Bill Miller "Die Krise ist vorbei"

Bill Miller gilt als einer der renommiertesten US-Aktienfondsmanager. In den vergangenen Jahren hat sein Legg Mason Value Fund allerdings Federn lassen müssen. Das soll nun vorbei sein - denn die Finanzkrise sei beendet. Blüht Amerika jetzt auf?
Von Arne Gottschalck

Hamburg - In Amerika ist der Mann so etwas wie ein Star. Jahrelang, genauer fünfzehn Jahre, schlug er mit seinem Legg Mason Value Fund den Index. Doch 2006 kam die Schaffenskrise - er setzte auf die falschen Werte, die Wirtschaft lief anders als erwartet. Dazu kamen Gerüchte, er wolle den Fonds nicht mehr lenken und seiner Kollegin Mary Chris Gay das Ruder überlassen. Auch soll er sich 2006 eine große Jacht gekauft haben - in genau jenem Jahr, als der Fonds zu hinken begann. In den US-Medien sorgte das für einige Unruhe.

Davon ist in seinem aktuellen Auftreten nichts zu spüren. Miller ist ein guter Redner und in genau jenem Maße aufrichtig, wie es Investoren gern hören. Er habe Fehler gemacht, da gebe es nichts zu beschönigen. Wer 20006 und 2007 auf dem Papier Geld mit Millers Fonds verlor, vernimmt das freudig. Ebenso die Markteinschätzung des Managers.

"Die Krise ist vorbei", so sein klares Statement. "Jetzt beginnt der Genesungsprozess." Den Schlüssel dazu sieht Miller in dem, was er "peak of the credit spreads" nennt. Er spricht von dem Auseinanderdriften der Zinsen für riskante und für sichere Anleihen. "Jetzt kommt das runter. Damit kehrt der gesunde Menschenverstand zurück, und das ist gut für die Aktien. Der Panikmodus ist vorbei." Auch die Statistik hilft seiner Argumentation. "Zwei Drittel der Zeit gehen Aktienmärkte nach oben, langfristig sind sie also die optimale Strategie - be bullish."

Seit Anfang März geht es also wieder aufwärts. Mit Börse und Realwirtschaft gleichermaßen? Um eine so grundsätzliche Entwarnung zu geben, ist Miller zu sehr Profi. "Die ökonomischen Probleme sind noch nicht vorbei, das ist eine andere Frage." Das Wichtigste aber war es, die Kreditfrage zu klären.

Andere Probleme gibt es zuhauf. "Schauen Sie sich den Credit-Swap-Default-Markt an. Ein Riesenmarkt - und kaum reguliert. Eine Anleihe von einer Billion nur mit einer Billion zu versichern, das wäre der erste Schritt. Und weiter: "Die Behören wollen sich die Geschichte um Bear Stearns mit Hinblick auf Hedgefonds anschauen. Das ist sehr ungewöhnlich. Könnte sein, dass ein Hedgefonds das Unternehmen shortet und anderen es erzählt, wer weiß."

Rohstoffe raus

Rohstoffe raus

Und die Rezession in den USA? Sei eine Chance, denn "97 Prozent aller Zeiten nach einer Rezession sind statistisch gesehen sehr gut." Und überhaupt - "auch die Fed mit ihren 300 Volkswirten kann nicht sagen, ob und wann wir eine Rezession haben."

Damit steht Miller nicht allein da. Auch die Konkurrenz von der englischen Fondsgesellschaft Morley spricht von einer Rezession. Aber sie spricht auch davon, dass die politischen Hilfsprogramme die Konsumlaune ermutigen würden.

Passt Millers Fonds in diese Zeit? Nach seiner Ansicht eindeutig ja. Er setzt zum Beispiel auf Finanztitel, die Aktien von Banken und ähnlichen Unternehmen. 5 Prozent stecken in Aktien von J.P. Morgan. "Auch Immobilienaktien entwickeln sich trotz der Krise inzwischen gut". Und weiter: "Merrill Lynch ist interessant. Dort wird die Risikokontrolle verbessert, und der Bonus wird ausgezahlt, wenn die Aktie bei 100 Dollar notiert." Andere Experten sind vorsichtiger. Pieter Schop zum Beispiel verantwortet bei ING das internationale Aktiengeschäft und mahnt für dieses Segment zur Vorsicht. Er meidet entsprechend "amerikanische Hypotheken- und Investmentbanken."

Beim Modethema Rohstoffe winkt Miller dagegen ab. Deren Preise werden sinken, prognostiziert er. Und untermauert das einmal mehr mithilfe einer Statistik. "Nur in 3 Prozent aller Fälle waren Rohstoffe teurer." Bereits im vergangenen Jahr war das seine Meinung - der Markt entschied anders, sodass die Rohstoff-Hausse an seinen Anteilseignern vorbeilief.

Und was ist mit den Technologieaktien? Immerhin finden sich im Value-Fund auch Aktien zum Beispiel von Amazon, die in diesem Jahr bereits 25 Prozent an Wert verloren haben. Sie machen fast 7 Prozent des Portfolios aus. Ein bisschen demonstrieren solche Beteiligungen die Konstruktion des Miller'schen Imperiums. Er schaut genau hin, schlägt zu, wenn die Aktie ihm billig erscheint. Und wartet dann. Notfalls lange.

Einfacher macht diese Strategie den Turnaround nicht. Denn auch gute Investments brauchen ihre Zeit, die Wertentwicklung des Gesamtportfolios nach oben zu treiben. Vor allem, wenn Miller den Index links liegen lässt und mit nur rund 50 Aktien den Markt abbilden will. Viele Konkurrenten nutzen mindestens die doppelte Anzahl. Diese Fokussierung kann in starken Zahlen im Vergleich zum Index münden, aber auch im Fiasko. Kein Wunder also, wenn Miller ein Auge auf die riskanten Namen geworfen hat - "da ist das Erholungspotenzial am höchsten".

Kommt Miller mit dem Comeback-Versuch wieder auf die Erfolgsspur? Elvis Presley hat es 1968 erfolgreich vorgemacht. Andere scheiterten. Schon seinem Ruf wäre Miller das Gelingen schuldig.

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