Donnerstag, 14. November 2019

Dubai-Hotelfonds Das 107-Millionen-Euro-Phantom

Ein Traumhotel in Dubai und hohe Renditen für die Anleger - was ein Fondsinitiator aus Hamm einst versprach, klang verheißungsvoll. Inzwischen wird gegen den Ex-Finanzbeamten wegen Betrugsverdachts ermittelt. Der Initiator könnte seinen wichtigsten Anleger mit Sitz in der Karibik schlicht erfunden haben.

Hamm/Dubai/Dortmund - Es geht um einen geschlossenen Immobilienfonds, mit dessen Geldern einmal das größte Vier-Sterne-Hotel im arabischen Raum entstehen soll, betrieben von der Maritim-Gruppe. Es geht auch um einen jungen Finanzwirt und Steuerexperten aus Hamm in Westfalen, der den Fonds aufgelegt hat, und der Anlegern Ausschüttungen zwischen 9 und 12 Prozent pro Jahr versprach. Vor allem aber geht es um eine mysteriöse Firma in der Karibik, die in diesen Fonds angeblich 107 Millionen Euro eingezahlt hat - Geld, dass aber bislang offenbar kaum jemand zu Gesicht bekam.

Schöner Schein: So soll das Hotel des Fonds "Dubai 1000" einmal aussehen
Schon vor Monaten berichtete manager-magazin.de, dass sich in der Wüste Dubais möglicherweise ein neues Anlagedesaster anbahnt. Das Objekt des Hotelsfonds "Dubai 1000", ein Luxushotel, ausgestattet mit 1000 Zimmern und 50 sogenannten Ownersuiten, hätte laut Prospekt bereits im Juli 2007 eröffnen sollen. Tatsächlich befand sich aber auf dem angeblichen Bauplatz zu jenem Zeitpunkt lediglich eine riesige Baugrube, umgeben von einigen Baucontainern und einem mehrere hundert Meter langen Zaun.

Selbst wenn unter Hochdruck weitergearbeitet würde, so schätzten Experten seinerzeit, war eine Eröffnung der Nobelherberge frühestens zwei Jahren später zu erwarten. Worauf schon damals wenig hindeutete, erscheint inzwischen noch unwahrscheinlicher. Und das liegt nicht nur daran, dass beim Bau seit Herbst 2007 kaum erkennbare Fortschritte gemacht wurden.

Grund ist vielmehr, dass der Initiator des Fonds, Finanzwirt Georg Recker aus Hamm, nach Informationen von manager-magazin.de das Geld für das Hotelprojekt womöglich nicht einmal annähernd zusammenbekommen hat. Seit Herbst vergangenen Jahres ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen Recker und dessen Kompagnon Andreas Mautner. "Auslöser der Ermittlungen war eine Geldwäscheverdachtsanzeige seitens einer Bank", bestätigt die Dortmunder Oberstaatsanwältin Ina Holznagel. "Der Verdacht in dem konkreten Fall hat sich aber inzwischen aufgelöst." Laut Holznagel drehen sich die Ermittlungen inzwischen darum, ob das Geld der Anleger generell seinem Zweck entsprechend verwendet wird, ob also in Dubai tatsächlich ein Hotel gebaut wird. Im Raum stehe inzwischen der Verdacht des Kapitalanlagebetrugs.

Rund 143 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen des "Dubai 1000 Fonds" laut Emissionsprospekt. Mindestens die Hälfte musste Recker als Eigenkapital bei Anlegern platzieren, der Rest konnte fremdfinanziert werden. Nach Informationen von manager-magazin.de zeichneten hierzulande aber tatsächlich nur knapp 1000 Anleger Anteile im Volumen von rund 24,8 Millionen Euro. Ein Anleger wollte zwar weitere zehn Millionen Euro übernehmen, entpuppte sich aber als wenig solvent - angeblich ist dies der Grund dafür, dass für den Fonds auch nach Schließung noch Geld eingeworben wurde.

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