Donnerstag, 27. Juni 2019

Investieren in Kunst Berger, Beuys und die Bonus-Banker

Berater, Networker - und Kunstsammler: Im Gespräch mit manager-magazin.de sagt Roland Berger, Gründer von Roland Berger Strategy Consultants, wie die zeitgenössische Malerei sein Leben bereichert, welche Bilder man kaufen sollte - und warum die Kunstpreise stabil bleiben, während die Aktienkurse Achterbahn fahren.

mm.de: Herr Berger, welches war eigentlich das erste Bild, das Sie erworben haben?

Berger: Es war ein Bild von Rupprecht Geiger, das ich 1960 gekauft habe. Zuvor hatte als Student schon einzelne Grafiken und Zeichnungen erstanden. Erstmals kam ich mit zeitgenössischer, abstrakter Kunst in Berührung, als unser Zeichenlehrer mit unserer Klasse eine Kandinsky-Ausstellung besuchte. Damals war ich 14 oder 15 Jahre alt. Dieses Erlebnis hat mich sofort fasziniert und seitdem habe ich mich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigt.

mm.de: Sind es eher wirtschaftliche Motive oder die Freude an der Kunst an sich, die Sie zum Kauf bewegen?

Berger: Bildende Kunst habe ich immer nur aus ästhetischen, emotionalen und ideellen Motiven gekauft, nicht aus wirtschaftlichem Interesse. Kunst bereichert mein Leben und meine Arbeit. Sie inspiriert mich und macht mir Freude. Und wenn sich dann herausstellt, dass die Kunst die ich gekauft habe - meist von jüngeren, zeitgenössischen Künstlern - auch im Wert steigt, freut mich das natürlich.

mm.de: Sie haben also stets vor allem Werke jüngerer Künstler gekauft, die möglicherweise noch am Anfang ihrer Karriere standen.

Berger: Ja, das liegt aber einfach daran, dass das die billigere Variante war, die ich mir leisten konnte (lacht). Wäre ich Ronald Lauder, hätte ich mir vielleicht auch einmal einen Picasso, Klimt oder van Gogh geleistet. Jedenfalls macht diese Entdeckungsreise viel Spaß. Und etliche dieser jungen Künstler, die ich für mich entdeckt habe, sind heute prominent und ihre Werke sehr teuer. Manche sind aber wahrscheinlich auch gar nichts mehr wert.

Berater, Networker, Kunstsammler: Roland Berger ist Gründer und Vorsitzender des Aufsichtsrates von Roland Berger Strategy Consultants. Die 1967 gegründete Unternehmensberatung ist heute mit 33 Büros in 23 Ländern vertreten. Berger hat verschiedene Lehraufträge und Honorarprofessuren inne und gehört den Hochschulräten mehrerer deutscher und internationaler Universitäten an. Zudem sitzt er in verschiedenen Bei- und Aufsichtsräten, etwa beim Vermögensverwalter Wilhelm von Finck AG. Roland Berger ist auch Honorargeneralkonsul von Finnland in Bayern und Thüringen.
mm.de: Wie sollte jemand denn an den Markt herangehen, der junge, aussichtsreiche Künstler sucht?

Berger: Da haben Sie nur eine Chance, wenn Sie sich intensiv mit Kunst und Kunstgeschichte beschäftigen. Sie müssen die Entwicklungen verfolgen und sich à jour halten durch Galerie- und Museumsbesuche und Gespräche mit Experten und den Künstlern selber. Sie müssen gewissermaßen die Entwicklung der Kunstszene mitleben, sonst gehen Sie beim Kauf ein erhebliches Risiko ein.

mm.de: Und wonach sollte man Ausschau halten?

Berger: Ein Werk, das im Wert steigen soll, muss erstens innovativ und originär kreativ sein, ohne nachahmende Elemente. Um dies zu erkennen, muss man sich in der Kunstgeschichte auskennen. Zweitens muss das Werk handwerklich eine Meisterleistung sein. Auch um das zu erkennen braucht man ein gewisses Auge. Und das Bild muss einen ästhetischen Wert besitzen - oder einen speziell unästhetischen, auch das kann attraktiv sein.

mm.de: Ein Beispiel?

Berger: Bei Bildern von Francis Bacon etwa kann man durchaus der Meinung sein, dass sie nicht wirklich schön sind, jedenfalls nicht im konventionellen Sinne. Trotzdem sind sie sehr wertvoll geworden, denn sie sind innovativ und anspruchsvoll. Wichtig ist auch die Aussage eines Bildes, es sollte nicht nur zu rein dekorativen Zwecken entstanden sein.

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