfach scheint es nicht zu sein, räumen auch Finanzexperten ein. Und das liegt an den Anlegern selbst.
Von Arne Gottschalck

Frankfurt am Main - Die Welt der Aktienspezialisten besteht aus Zahlen, aus Grafiken und aus Stimmungsbildern. Doch auch, wenn alle diese Daten zum gleichen Ergebnis kommen - dass es dann auch so kommt wie mit ihrer Hilfe ermittelt, ist nicht gesagt. Denn die Geldanlage gehorcht keinen Naturgesetzen. Kein Wunder also, dass die Experten auf der Growth-Konferenz des Bankhauses Metzler ihre Erkenntnisse nicht als Naturgesetz verstanden wissen wollen.

Sondern offenbar als Indikation. Doch zurück zur Sprache von Zahlen, Grafiken und Stimmungsbildern. Wachstumsaktien sind günstig, so lautet das Fazit von John Granholm, der bei Alliance Bernstein für Aktien weltweit zuständig ist. "Ein Ende des jahrelangen Gegenwindes, dem sich Wachstumsinvestoren ausgesetzt sahen", freut sich der Amerikaner.

Heiko Veit, der die Growth-Aktien bei Metzler verantwortet, belegt das mit Zahlen. Zum Beispiel ist der Verschuldungsgrad der Wachstumswerte geringer als der der Value-Papiere. Die Schulden, in Relation zu den Aktien gesetzt, liegt bei Value-Aktien bei 0,87, bei den Growth-Werten bei 0,76. Keine schlechte Eigenschaft in Zeiten, in denen manche Unternehmen Problem haben, sich zu finanzieren. Abgesehen davon können Anleger bei den Wachstumstiteln höhere Erträge erwarten. Während bei den konservativen Papieren in Europa das Ertragswachstum für die kommenden zwölf Monate bei 4, 5 Prozent liegt, sind es bei den Wachstumstiteln 10,9 Prozent, rechnet Veit vor.

Auch aus anderen Indikatoren lässt sich die frohe Botschaft für Growth-Investoren herauslesen, zum Beispiel aus einer einfachen Grafik. Sie zeigt, in welchen Phasen Growth-Aktien und in welchen Value-Aktien besser gelaufen sind. Das Destillat der Kurve - jegliches hat seine Zeit. Und nun sei die Zeit der Value-Papiere abgelaufen, die Zeit für Growth sei gekommen.

Genauer: Es gibt Value-Zyklen und es gibt Growth-Zyklen. Beide dauern jeweils Jahre an. Während in Wachstumsphasen alle Aktien gleichermaßen nach oben steigen und die zyklischen Value-Werte vorne liegen, sind es in unruhigen Zeiten eher die Growth-Werte, die sich nach vorne schieben können.

Von Gini und Globalisierung

Von Gini und Globalisierung

Dafür soll auch die globale Entwicklung sorgen. Denn Globalisierung und Liberalisierung der Weltmärkte sorgen, allen Problemen zum Trotz, dafür, dass sich die wachsenden Länder in den Vordergrund schieben. Asien sei so ein Beispiel, sagt Marino Valensise, der bei Baring Asset Management oberster Anleger ist. Das belege schon der so genannte Gini-Koeffizient. Der zeige, dass die Lücke zwischen den G3-Staaten und aufstrebenden Regionen wie zum Beispiel Asien sinkt.

Immobiliengesellschaften aus Hongkong sind daher für Valensise Growth-Aktien wie sie im Buche stehen. Der Hongkong-Dollar ist an den US-Dollar gekoppelt - und mit sinkenden Zinsen könnten sich solche Firmen günstig finanzieren. "Was für ein Geschäft", so Valenises Fazit.

Alles also auf Wachstumskurs? Wenn es denn so einfach wäre. Denn das beste Angebot nützt nichts, wenn die Nachfrage fehlt. Und gerade in Deutschland ist das ein Problem. Seit Monaten geben Anleger die Anteile ihrer Aktienfonds zurück. In der Fondsbranche spricht man etwas vornehmer von Mittelrückflüssen. Wenn so etwas schon bei einfachen Aktienfonds geschieht - wie soll dann der Verkauf von volatileren Wachstumsfonds funktionieren?

"Eine schwierige Frage", räumt Alexander Lehmann, deutscher Invesco-Geschäftsführer ein. Ein Fazit, in das auch Metzler-Mann Veit einstimmt. Da könnten nur mehrere Faktoren gemeinsam helfen. Man bräuchte die Hilfe des Staates, zum Beispiel eine steuerliche Förderung. Und Produkte, die stabile Erträge liefern. Und sonst? Würde sich der deutsche Anleger eher schwer tun, das sei richtig. Immerhin, mittelbar könnte auch er von der ausgemachten Entwicklung profitieren. Vorausgesetzt, er besitzt einen Dachfonds. Denn deren Manager haben die Fondsgesellschaften längst als Kunden ausgemacht - erfolgreich.

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