Loys Hedgefonds ohne Hedge

Wo Hedge draufsteht ist nicht unbedingt Hedge drin. Lesen Sie im dritten Teil der manager-magazin.de-Serie über alternative Investments, warum Loys-Fondsmanager Thomas Meier manchmal wochenlang keine Order plaziert.
Von Grit Beecken

Hamburg - Eigentlich ist er eine Mogelpackung: Der Hedgefonds der Firma Loys enthält kaum Termingeschäfte und Fondsmanager Thomas Meier investiert auch nicht auf Kredit. In seinem Portfolio liegen - einfach und klassisch - Aktien. Aber warum heißt der Loys Global MH dann Hedgefonds, wo sich doch riskantere Anlageformen in Deutschland nur schwer an den Mann bringen lassen?

Der Loys Global MH ist ein Fonds für unterbewertete Aktien. Da deutsche Fonds maximal 10 Prozent ihrer Gelder in Wertpapiere eines Unternehmens investieren dürfen, kann der 36-Jährige bei echten Schnäppchen nicht in Mengen zugreifen. Wer sich den deutschen Anlagegrenzen nicht unterwerfen möchte, firmiert als Hedgefonds - es kann also Hedgefonds geben, die gar keine Derivate kaufen.

Termingeschäfte gibt es im Loys Global MH nur vereinzelt - und wenn, dann auf Aktien. Meier verwaltet den Fonds gemeinsam mit dem ehemaligen Union-Investment-Manager Christoph Bruns. Die Aktienliebhaber beobachten rund 500 Unternehmen - den Grundkorb, wie Meier sagt. Erscheint ein Papier unterbewertet, so wird das betreffende Unternehmen ausführlich bewertet. Das geht von der Bilanzanalyse über Gespräche mit dem Management bis hin zur Branchenanalyse. Der Aktienfonds Loys Global und der Hedgefonds Loys Global MH arbeiten nach den gleichen Prinzipien. Dabei hat der Hedgefonds den größeren Handlungsspielraum - weil er sich nicht an die 10-Prozent-Grenze halten muss. Allerdings erheben Hedgefonds in der Regel auch höhere Gebühren als herkömmliche Fonds.

Meier und Bruns steigen in ein Unternehmen ein, wenn der Aktienkurs 30 Prozent unter dem Preis liegt, den die beiden für angemessen halten. Anschließend üben sie sich in Geduld: "Ein Wert hat zwei bis drei Jahre Zeit, den fairen Preis zu erreichen", sagt Meier. Lediglich in Notfällen steige man früher aus. Im Portfolio des Fonds liegen in der Regel zehn bis 15 Titel: "Wenn schon, denn schon", sagt Meier. Daher plaziert er manchmal wochenlang keine einzige Order. Momentan ist das anders.

Meier und Bruns sind sehr aktiv: Die Situation berge ungewöhnlich interessante Anlagechancen. Wo solide Aktien ohne gute Gründe in den Abwärtsstrudel geraten sind, seien die Voraussetzungen künftiger Wertsteigerungen günstig. In den vergangenen drei Monaten haben Meier und Bruns die Investitionsquoten auf 95 Prozent angehoben, derzeit liegen 28 verschiedene Papiere im Portfolio. Das ist deswegen bemerkenswert, weil sie sonst oft Liquidität vorhalten, zu Jahresbeginn lag die Investitionsquote bei 25 Prozent.

Auch Landesbanken verbrennen Geld

Der strikten Regulierung der Hedgefonds in Deutschland steht Meier zwiespältig gegenüber. Zwar betrachte Loys die Transparenzanforderungen als großen Vorteil - aber: "Grundsätzlich sind wir der Überzeugung, dass zu eng geschnürte Regulatorien dem Anleger seine Mündigkeit absprechen". Der Anleger solle über Chancen und Risiken aufgeklärt werden, im Bezug auf Hedgefonds aber seien die Auflagen so groß, dass man letztendlich vielen Anlegern eine sehr attraktive Anlagealternative vorenthalte. Die Landesbanken beispielsweise hätten mehr Geld verspielt als so mancher Hedgefonds - und würden trotzdem nicht reguliert.

Loys wurde 1995 als regionale Vermögensberatung und -verwaltung gegründet. 2005 verstärkte Bruns das Team als Fondsmanager und berief seinerseit Meier in den Vorstand. Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Union Investment - auch damals stellte Bruns Meier ein. Inzwischen konzentriert sich Loys ausschließlich auf die Betreuung von institutionellen Anlegern und Beratern.

Mit einem Volumen von derzeit gut 120 Millionen Euro ist der Aktienfonds etwa sechsmal so groß wie der Hedgefonds, der im Frühjahr 2006 aufgelegt wurde. Im laufenden Jahr steht er im Performance-Ranking des Absolut Research Hedgefondsindex an zweiter Stelle aller 24 deutschen Hedgefonds. Meier und Bruns investieren beide auch privat in die Aktienfonds. Briefe an die Anleger unterschreiben sie mit "ihre Fondsmanager und Mitinvestoren". Das erklärt vielleicht auch den Verzicht auf Kreditaufnahme und allzu riskante Termingeschäfte.

Fondsdaten Loys Global MH Anteilklasse A

Minimumanlage 500.000 Euro
Verwaltungsgebühr 1,10 Prozent
Performancegebühr 15 Prozent (High-Water-Mark)
Ausgabeaufschlag keiner
Liquidität wöchentlich
Rücknahmeeinschränkung grundsätzlich keine
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